Konsolen sind toll, Konsolen sind die Zukunft, der PC als Spieleplattform muss sterben. Könnte ich jetzt eigentlich so stehen lassen – wenn ich heute mal wieder besonders auf Krawall gebürstet wäre. Aber so ganz stimmt das ja auch nicht. Denn wenn wir mal ehrlich sind, ist das, was sich heutzutage unter dem Decknamen Konsole bei uns neben oder unter den Fernseher geschlichen hat, auch nichts anderes mehr als ein PC. Nur im schöneren Gehäuse, deutlich billiger, dafür aber mit Peripherie-Preisen, bei denen es uns die Socken auszieht. Mit einer eingestöpselten Tastatur wären die Kisten, dank hochauflösender Grafik samt zugehörigen Bildschirmen, zum bequemen Surfen von der Couch aus dem PC doch auch schon um Längen überlegen… wenn man mal ein anständiges Betriebssystem mitgeliefert bekäme. Nie mehr nach Feierabend einen krummen Rücken am Schreibtisch machen, wenn man mal eben was nachschlagen will. Und spielerisch ist es doch sowieso seit jeher viel angenehmer, zum Zocken die Füße hochlegen und sich komfortabel mit dem Controller durch virtuelle Welten fummeln zu können. Was hab ich dagegen damals geflucht, als ich meine ersten Gehversuche am PC gemacht und mich mühevoll durch die ersten Ego-Shooter gekrampft habe.

So viele Tasten, auf die man aus Versehen hauen kann, die aber entweder gar nichts oder genau das Falsche auslösen und einen so oder so ins Verderben treiben. Hand-Auge-Koordination mit Tastatur und Maus? In Kombination mit anständig schnellen Reaktionen? Hab ich ewig für gebraucht. Bis ich in Counter-Strike :Source wirklich behaupten konnte, eine Map mal wirklich so richtig gerockt zu haben, ist locker ein ganzes Jahr ins Land gegangen. Ja, mein erster Spiele-PC wurde tatsächlich erst ein halbes Jahr vor dem Release von Half Life 2 angeschafft. Eines der ersten Games war damals ausgerechnet Call of Duty. An einen Schwierigkeitsgrad jenseits von Windelträger war damals nicht im Entferntesten zu denken.

Noch heute taste ich mich immer lieber langsam heran, wähle lieber erstmal eine Stufe zu niedrig, um zunächst zu schauen, wie das denn alles so mit dem Zielsystem und der Genauigkeit gelöst ist, wie gut man wirklich trifft und wie treffsicher die Gegner überhaupt so sind. Far Cry hat mich damals doch sehr vorsichtig gemacht. Das finde ich selbst heute noch verdammt fordernd, aber vielleicht bin ich auch einfach nur ein dummer Kackn00b.

Trotz, oder gerade wegen, aller Widrigkeiten, die ich spielerisch auf dem PC schon so hinter mich gebracht habe, tue ich mich bei manchen Spielprinzipien auf der Konsole nur umso schwerer. Strategiespiele liegen mir schon auf der Bürokiste nicht, im heimischen Wohnzimmer genossen verkommen sie für mich zur wahren Pein. Sei es als mehr oder weniger 1:1 übersetzte PC-Fassung der Marke Command & Conquer, oder als eigens für Konsolen entwickeltes Strategiespektakel à la Tom Clancy’s Endwar. Letzteres mag taktisch fordernd sein und dank seiner doch sehr eigenwilligen wie eigenständigen Steuerung selbst hartgesottene Strategiefans vom PC-Monitor weglocken, für mich ist und bleibt es so angenehm zu steuern wie ein auf links gedrehter Rasenmäher.

Am Schlimmsten ist es aber ausgerechnet mit dem Genre, das mich seinerzeit am Computer gerne mal in den Wahnsinn getrieben hat – den Ego-Shootern eben. Hat man sich einmal an die Präzision der Maus-Tastatur-Kombi gewöhnt, will man sich doch eigentlich überhaupt nicht mehr umgewöhnen. Egal, wie verkrampft ich auf dem Schreibtischstuhl sitzen muss – und egal, wie sehr die Couch nach mir ruft. Ego-Shooter auf Playstation, Xbox und Co. sind und bleiben eine einzige Tüte voller Schmerzen. Wie steuert man bloß eine wacklige Seifenkiste auf alten Persilkartons, wenn man den Fahrtkomfort einer Oberklasse-Limousine gewohnt ist?

Adieu Feingefühl, adieu lässig hingerotzer Headshot, Adieu mal-eben-im-Springen-umschauen-und-dabei-wen-umnieten. Adieu, Ego-Shooter. Mir wird es auf ewig unerklärlich bleiben, wie Serien wie Call of Duty und selbst die exklusiv auf der Xbox erschienene Halo’sche Ringwelt so unfassbar große Stückzahlen allein in der Konsolenwelt absetzen konnten. Umso unerklärlicher wird mir vermutlich auf ewig bleiben, was bitteschön mich dazu geritten hat, mir heute tatsächlich Halo 3 zuzulegen. Wo ich doch noch nichtmal den 2ten Teil gespielt habe und vom ersten nur die erste Hälfte kenne. Und vor allem: wo ich doch so ein Ego-Shooter-Verächter auf der Konsole bin.

Zumal ich meine vermeintlichen Vorurteile zum Steuerungsthema auch durch Bungie’s Vorzeigetitel wieder einmal auf das Schmerzlichste bestätigt finde. Wie soll man denn mit dem Daumen auch nur halbwegs feinfühlig zielen? Und wer um alles in der Welt hatte denn bitte die grandiose Idee, uns die Sprungtaste mit dem gleichen Finger bedienen zu lassen wie den Stick zur Richtungsänderung? Nun muss ich mich auch noch ständig entscheiden: rumhüpfen, oder doch lieber den Überblick behalten? Sollte ich meinen PC doch lieber wieder häufiger reaktivieren? Seien wir doch mal ehrlich: das funktioniert einfach nicht, mit dem Controller und dem Shooter. Das passt zusammen wie Nutella und saure Gurke in Wasabi.

Und mit Tastatur und Mouse auf der Couch sitzen? Eher fang ich wieder an Sport zu treiben…