Aurora Feint: The Beginning weiß auf dem iPhone durch innovative Ansätze zu begeistern, zieht aber durch fiese Datenschutzlücken jede Menge Unmut auf sich. Diese Blöcke-verschiebe-Rätsel-Spiele gehen mir ja alle größtenteils völlig am Allerwertesten vorbei. Das nimmt ungefähr ähnliche Ausmaße an wie meine Abneigung gegen einen Großteil des Strategie-Genres. Während mich moderne Stragegie-Spiele mit ihrer Eyecandy-Grafik und den Lobgesängen durch die einschlägige Presse aber immer wieder mal um den Finger zu wickeln wissen (aber nur ganz kurz), lassen mich Puzzle-Games einfach nur kalt. Das geht sogar so weit, dass mich eine Partie Tetris ungefähr genauso anödet wie Unkrautjäten. Einzig dieses Tiere-Sortieren à la Zoo Keeper hat mich als Browsergame tatsächlich mal die eine oder andere Stunde während der Insolvenz meines letzten Arbeitgebers fesseln können. Achja, und Lumines durfte öfter mal auf meinem alten Handy starten. War eine schöne Umsetzung. Die Faszination allerdings, die für viele davon ausgeht, hat sich mir leider nie erschlossen. Nun aber gibt es Aurora Feint und endlich hab auch ich mal meinen Spaß mit dem Genre. Einiger erfrischender Einflüsse aus dem Rollenspielgenre sei Dank.

Nun denkt man bei Puzzle und Rollenspiel zunächst unweigerlich an Puzzle Quest. War dieses jedoch ein reinrassiges Rollenspiel, bei dem lediglich die Kämpfe durch Puzzle-Einlagen bestritten wurden, ist Aurora Feint in der Hauptsache ein klassisches Wir-schieben-3-Blöcke-gleicher-Farbe-zusammen-die-sich-dadurch-in-Wohlgefallen-auflösen. Die dabei gesamelten Punkte wiederum dürfen anschließend aber in neue Fähigkeiten und Schriftrollen investiert werden, die es einem erlauben, Ressourcen (die zu verschiebenen Blöcke) schneller abzubauen, die dann wieder in neue Fähigkeiten investiert werden. Bevor diese in den Minen, wo die Ressourcen abgebaut werden, zum Tragen kommen können, müssen die Fähigkeiten zunächst in kleinen Minigames erlernt werden, bei denen etwa unter Zeitdruck eine bestimmte Menge zweier verschiedener Ressourcen abgebaut werden müssen, oder Blockreihen mit einem vorgegebenen Maximum an Zügen aufgelöst werden müssen.

Aurora Feint macht dabei ausgiebigen Gebrauch der iPhone-Fähigkeiten. Manch einem sogar zuviel. Da es über lange Sicht deutlich ausgebaut werden soll und sich zu einem reinrassigen MMO-Puzzlegame mausern soll, dachten sich die Macher, man könnte doch schonmal ein paar Nutzerdaten sammeln, um es dem Spieler später einfacher zu machen, Freunde ins Spiel einzuladen und sich mit diesen zu messen. Dumm bloß, dass zu diesem Zweck einmal das gesamte (!!!) Adressbuch inklusive sämtlicher darin enthaltener personengebundener Daten aller Kontakte (voller Name, Adressen, Mail-Adressen, Telefonnummern, ja selbst Geburtstage und Notizen) aus dem iPhone unverschlüsselt (!!!) an die Server der Programmierer übertragen wurden. Besonderlich ärgerlich ist dabei die Tatsache, dass dieses Vorgehen im Vorfeld in keinster Weise kommuniziert wurde. Ob dahinter nun böse Absicht stecken mag oder nicht – mit einer derartigen Herangehensweise war es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis Apple dem Titel im hauseigenen App-Store einen Riegel vorgeschoben hat. Mittlerweile existiert eine neue Version, die anscheinend deutlich weniger datensammlerisch ist. Die Entwickler haben zwar dazu gelernt und zeigen sich inzwischen wohl auch etwas kommunikativer, für Aurora Feint-Nutzer der ersten Stunde (wie ich einer bin) bleibt allerdings weiterhin die Frage offen, was mit den preisgegebenen privaten Daten nun weiter passiert, ob diese eventuell im Nachhinein nochmal gefiltert wurden und lediglich die wirklich spielrelevanten Daten extrahiert wurden, oder ob die eigenen Adressbücher nun auch weiterhin auf den Gameservern lagern. So oder so dürfte hingegen klar sein, dass es – zumindest hierzulande – in keinster Weise rechtmäßig ist, ohne Zustimmung der Nutzer überhaupt derartige Daten zu sammeln. Selbst mit entsprechender Zustimmung dürfte eine derartig weitreichende Offenlegung und Weiterreichung fremder Identitäten gegen jegliche Datenschutz-Gesetzgebung verstoßen und den Rollstuhlfahrer der Nation vor Neid blassgrün werden lassen. So etwas ist mehr als nur ärgerlich – die Programmierer dürften wirklich Glück haben, dass bislang noch kein Teer in der Nähe einer Hühnerfarm hochgeköchelt wird.

Komisch nur, dass der Aufrur aus den Reihen der iPhone-Nutzer praktisch völlig ausgeblieben ist und eher bereitwillig mit einem lapidaren Schulterzucken hingenommen wurde.

Auf der rein spielerischen Seite ist Aurora Feint momentan aber tatsächlich eines der Highlights in Apples App-Store. Gerade durch die Möglichkeit, die Spielfläche durch Drehen des iPhones in 90°-Schritten  ebenfalls zu drehen und sich dadurch völlig neue Spielzüge zu eröffnen, ist hervorragend gelungen. Da muss man sich doch fragen, warum auf eine derartige Idee zuvor noch niemand auf herkömmlichen Rechnern bzw. Konsolen gekommen ist. Man muss ja nicht unbedingt den kompletten Monitor drehen können, um die Spielfläche zu rotieren. Ein einfacher Tastendruck würde es ja auch tun. Manchmal muss offenbar erst ein völlig neues Bedienkonzept um die Ecke kommen, um kleine Ideenfunken zu zünden. Aurora Feint könnte so ein großartiges Spiel sein… wenn doch bloß dieser schale Datengau-Nachgeschmack nicht wäre.

Bild: orvaratli