Zeit für ein bißchen Nintendo-Bashing. Yippiiiieee! Mal ganz ehrlich: Wie viele von Euch, die Ihr Euch als durchaus Nintendo-affin und Hadcore-gamerig (das Wort gibt es! Ehrlich!!! ;-) ) bezeichnen würdet, werfen die Wii eigentlich noch in halbwegs regelmäßigen Abständen an? Und mit “regelmäßigen Abständen” meine ich nicht die allwöchentliche/-monatliche/jährliche Party mit Freunden, bei der auch das Balance-Board unter der Couch hervorgekramt und erstmal fleißig gefeudelt wird. Nein, mit “regelmäßigen Abständen” meine ich die Gelegenheiten, zu denen Ihr die Frischhalte-Folie von einem frisch erstandenen Game reißt und dieses von vorne bis hinten auf Eurer Konsole durchnehmt spielt. Womöglich sogar ein Game, bei dem keiner der Begriffe Sports, Fit, Mario oder Zelda im Titel vorkommt? Womöglich sogar von einem 3rd-Party-Hersteller?

Nach allem, was man in letzter Zeit so über die Verkaufszahlen zu Titeln wie Dead Space: Extraction, The Conduit und wie sie alle hießen gehört hat, können das nicht allzu viele von Euch gewesen sein. Kein Wunder also, dass etwa EA’s Vorzeige-CEO John Riccitiello sich ziemlich frustriert von den Absatzzahlen auf der Wii zeigt (auch wenn er sich sicher sein kann, dass sein Laden unter allen 3rd-Party-Publishern noch die meiste Kohle auf der Wii scheffelt):

To be honest with you, I think the Wii platform has been a little weaker than we had certainly anticipated. And there is no lack of frustration to be doing that at precisely the time where we have the strongest third-party share”,

wie Ricitiello gegenüber gamesindustry-biz zu Protokoll gibt.

Seiner Meinung nach fehlt es der Wii über das jahr verteilt deutlich an mehr Impulsen. Doch frage ich mich, wo die herkommen sollen, wenn nicht von den Publishern selbst? Schiebt er die Verantwortung für offensiveres 3rd-Party-Marketing nicht vielleicht ein wenig zu sehr von EA in Richtung Nintendo?

[...] we are reaching out to Nintendo to find ways to partner to push third-party software harder. [...] I really do think that the opportunity exists to find different ways to partner with first party in this case to sort of help establish in the minds of the consumer legitimacy of some of these other brands when they are going out multiplatform because very, very few multiplatform titles are succeeding on the Wii.”

Gleichwohl denke ich, dass Nintendo zu einem großen Teil tatsächlich mit für die Misere verantwortlich ist, dass Fremd-Publisher nicht so recht den Stich auf der Wii landen können. Big N gefällt sich einfach viel zu sehr in seiner Rolle des Großverdieners, dem es genügt, die schwächste, in der Produktion günstigste Konsole der aktuellen Generation zum Top-Preis unters Volk zu jubeln und alle paar Jahre mal (gefühlt) neues Futter in Form eines neuen Spiels mit “Mario”, “Fit” oder “Zelda” im Titel herauszubringen. Den Markt der Casual-Gamer hat man sich nunmal ganz allein erschlossen und durch geschickte Konzentration auf eben jene kleine Ansammlung von altbekannten Marken hält man sich den Markt zu einem guten Teil sicherlich auch bewusst klein.

Oma kauft sich selbst eben nur das, was sie kennt und dem sie vertraut (dazu zählen anscheinend auch immer wieder Kaffeefahrten ominöser Anbieter zu Autobahnraststätten, wo Oma sich dann neue Rheumadecken zulegt. Kein Wunder eigentlich, dass dann kaum noch Geld für neue Spiele abseits der bekannten Pfade übrig bleibt. Sollte ich meinen gesamten Artikel vielleicht doch nochmal überdenken? Hmmm…..).

Wie dem auch sei. Es wäre nun eigentlich an EA, Activision, THQ und dem ganzen Rest der Bande, dem Markt mit geballter Marketing-Power zu zeigen, dass es auch noch ein Spieler-Leben links und rechts neben dem Balance-Board gibt, und dass die DVD mit dem virtuellen Tennis-Court nicht fest mit der Wii verschweißt ist. Stattdessen grinsen mich jedesmal, wenn ich den Fernseher anschalte, nur grenzdebile Hackfressen in strahlend weißen Outfits an, die sich in.. na?… Wii sports üben oder auf dem Sofa räkelnd dem Gehirnjogging fröhnen. Wann aber sieht man mal Werbung für Dead Space und Co?

Ricitiello hat schon Recht: der Markt für westlich orientierte Wii-Spiele abseits des bekannten Nintendo-Wahnsinns umfasst immerhin gut 40 Millionen Menschen. Warum also macht man Marketing für nichtmal einen Bruchteil dieser Massen und wundert sich anschließend darüber, dass man eben auch nicht mehr als 50.000 Exemplare eines Spiels absetzt?

Nintendo hat es geschafft einen völlig neuen Markt zu erschließen, den es jedoch sträflicherweise im völligen Dornröschenschlaf weitestgehend sich selbst überlässt. Nun gilt es, es diesem diesen fruchtbaren Acker mal richtig zu besorgen anständig zu erschließen! Bis es so weit ist, stirbt die Wii weiterhin einen leisen Tod. Wenn auch einen für Nintendo sehr erfolgreichen.