Irgendwann im September wird mit de Blob einer der wenigen Titel erscheinen, für die es sich überhaupt noch lohnt, seine Wii anzuschmeißen. Jedenfalls verhießen das die bisher erschienenen Trailer. Von Nintendo selbst ist ja derzeit offenbar herzlich wenig zu erwarten, so blutarm, wie deren Pressekonferenz bei der E3 de facto daherkam, während EA sich gerade anscheinend darüber grün und blau ärgert, auf die falschen Konsolen gesetzt zu haben. Interessante Titel anderer Publisher, die uns in naher Zukunft ein Lächeln auf die Lippen zaubern könnten und nicht der armselige xte Aufguss bekannter Serien oder halbgare Lizenz-Spielereien sind, setzen derzeit jedenfalls alles daran, sich nicht am Horizont sichten zu lassen. Soll mir persönlich egal sein, da ich nach wie vor ganz gut ohne Wii leben kann; für Euch, liebe Nintendo Fanboys, tut es mir hingegen schon ein wenig leid. Außer Rumgehampele auf der Elektro-Waage bleiben ja bloß noch Metal Slug und Turrican auf der Virtual Console. Schade. Da kann man bloß hoffen, dass de Blob wirklich den bunten Farbkleks reinster Spielfreude ins triste Weiß des geneigten Fanlebens zaubern kann, den wir uns so sehr von ihm erhoffen. Wenn ich mir die vorab veröffentlichte Mobil-Version des vermeintlich schmakeligen Holland-Exports so anschaue, könnte sich das mit der farbenfrohen Abwechslung allerdings auch sehr schnell als repetitiv-öder Flachwitz mit originellem Ansatz entpuppen.

Ob es im Ansatz stecken bleibt oder doch den Sprung in höhere Gefilde schafft, wird sich zeigen müssen. Auf dem iPhone jedenfalls bleibt es eher bei einem müden Hopser. Zu abwechslungsarm präsentiert sich das gesamte Spielgeschehen bislang. Die Exposition präsentiert sich wie folgt: grauer kleiner Blob rollt mit dem unbändigen Willen, wieder Farbe und Frohsinn in die – dank einer Armee von Farbverächtern – entfärbte Stadt zu bringen, durch die Gegend, wälzt sich zu diesem Zweck lustig in Farbe und missbraucht seinen eigenen, unförmigen Körper als übergroßen Pinsel. Klingt schön und wird nach einer kurzen Weile so wundervoll kunterbunt, dass einem die Augen übergehen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis beschränkt sich die iPhone-Version auf einige wenige Farben, die zumdem immer gleich ganze Häuserblocks einfärben und somit für nicht viel mehr Abwechslung sorgen als das urpsrüngliche Weiß. Da der Bildausschnitt immer nur einen kleinen Teil des näheren Umkreises aus der Vogelperspektive zeigt, ist von dem farbenprächtigen Wahnsinn, mit dem wir die Stadt überziehen, herzlich wenig zu sehen. Die Aufgaben beschränken sich auf simple Anweisungen der Marke “Du hast 8 Minuten Zeit um soundso viele Häuser zu tünchen” und werden aufgelockert durch optionale Sidequests der Marke “Färbe innerhalb einer Minute soundso viele Häuser in dieser und jener Farbe”, die uns von nervigen Figürchen an Straßenecken angedreht werden.

Wer die Wahl hat hat die Qual und quält sich steuerungstechnisch entsprechend nicht nur mit der Wahl zwischen Touchscreen und Bewegungs-Sensor, sondern auch mit der Bedienung an sich. Während der kleine Blob bei Berührung des Screens mit dem Finger abgeht wie ein Raketenzäpfchen und voller unbändiger Energie unkontrollierbar in alles hineinrauscht, was sich ihm in den Weg stellt, ist die Bewegungssteuerung an Trägheit kaum noch zu überbieten. Selbst auf empfindlichster Kalibrierungsstufe muss man praktisch spastische Zuckungen nachahmen, um überhaupt mal Leben in die Bude zu bekommen bzw. die Kugel mal ans Rollen zu bringen. Dann aber gibt es kein Halten mehr und Kontrolle verkommt zum Fremdwort. Ich kann nur schwer hoffen, dass die Steuerung in der Wii-Fassung besser gelöst wird. Besonders ärgerlich, wenn man sich auf die Motion-Steuerung verlässt. Dadurch, dass man das iPhone so dermaßen stark kippen muss, um überhaupt Richtungsänderungen hinzubekommen, ist zwischenzeitlich vom Geschehen auf dem Screen praktisch kaum noch was zu sehen. Irgendwo ist auch beim iPhone mal mit dem optimalen Betrachtungswinkel Schluss. Da de Blob die Ruheposition der Kugel nicht, wie Super Monkey Ball, bei einer leichten Schräglage des iPhones verortet, sondern tatsächlich nur dann, wenn das Telefon völlig flach und waagerecht gehalten wird, wird es immer dann besonders schwierig, noch was zu erkennen, wenn man die Figur nach vorne, also von sich weg steuert, da man dazu auch das iPhone von sich weg kippt. Bei einer empfindlicheren Kalibrierung wäre das verschmerzbar, weil der Winkel dann relativ flach wäre, so aber wird man praktisch gezwungen, sich die die Gehäuserückseite des Telefons anzuschauen, will man in irgendeine Richtung lenken.

Zusammen mit dem extrem eintönigen Spielablauf ergibt sich alles andere als der Eindruck von einem potentiellen Kracher auf der Wii. Da kann man bloß hoffen, dass die iPhone-Variante nicht mehr ist als der Versuch der Entwickler, mit einer eilig dahingerotzten Fassung für Apples Prestige-Telefon noch schnell die eigene Portokasse aufzustocken.