Man könnte fast schon meinen, ich hätte hier die politische Themenwoche ausgerufen. Doch keine Panik, das ist nicht der Fall. Ich muss mir einfach ein wenig Frust von der Seele schreiben. Die Zensurverfahren hierzulande sind nicht nur chaotisch, schwer nachvollziehbar und völlig verfehlt, sie stellen uns als volljährige, verantwortungsbewußte und mündige Bürger auch vor ganz praktische Probleme. Oder anders gesagt: Verdammte Scheiße, Amazon Deutschland hat heute meine Bestellung der Gears of War 2 Special Edition storniert. Ohne Angabe von Gründen, versteht sich. Die Vermutung liegt natürlich nahe, dass dies aufgrund der drohenden Indizierung zum Verkaufsstart geschehen ist. Kaum denkbar, dass der Titel überhaupt den vollen USK-Prüfprozess durchlaufen hat. Immerhin ziert der Vorgänger ebenfalls schon mindestens eine Zeile der Liste indizierter Medien, damit dürfte der Nachfolger wohl automatisch aufgrund gewaltbeherrschter Inhalte als indiziert gelten. Aber das sind natürlich alles nur Spekulationen. Wer weiß: vielleicht überlegt es sich die USK ja doch noch anders und Kettensägenmassaker sind neuerdings die neue plattgehüpfte Schildkröte.

So oder so stellt sich nun auch für mich erstmalig heraus, dass es künftig schwieriger werden dürfte, an bestimmte Spiele zu kommen, die mich interessieren. Nicht, dass ich plötzlich nur noch auf explizit erwachsene Inhalte stehen würde. Im Gegenteil.

Nervig ist das alles jedoch allemal. Besonders dann, wenn man sich bereits Wochen vor Verkaufsstart die Mühe macht, sich per Vorbestellung eine Special Edition zu sichern. Richtig ärgerlich wäre es in meinem Fall natürlich erst gewesen, wenn es sich um eine limitierte Auflage gehandelt hätte, wie etwa im Falle der Halo 3 Legendary Edition. Glücklicherweise war das nicht der Fall. Und glücklicherweise ist es heutzutage kein Problem mehr, mal eben zu Amazon UK zu surfen und dort auf Shopping-Tour zu gehen. Und glücklicherweise steht zur Krönung des Ganzen der Euro derzeit so gut dar, dass selbst der Einkauf im Vereinten Königreich noch zur reinsten Schnäppchenjagd verkommt. So kommt man dann – hoffentlich – doch noch zu seiner Gears of War 2 Special Edition. Sogar noch für gut 10 Euro günstiger – trotz Versandgebühren. So ganz glaube ich das aber erst, wenn das Spiel tatsächlich bei mir eingetrudelt ist und ich meine Kreditkartenabrechnung zu Gesicht bekomme.

Bis dahin kratze ich mich aber noch ein wenig am Kopf und frage mich, wieso Amazon meine Bestellung gleich komplett storniert hat. Auch auf die Gefahr hin, dass GoW 2 zum Zeitpunkt des Versands bzw. am offiziellen Erstverkaufstag bereits indiziert sein sollte, wäre es doch keinerlei Problem gewesen, eine Klage wegen öffentlichen Anbietens eines indizierten Titels zu umgehen, indem man das Angebot einfach von der Website entfernt und die Vorbesteller trotzdem beliefert. Dank des Post-Ident-Verfahrens, das ja ebenfalls für Titel ab 18 Jahren verwandt wird, wäre dies doch ohne weiteres möglich.

So wird man also gezwungen, selbst zu importieren. Hat man es dann doch zu einer eigenen Kopie geschafft, stellt uns Microsofts strikte Veröffentlichungs-Politik gleich vor ein weiteres Problem: Was, wenn ein indizierter – und deshalb von Microsoft nicht supporteter Titel – einen dringenden Patch nötig hätte, um anständig gespielt werden zu können? Dank der rigorosen Jugendschutzpolitik des Konzerns werden Download-Angebote für indizierte Titel aber ebenfalls nicht an Nutzer mit deutschen Xbox Live-Accounts verteilt. Selbst, wenn man nachweislich die Volljährigkeit längst erreicht hat und über die originale Spieledisc verfügt.

Das alles ist mehr als unbefriedigend und zeigt nur allzu deutlich, wie dringend endlich mal ein Ruck durch diese Gesellschaft gehen muss, damit Spiele endlich genauso akzeptiert werden wie Bücher und Filme, damit dieser Irrsinn endlich aufhört.

Mehr Aufregung rund um die neuerdings viel zu großen USK-Siegel auf Spiele-Verpackungen gibt es  dann übrigens in Kürze auch nochmal bei Polyneux.