happybirthday

In einem Medium, in dem in zwei Wochen soviel passiert, dass bereits heute fast niemanden mehr interessiert, was vorletzten Sonntag noch da real hot shit war, können einem zwei Jahre wie mehrere Ewigkeiten vorkommen. Ewigkeiten, in denen so wahnsinnig viel passiert, dass man nicht einmal mehr einen Bruchteil dessen erinnert, was da so an Relevantem, Unterhaltsamem oder schlicht Absurdem im unermesslichen Datenstrom an uns vorbei getrieben ist. Die Schnelllebigkeit der Informationen scheint immer stärker zuzunehmen und das eigene Leben sich mehr und mehr nach diesem stetig steigenden Schlagtakt auszurichten. Zeit wird zu einem abstrakten Gut, von dem grundsätzlich zu wenig vorhanden ist, Information zu einem Überschussprodukt, durch das man sich gar nicht mehr schnell genug wühlen kann, um auch nur in den Themenbereichen, die einen persönlich wirklich interessieren, ansatzweise hinterherzukommen. Zwei Jahre, das sind Millionen ungelesener News, Artikel und Features, die sich im Feedreader türmen, laut schreiend und um Aufmerksamkeit und Gunst heischend, an Belanglosigkeit und Blutarmut jedoch oftmals schwerlich zu überbieten. In zwei Jahren sehen wir eine Fülle unzähliger Startups und interessanter Projekte am Horizont erscheinen – und mindestens genauso viele sich auf ewig im Datennirvana verabschieden. Auch im nach wie vor eher speziellen und überschaubaren Bereich der Spieleblogs. Als ich vor gut und gerne 33 Monaten mit dem Bloggen angefangen habe, standen die Großen der Szene sämtlich noch in vollem Saft und erfreuten das Leserherz mit erfrischend andersartigen, frechen, tiefschürfenden, auch mal banalen, dennoch größtenteils spannenden und kurzweiligen Texten rund um das Kulturgut Videospiel. Texten, denen die Freude am und Liebe zum Spiel unmittelbar anzumerken war.

Mit Antigames, d-frag, Working Title, Grind That Authority, Kantenflimmern, Gamequickie, Vier Fäuste gegen Ryu und den Spielern 1-4 tummelte sich damals eine kleine und elitäre, aber äußerst feine Schar an Blogs in den Weiten des WWWs, auf die ich seinerzeit eher durch Zufall, denn durch gezielte Suche gestolpert bin, die mich aber sehr schnell als festen Leser zu begeistern wusste. Wir hatten das Thema schon mehrmals, deshalb machen wir es kurz: Antigames ist toter als tot (so, haben wir das auch endlich mal offiziell festgestellt), der Feinsinn eines d-frag.de mäandert ebenfalls schon sehr lange einzig und allein noch durch unsere Erinnerungen und Working Title haben die Pforten in Rekordzeit wieder geschlossen, noch ehe sie überhaupt einen festen Blognamen finden konnten (haha, kleiner Scherz. Sehr schlecht, ich weiß). Vor allem bei letzteren würde mich mal sehr interessieren, was die 3 eigentlich heute so machen. Weiß jemand näheres?

Und der Rest? GTA erlebt seine Höhen und Tiefen, nach zwischenzeitlichem Siechtum und anschließendem Versuch durch die von mir sehr geschätzten Herren Playstar und Nille, die Kehrtwende durch einen regelrechten Artikel-Blowout einzuläuten, ist es gerade einmal wieder erschreckend ruhig. Bei Kantenflimmern hoffe ich inständig, dass man es dort schafft, die Unlust am Hobby Games bald wieder abzustreifen und sich auf seine goldenen Zeiten zu besinnen (Ihr könnt’s doch, Jungs) und Thorsten wünsche ich einfach mal wieder etwas mehr Zeit für seinen zwischendurch gänzlich auf Eis gelegten, aber glücklicherweise anschließend reanimierten Gamequickie. Von den Vier Fäusten hört man zwar ebenfalls bei weitem nicht mehr soviel wie einstmals, aber immerhin: sie sind noch da und uns auch im Rahmen des mittlerweile ebenfalls bereits über einem Jahr alten Polyneux erhalten geblieben.

Und so viele Spieleblogs sich mittlerweile auch da draußen tummeln mögen, muss ich doch leider attestieren, dass es meine lieben Kollegen von Polyneux nach wie vor als einzige schaffen, mich beim Lesen Ihrer Artikel an den Spirit und Esprit meiner alten Lieblingsblogs denken zu lassen. Wie SpielerDrei es immer wieder schafft, mit scheinbar völlig absurden Ansätzen absolute Schätze von Artikeln in die Tasten zu hauen, mit welcher Sicherheit Nille immer wieder wahre Perlen von Indiegames ans Tageslicht befördert und wie SpielerZwei unbeirrt seine Meinung fundiert und unterhaltsam in – von anderen häufig kritisierten, von mir geliebten – “Textwüsten” kundtut, lässt mich hin und wieder dankenswerter Weise doch nochmal am Geist von 2006 schnuppern. Auch wenn der Rest jetzt ungenannt blieb: Ihr seid trotzdem super ;-)

Ein paar Blogs mehr tummeln sich dann allerdings doch noch da draußen, die es in der Zwischenzeit geschafft haben, meine Aufmerksamkeit zu erregen und mich mit neuen Ansichten von und zu Spielen zu überraschen, für die im klassischen Games-Journalismus ansonsten herzlich wenig Platz ist. Herauszuheben sind hier unter anderem Marcus, der nach dem Ableben von EA-Play.de als Konsolenjunkie zu begeistern weiß und ebenfalls Fabu dabei unterstützt, ein wenig vom EA-Play-Geist auf Superlevel.de zu erhalten, das es in bewundernswerter Frequenz schafft, ein Kuriosum oder liebenswertes Indiegame nach dem anderen auszubuddeln. Beide Seiten in Kombination genossen ergeben einen guten Mix aus täglicher Spieledröhnung und längeren Features in etwas größeren Abständen.

Im Übrigen hoffe ich, dass der von mir ebenfalls hochgeschätzte Arkion, der Anfang des Jahres als Pixelpirat unter neuer Flagge Segel gesetzt hat, es möglichst bald wieder schafft, aus der viel zu schnell eingesetzten Flaute herauszukommen. Genauso, wie ich an mich selbst appeliere, die Unlust und die Müdigkeit der letzten Monate endlich abzuschütteln, um wieder vermehrt und ausführlicher über Themen zu schreiben, die mich bewegen. Ich denke, das letzte halbe Jahr war nicht unbedingt ein gutes für endoflevelboss.de. Das muss alles wieder hin zu mehr Tiefgang, in gewohnter Länge und mit höherem Unterhaltungswert als momentan.

Ohne Namen zu nennen, aber auf die Gefahr hin, mir jetzt jede Menge Feinde zu machen, aber: Als Freund solcher längeren Artikel ist man leider mittlerweile scheinbar dazu verdonnert, intensiver zu suchen als einem lieb ist, vor allem wenn man auf eine gute Schreibe Wert legt. Vielen Blogs scheint das kurze Aufwärmen trivialer News leider wichtiger als die originelle Aufbereitung bzw. das Einfließenlassen eigener Meinungen. Das bloße Nachplappern hereinflatternder Pressemeldungen und auf Kotaku veröffentlichter News hat allerdings ungefähr soviel Nährwert wie ein angenagter Flip Flop. Umso unverständlicher erscheint es mir, dass so viele Blogs glauben, damit heute wirklich noch jemanden vom Hocker reißen zu können. Wenn ich Kotaku oder Joystiq lesen möchte, dann mache ich genau das. Dass ich die Seite allerdings so gut wie nie aufrufe, dürfte daran liegen, dass ich einfache Newsmeldungen auch zuhauf auf jeder x-beliebigen Website x-beliebiger Spielemagazine verfolgen kann – inklusive all des Marketinggewäsches, das auch Spieleblogs scheinbar immer lieber 1:1 verwursten. Ein unsinniger Trend, der seinen unsinnigen Höhepunkt in Twitterusern findet, die einzig und allein damit beschäftigt sind, eine unreflektierte News nach der anderen in die Welt zu blasen.

Dabei haben es Balkan Toni und Marc in ihrem Weihnachtspodcast seinerzeit doch schon so schön gesagt: Was fehlt, ist der Mut, einfach mal etwas anderes zu machen, neue Wege zu gehen und Blogposts über Spiele nicht einfach als bloße Fingerübung zu sehen. Traut Euch mehr! Lasst mehr von Euren eigenen Erfahrungen einfließen. Persönliche Anekdoten. Neue Ansätze. Ohne diesem Grafik-Sound-Steuerung-86%-Schema zu verfallen. Spiele sind soviel mehr als das. Und Marc und Toni dürfen sowas ungestraft sagen, da sie als These Nerds schon mehr als einmal eindrucksvoll vorgemacht haben, wie so etwas aussehen kann.

Ironischer Weise ist es aber gerade ein “klassisches” Portal, das gerade zeigt, wie es auch anders geht: Der liebenswürdige Chaotenhaufen von AreaGames beweist, dass man sogar mit einem deutlichen Fokus auf Newsmeldungen dank einer deftigen Prise Anarchie neue Wege gehen kann. Waren es einst die Blogs, die den großen Gamingsites und -Magazinen mal zeigen wollten, wie der Hase laufen könnte, wird der Spieß hier oftmals umgedreht. Soviel Spaß am Spiel hat schon lange niemand mehr vermittelt (daran ist auch die berühmt-berüchtigte Regel Nr. 2 ein wenig Schuld ;-) )- Und weil wir doch gerade dabei sind, wünsche ich auch pressakey.com und dem ebenfalls erst vor kurzem von Pascal ins Leben gerufenen NES is dead, dass sie über ausreichend Ausdauer und Motivation verfügen, ihr Ding möglichst lang durchzuziehen.

Darüber hinaus tummelt sich natürlich noch eine Menge mehr an lesenswerten Blogs in meinem Feedreader, die aufzuführen jetzt ein wenig zu müßig wäre. Andererseits habe ich erst neulich auch ein paar wieder ein für alle Mal entfernt, weil ich es leid war, immer wieder die gleiche News auf immer gleiche Art vorgekaut zu bekommen. Das ist dann die Kehrseite der Medaille.

Warum schreibe ich das alles? Nun, endoflevelboss.de ist am 14. April zwei Jahre alt geworden. Zwei Jahre, in denen wirklich viel passiert ist, wie man gesehen hat. Und nach all der Zeit bin ich immer noch jeden Tag aufs Neue überrascht und erfreut, dass es Leute gibt, die sich regelmäßig von mir vollschwallen lassen. Danke dafür!