Nachdem der erste Ansturm vorüber und die Valve-eigenen Server wieder in der Lage waren, mehr als ein paar Bit pro Stunde durch die Leitungen zu schubsen, habe ich mir am Sonntagnachmittag auch mal den Download des Steam-Clients für den Mac gegönnt. Dieser hat unterm Strich zwar relativ lang auf sich warten lassen, kam dann aber nach erfolgter Ankündigung erfreulich kurzfristig nach einer nur knapp zweiwöchigen Beta-Phase unters Volk gehopst.

Nach dem ersten Start macht sich zugleich ein wenig Enttäuschung, als auch jede Menge freudiger Überraschung breit. Enttäuschung deshalb, weil sich aus der angekündigten Komplett-Portierung des Valve-Portfolios außer Portal kein einiger weiterer Titel blicken lässt, freudige Überraschung nicht nur deshalb, weil als Ausgleich Portal komplett kostenlos daherkommt, sondern weil zugleich ein trotzdem erstaunlich großes Angebot von gut 60 Starttiteln bereitsteht.

Indie-Games und Klassiker

Indy 4

Indiana Jones & The Fate of Atlantis - Etwas schade: Im Vollbild verkäme Indy zum unidentifizierbaren Pixelhaufen.

Darunter altbekannte Mac-Games wie World of Goo, Plants vs. Zombies oder Braid, teilweise zusammengefasst in einem kostengünstigen Indie-Gamepack, aber auch eine weitere, überaus angenehme Überraschung: Torchlight hat es, nach verhältnismäßig langer Ankündigung, ebenfalls endlich auf den Mac geschafft. Ohne großes Trara und zum absoluten Kampfpreis von knapp 10 Dollar. Nicht nur deshalb eine unbedingte Empfehlung (sowohl für Mac- als auch PC-User). Ebenfalls einen Blick wert: die klassischen LucasArts-Adventures  The Dig, Loom und Indiana Jones & The Fate of Atlantis, die für jeweils 3,99€ über den virtuellen Tresen wandern. Wobei ich mich insbesondere über Indy IV sehr gefreut habe. Und besonders schön: Sid Meier’s CivilizationIV hat es inklusive Addons ebenfalls schon in den Mac-Store geschafft. Und das deutlich unter dem Preis der Box-Version (20 statt 50 Euro für das Hauptspiel). Schade nur, dass ich mit meiner PC-Version auf CD nicht einfach die Mac-Version für Steam freischalten kann. Aber das wäre allzu verträumtes Wunschdenken.

Neuer Look & schöne Features

Beim ersten Start von Steam fällt PC-Veteranen auf, dass sich das hässliche Militär-Grün der älteren Versionen endgültig in die Rente verabschiedet hat, stattdessen dominiert jetzt ein leicht bläuliches Grau. Überhaupt hat sich seit meinem letzten Steam-Start vor deutlich über einem Jahr offenbar so einiges an der Oberfläche getan. Rudimentäre Community-Features und die Möglichkeit zur Rudel-Gruppen-Bildung gab es bereits damals, zwischenzeitlich hinzugekommen sind nun auch Achievements. Scheinbar ein Muss unserer Zeit. Die gesamte Oberfläche wirkt freundlicher, aufgeräumter, wenngleich etwas gewöhnungsbedürftiger als vorher.

Ebenfalls „neu“ hinzugekommen ist SteamCloud, das es zu meiner aktiven PC-Zeit auch noch nicht gab. Kurz gesagt handelt es sich dabei offenbar um das Mobile Me für Spiele, lassen sich darüber doch nicht nur Spielstände, sondern sogar Tastaturbelegungen und sämtliche getätigten Spiel-, Grafik- und Soundoptionen über mehrere Rechner hinweg durch die Datenwolke synchronisieren. Sehr schöne Sache. Genau wie die Möglichkeit, via Steamplay plattformübergreifend einmal getätigte Einkäufe von jedem beliebigen Rechner aus erneut herunterladen zu können, sofern man mit dem eigenen Steam-Account eingeloggt ist.

Frisst kein Brot, dafür Ressourcen – die Source Engine

Spiele lassen sich gewohnt bequem aus der zentralen Bibliothek heraus starten. So auch Portal. Leider fällt hier bereits zu Beginn auf, dass der Vorzeige-Knobler nicht nur technisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist, sondern offenbar trotz der Altbackenheit seines Engine-Unterbaus erstaunlich viele Ressourcen zu fressen scheint.

Portal

Der ressourcensparende Verzicht auf Antialiasing belohnt den Spieler mit Treppenbildung. Matschige Texturen gibt's gratis obendrauf.

Das erscheint mir umso befremdlicher angesichts des Umstandes, dass ich sowohl Half Life 2, als auch meine ersten Schritte in Counter-Strike: Source damals auf einem 2500er Athlon mit GeForce FX5600 absolviert habe. In der Zwischenzeit mag die Source Engine einige nette Spielereien hinzu gelernt haben, wie beispielsweise HDR-Rendering, allerdings dürfte sich darunter nichts befinden, das einen Rechner 3 Grafikkarten-Generationen später noch großartig zum Schwitzen bringen dürfte. Trotzdem beginnt Portal auf meinem 15-Zoll MacBook Pro von Anfang 2008 bei nativer Auflösung unweigerlich zu stottern. Und das, obwohl die Valves Hardware-Erkennung die Grafiksettings vorsichtshalber im Schnitt nur auf mittlere Details geschraubt hat.

So werden mir statt 1440×900 Pixel gerade einmal 1152×720 (oder so ähnlich, wer kann sich diese schrägen Hausnummern schon merken?) geboten. Zum Vergleich: die High-Dynamic-Range-Rendering-Demo Half Life 2: Lost Coast lief seinerzeit bei mir bereits auf oben genanntem AMD Athlon XP2500 mit einer Geforce 6600GT. Zwar nur in niedriger Auflösung, aber immerhin. Auf meinem letzten PC (4800er Dualcore-Athlon, 2GB RAM und Geforce 8600GT mit 512MB RAM) rannten sowohl Counter-Strike: Source, als auch Portal, mit 1600er-Auflösung und praktisch vollen Details.

Ungefähr die gleiche Hardware steckt auch in meinem MacBook Pro. Bloß dass an die Stelle des Athlons ein Core 2 Duo von Intel getreten ist und die mobile 8600GT von Nvidia nur mit der Hälfte des RAMs meines PCs auskommen muss (256 statt 512). Trotzdem zwingt die Engine den Rechner in die Knie, sobald ich die Auflösung hochschraube. Oder die Details. Besonders deutlich fühlbar wird das, sobald man sein erstes Portal öffnet. Selbst bei niedrigeren Details beginnt der Mac hier unter der Rechenlast zu ächzen. Da ist offenbar noch einiges an Finetuning bei der Source-Portierung nötig. Das ebenfalls von mir angespielte Torchlight, das mit eigener Engine daher kommt, läuft nämlich auch in nativer Auflösung mit vollen Details noch ziemlich gut.

Aber ich will ja nicht jetzt schon meckern. Ich für meinen Teil bin ja schon froh, dass Steam es überhaupt auf meinen Mac geschafft hat und dort genauso gut funktioniert wie eh und je. Und wenn ich demnächst mal wieder gemütlich mit meinem Hobbyclan die Straßen von Dust_2 oder die Gänge des Offices in CS:S unsicher machen kann, dann bin ich schon ziemlich froh.