Gestern Abend ist mir beim Spielen von Final Fantasy XIII, des neuesten Ablegers der Reihe, etwas passiert, das mir noch nie zuvor bei irgendeinem anderen Serienteil widerfahren ist: Ich habe binnen kürzester Zeit nach Starten des Spiels begonnen, mich massiv zu langweilen. Dabei hatte ich mich im Vorfeld der Veröffentlichung, allen Unkenrufen zum Trotz, sehr auf  Square Enix‘ neuesten Rollenspiel-Koloss gefreut. So sehr, dass ich nicht umhin kam, mir die deutlich teurere, leider äußerst lieblos verpackte, Collector’s Edition des Spiels zuzulegen.

Knapp 10 Stunden bin ich nun als Lightning oder einer ihrer Weggefährten (wobei der Begriff noch nicht so recht zutreffen mag) durch die Welt von Coocoon gewandelt – oder besser gesagt: durch deren schlauchförmiges Wegesystem. Tapfer habe ich dabei die – wieder einmal – äußerst verworrene Story über mich ergehen lassen, bloß mit dem Unterschied, diesmal das Gefühl zu haben, kein einziges Wort verstanden zu haben. Was ich jedoch nicht der ausgezeichneten englischsprachigen Fassung oder meinen sprachlichen Skills beim Verständnis dieser zuschreiben möchte, sondern tatsächlich mal der Geschichte als solcher.

Pulse, fal’Cie, l’Cie, Pulse l’Cie, Psicomm, Eden, Coocoon, Sanctum, WTF…?!?!? Sorry, ich habe den Faden verloren. Trotzdem bin ich nach wie vor geneigt, der Handlung auch weiterhin zu folgen (bzw. den Versuch dazu zu unternehmen), denn die Gesamtpräsentation ist, ganz Square-mäßig, natürlich mal wieder über alle Zweifel erhaben. Der Grafikstil ist nicht nur gewohnt abgedreht farbenfroh, sondern auch technisch eine Klasse für sich. Selten sahen Charaktermodelle auf der Xbox 360 schöner aus als hier. Das kommt auch der Atmosphäre in den (unzähligen) Zwischensequenzen zu Gute, die nicht komplett cineastisch vorgerendert sind, reihen diese sich doch nun  noch nahtloser in den Reigen der Rendersequenzen ein, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Dass der cineastische Teil des Unterhaltungsprogramms sich dabei streckenweise auf Avatar-Niveau befindet, muss man im Falle von Square Enix ja schon als selbstverständlich ansehen, ebenso die wiedermals enorme Qualität des uns ständig begleitenden Soundtracks (auch wenn die Jazz-Tunes, mit denen Sazh unterwegs ist, schon ein wenig nerven). Alles andere als selbstverständlich ist aber das, meiner Meinung nach, ziemlich missratene Kampfsystem, welches immerhin den Großteil der Spielmechanik bestimmt.

Statt, wie gehabt, alle 3 Gruppenmitglieder innerhalb eines Kampfes durch Befehle und Aktionen zu steuern, beschränkt FFXIII uns auf die Lenkung des jeweiligen Gruppenführers, der Rest der Bande agiert vollkommen autonom – und immerhin halbwegs intelligent. Dabei wird grundlegend auf das allseits bekannte ATB-System vergangener Teile zurückgegriffen, allerdings mit teils etwas merkwürdig erscheinenden Modifikationen, durch Einführung einer Art Jobsystems, den so genannten “Paradigmen”. Diese ordnen einem Charakter, je nach gerade aktiviertem Paradigma, unterschiedliche Abilities zu. Waren diese früher in Kampf- und Magie-Fähigkeiten unterteilt, wird heute alles in einen Topf geschmissen. Wer also eine simple Attacke ausführen möchte, wuselt sich erstmal ins Fähigkeiten-Menü – und verschenkt so unnötig Zeit.

Der bereits an allen Ecken des Internets beschworene Casualismus des Spiels spiegelt sich im Kampfsystem durch eine “Auto”-Attack-/Support/-Whatever-Funktion wider, bei der sogar der eigene Charakter die vermeintlich besten Fähigkeiten zu einem Angriff zusammenrührt.

Merkwürdig hingegen erscheint die Charakter-Entwicklung als solche. So levelt man zwar in einem System, das dem Sphärobrett aus Final Fantasy X ähnelt, schön brav die Fähigkeiten seines Charakters, sowie aller anderen Begleitfiguren auf, ohne jedoch zu wissen, welche Auswirkungen sich dadurch tatsächlich im Kampf ergeben.

Die Aufteilung auf Paradigmen macht die Sache nicht unbedingt durchsichtiger. Immerhin hat jeder Charakter einen festgeschriebenen Health-Wert, samt Attributen für Angriff und Verteidigung, die in gewohnter Weise durch geschickte Kombination des Equipments gesteigert werden können. Allerdings können je nach aufzulevelndem Paradigma (Commando, Ravager, Medic, Synergist) ebenfalls Punkte für Strength, Magic, etc. vergeben werden, um diese zu steigern. Wie diese sich auf die Gesamtleistung des Charakters auswirken, erfährt man aber nicht wirklich. Ebenso hat man im Kampf anschließend keinerlei Übersicht darüber, wie stark ein Charakter denn nun in welchem Paradigma ist und ob sich der Shift in eine bestimmte Paradigmen-Kombi der vorhandenen Party-Member überhaupt lohnt.

Hier wurde meines Erachtens der eigentlich in enormer Fülle vorhandener Tiefgang leider zugunsten des Streamlinings der gesamten Spielerfahrung ein wenig zu sehr plattgebügelt. Außerdem würde mich mal brennend interessieren, nach welchem merkwürdigen System eigentlich die seltsame Punkte- bzw. Sternchenvergabe am Ende eines jeden Kampfes errechnet wird… und wofür die überhaupt gut ist.

Schade auch, dass in der – angeblich überaus gelungenen -  deutschen Übersetzung offenbar wieder einmal sämtliche Fähigkeiten, Zauber etc. komplett umbenannt wurden. Sucht man als Spieler der englischen Fassung auf deutschen Seiten mal schnell nach der besten Strategie für einen bestimmten Gegnertypus, ist man hinterher genauso schlau wie vorher. Allein, dass die eigentlich so schön klingenden Eidolons (früher “Bestia) im deutschen Esper heißen… absolut unverständlich. Über deren komisches Beschwörungs-System lasse ich mich vielleicht ein anderes Mal aus.

All dies (krude Story, Linearität, Kampfsystem, Charakter-Entwicklung, etc.) haben mich zusammengenommen gestern so sehr angeödet, dass ich einfach nicht mehr weiterspielen wollte. Ich hoffe bloß, dass sich das in der nächsten Woche nochmal ändert und ich doch noch ein wenig weiter komme. Wäre nämlich ansonsten wirklich schade um das Geld.

P.S.: Im Vergleich zur durchschnittlich üblichen Zeit, die man für das Durchspielen eines beliebeigen FF-Teils benötigt, stehe ich natürlich noch absolut am Anfang. Es ist also durchaus möglich, dass sich mir viele Feinheiten – gerade des Kampfsystems – im weiteren Verlauf noch deutlich besser erschließen. Manche Dinge habe ich anscheinend auch einfach nur überlesen (viel geschriebener Text in Videospielen war noch nie so ganz nach meinem Gusto). Gegebenenfalls reiche ich Korrekturen bzw. tiefere Betrachtungen zum Kampfsystem deshalb nochmal in einem späteren Blogpost nach.