nukem

Er ist der wohl größte Treppenwitz der Spielegeschichte. Einer, der sich am Höhepunkt seiner Karriere durch ganze Horden von Wasauchimmer geschnetzelt hat und damit zu einer Ikone der Videospielgeschichte aufgestiegen ist.  Ganz egal was es war:  wenn es im Weg stand, wurde es ausradiert. Von den Frauen vielleicht mal abgesehen. Denen hat der Macho-Gott nur mal gezeigt, was es heißt, auf einen echten Mann zu treffen. Geschadet hat es ihm nicht. Die Weiber fliegen trotzdem auf ihn. Und die Kerle – irgendwie auch. Er ist cool, er ist ein echter badass, er hat in jeder noch so verfahrenen Situation einen bissig-unterhaltsamen Spruch auf den Lippen und, verdammt nochmal, er reißt einfach gerne Ärsche auf. Über eine Dekade ist es nun her, seit er sich in eine Art Kreativpause begeben hat.  Nicht jedoch, ohne vorher großspurig seine baldige Rückkehr anzukündigen. Bigger, better, more badass, um es mal mit der Konkurrenz zu sagen. Seit über einer Dekade warten Fans darauf ihn endlich wieder bei seinen Zerstörungsorgien begleiten zu dürfen.

Doch nicht nur Fans: der Hype um eine mögliche baldige Rückkehr hat in den vergangenen Jahren wohl auch extrem viele Leute neugierig gemacht, die zuvor noch nie von ihm gehört hatten, mit seinem Namen bislang nicht das Geringste anfangen konnten, Sprüche wie „its time to kick ass and chew bubblegum… and I’m all outta gum“ nach wie vor nur schwerlich einzuordnen wissen.

Die Rede ist natürlich von Duke Nukem. Dem coolest motherfucker on earth. Vor 12 Jahren kündigte 3D-Realms den immer und immer und immer wieder verschobenen nächsten Teil Duke Nukem Forever an. 2001 präsentierte man dann einen Trailer, dessen Anblick auch heute noch Lust auf mehr macht und der ein scheinbar extrem weit fortgeschrittenes Spiel abbildete. Doch es kam nichts. Diverse Engine-Wechsel und noch mehr Vaporware-Awards später schien es zuletzt ganz so, als könnte gegen Ende des Jahres doch endlich mal so etwas wie ein fertiges Produkt in die Läden gelangen.

Mit dieser Hoffnung dürfte nun auch erstmal wieder Schluss sein. Wie shacknews berichtet, ist Entwickler 3D Realms nämlich offenbar das Geld ausgegangen, George Broussard und seine Mannen müssen den Laden dicht machen. Lediglich ein Spiel pro Dekade zu produzieren scheint dann wohl doch nicht so das Erfolgsrezept zu sein.

Wie es nun weiter geht weiß derzeit keiner so genau. Fest steht, dass die von Frontline Games / Apogee entwickelte Duke Nukem Trilogy für Handhelds von diesen Entwicklungen unangetastet bleibt und weiterhin via Deep Silver erscheint. Der „große“ Duke hat mit Take Two hingegen zwar einen durchaus finanzkräftigen Publisher im Rücken, allerdings beruft sich T2 darauf, lediglich für das Publishing verantwortlich zu sein und nicht als Geldgeber für die Entwicklung zu fungieren. Die Rechte an dem potentiellen Goldesel behalten die New Yorker allerdings natürlich gerne.

Fraglich ist nun allerdings, wie es weitergehen soll. Dass kaum ein anderer Titel seit Jahren so sehnsüchtig erwartet wird wie Duke Nukem Forever – daran gibt es wohl nichts zu rütteln. Auch wenn nicht zu erwarten steht, dass der Titel das Shooter-Genre in irgendeiner Form revolutionieren oder mit neuen Impulsen versorgen dürfte. Dass die bisherige Entwicklungsgeschwindigkeit nicht als vertrauensvolle Basis für potentielle Investoren dienen kann, steht wohl ebenfalls nicht zu bezweifeln. Dass ein fertiges Spiel mit dem Konterfeit des Dukes auf der Packung nichtsdestotrotz ein echter Verkaufsschlager werden dürfte, steht hingegen zu erwarten. Wie geht man als Publisher mit einer solchen Situation um?

Mir erscheint es eher fraglich, dass Take 2 doch noch beginnt Geld in den maroden Laden von 3D Realms zu pumpen. Wahrscheinlicher wäre, dass man die vorhandene Codebasis an eines der eigenen Studios weiterreicht und dort fertigstellen lässt. Fähige Hände wären in Scharen vorhanden – Ressourcen auch? So oder so: der Dauerwitz der Spielgeschichte wird sich sicherlich noch eine ganze Weile munter weitererzählen lassen.