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Gestern hat mich mein Apple-Updater ganz lieb gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal eben den Safari-Browser herunterzuladen. Weil er mich dabei mit so großen unschuldigen Dackelaugen angeklimpert hat, dass es mir fast das Herz gebrochen hat, hab ich dem Vorschlag einfach mal zugestimmt. Obwohl man ja seit der ersten Beta für Windows nur schlechtes davon gehört hat. Das ging sogar soweit, dass Paypal seinen Kunden kürzlich offiziell davon abriet, Safari bei Bezahlvorgängen überhaupt einzusetzen. Wobei man anmerken sollte, dass die Warnung nicht nur für die Windows-Beta, sondern direkt für alle Versionen galt. Zu unsicher sei das Ding. Aber selbst wenn man die vielen Macken und Sicherheitslecks, die in der Beta noch zuhauf vorhanden waren, mal bei Seite läß: mal ehrlich, liebe Mac-User… Das soll also jetzt Euer Sagen umrankter Superbrowser sein, der an Komfort und Funktionalität nicht mehr zu überbieten ist? Öh… hab ich mir den falschen runtergeladen? Alleine die Darstellung: grauenhaft!

Wo surft man uneitler Weise zuerst hin, wenn man einen neuen Browser ausprobiert? Na klar, zu seinem eigenen Blog. Und dann bloß ganz schnell wieder da weg, das ist ja nicht auszuhalten! Wie sieht das denn aus? Hilfe! Wer hat meine Seite verstümmelt? Polyzei!!! Es bot sich mir ein Bild des Grauens. Überall zerstückelte Textteile, Fetzen toten Buchstabenfleisches, abgehackter Wörter, zerrissener Sätze, geschundener Blocksatz allerorts. Ich war schockiert. Und das ist das denn für eine komsiche, dicke, irgendwie fransige, unruhig wirkende Schrift? Sieht ein wenig aus wie mit zittriger Hand hingeschmiert? Achso, das muss so? Dahinter steckt die Render-Engine der Safari-Kutsche? Grundgütiger, da stand wohl ein Wartburg Pate. Wenigstens kann man die Schriftenglättung und die verwendete Schriftart manuell ändern, um hier doch noch ein optimales Ergebnis herauszuholen. Ganze 8mal mußte ich den Tatort dann noch erneut betreten, bevor die Seite ungefähr so dargestellt wurde, wie sie normalerweise aussieht bzw. auszusehen hat. Aber nur ungefähr. Irgendwie macht das Ganze immer noch einen leicht zerschissenen zerschossenen Eindruck. Vor allem die Umrahmung meiner einzelnen Posts mag Safari überhaupt nicht ordentlich darstellen.

Also lieber schnell wieder den Blick abgewandt und auf die Funktionen unter der Haube gelenkt. Soviel vorweg: vom Bedienkomfort war ich ebenfalls von der ersten Minute an schwer enttäuscht. Ich bin notorischer Mouse-Gesten-Liebhaber und vergöttere das entsprechende Addon für den Firefox. Opera bietet dieses Feature sogar standardmäßig ab Werk. Der IE rennt hier wie in allen Belangen wieder einmal hinterher, aber wenigstens von Apple hätte ich da doch mehr erwartet. Aber leider leider: keine Mouse-Gesten. Kein bequemes Seitenschließen, Vor- und Zurücknavigieren via Mousebewegung. Rüste ich es halt nach, dachte ich mir noch so, bevor ich gegen die harte Wand der Realität lief. Pustekuchen, Addons sind grad aus. Oder wo ist die Funktion dafür versteckt? Zwar finde ich generell auch sehr schön, dass Safari offenbar auch irgendwie alle meine Lesezeichen importiert hat, bloß leider nichtmal ansatzweise so sortiert, wie ich sie in meiner Firefox-Taskleiste abgelegt hatte. Stattdessen gibt es einen bunten Haufen Kuddelmuddel. Außerdem macht es im Grunde überhaupt keinen Sinn, alle Lesezeichen auch noch direkt in den Seitenverlauf zu schaufeln. Aber hier bin ich vielleicht ein bißchen kleinlich.

Enttäuschend aber auch das Tabbed-Browsing. Funktioniert zwar im Grunde sehr gut, und sogar die Tabs lassen sich einzeln hin und her schieben, aber beim Firefox gefällt mir nunmal, dass ich zum Schließen einzelner Tabs nicht zwingend auf das kleine X in der Ecke klicken muss, sondern auch grobmotorisch mit einem Mouserad-Klick auf den Tab selbst diesen ebenfalls schließen kann. Hat man das einmal gemacht, will man sich gar nicht mehr umgewöhnen. Funktioniert aber leider bei Safari nicht. Zum Abschluss noch schnell ein Blick in die Optionen: funktional, aber mager. Vor allem unter dem Reiter “Sicherheit” fehlen ganz eindeutig ein paar weitere Optionen. Warum kann ich mir etwa nur aussuchen, ob ich Cookies generell, nur von der angesurften Seite oder überhaupt nicht zulassen möchte? Warum nicht pro Seite individuell? Aber immerhin bietet Apple eine Funktion namens “Privates Surfen” an, bei der Safari auf das mitloggen eingegebener Daten, aufgerufener Seite etc. verzichtet. Ein Popup-Blocker ist ebenfalls mit drin, läßt sich aber scheinbar auch nicht konfigurieren. Zusätzliche Funktionen zum Unterbinden von Werbebannern aller Art gibt es ebenfalls nicht. Mein Gott, ich hatte schon ganz vergessen, wie sehr manche Seiten mit Werbung überladen sind. Dank Adblock Plus bekommt man im Firefox ja praktisch kaum noch was davon mit.

Unterm Strich kann ich vom Safari-Download für Windows eigentlich nur abraten. Die Geschwindigkeit ist zwar tatsächlich ein großes Plus, auch die generelle Optik Aufmachung sind Apple-typisch sehr gelungen, an Funktionalität und individueller Einstellungsmöglichkeit des Firefox kommt der Browser aber bei weitem nicht ran. Das Geschwindigkeitsplus dürfte ebenfalls mit der demnächst erscheinenden Version 3 des Feuerfuchses hinfällig werden. Inwiefern die vielen während der Beta-Phase angeprangerten Sicherheitslücken mittlerweile abgedichtet sind, läßt sich auch nicht so recht ausmachen. Solange Apple seinen Safari also nicht zwingend zum Besuch des iTunes-Stores an seine Musik-Plattform bindet, besteht deshalb keinerlei Grund, sich die 15MB durch die Leitung zu jagen… außer man will mal was anderes sehen als seinen Standard-Browser.