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Ihr macht mich fertig, Sqare. Nein, ehrlich! Wer soll denn da noch hinterherkommen? Wo sind sie geblieben, die Zeiten, in denen Ihr genau ein neues Final Fantasy nach dem anderen herausgebracht habt, immer schön gebunden an eine Konsolen-Plattform und in denen man sich darauf verlassen konnte, dass ein neues Final Fantasy genau das ist, was man von ihm erwartet: ein neues Final Fantasy. Also ein Japano-Rollenspiel mit epischer Story – mit der Betonung auf Rollenspiel mit epischer Story. Japano-Rollenspiele macht Ihr ja immer noch, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass Ihr die epische Story mittlerweile lieber über 5 Spiele hinweg und über unzählige Plattformen verteilt erzählt. War man früher zunächst leicht irritiert, anschließend aber schnell begeistert, dass jeder FF-Teil grundverschieden von seinen Vorgängern und Nachfolgern ist und jede Welt, jede Geschichte nur genau ein einziges Mal aufgegriffen und erzählt wird, ist man heute vor so gut wie gar nichts mehr sicher. Mit Final Fantasy X-2 fing für uns im Westen der Stilbruch an. Die Geschichte war noch nicht so ganz erzählt, weshalb man Yuna samt ihrer spärlich bekleideten Freundinnen also gleich noch einmal ins Rennen geschickt hat. Dabei waren die Stories der direkten Vorgänger doch eigentlich um so vieles besser geeignet, um noch ein klein wenig weitergesponnen zu werden. Allen voran natürlich die Geschichte von Final Fantasy VII.

Das habt Ihr dann aber auch ganz schnell selbst erkannt, Euch auf Eure Fähigkeiten besonnen, ganz großes Renderkino in Form geradezu unglaublicher Zwischensequenzen abliefern zu können und Euch deshalb daran gemacht, die Fortsetzung der FF-Klassikers schlechthin als animiertes Movie zu erzählen. Mal nix mit Interaktivität und so, eine Spieleschmiede muss immerhin auch mal neue Wege gehen dürfen. Das hattet Ihr ja zuvor auch schonmal versucht – und es hat Euch beinahe das Genick gebrochen. Final Fantasy: The Spirits Within hieß damals das Machwerk, dass Ihr in die Kinos geworfen habt. Und das so grandios gefloppt ist. Woran hats gelegen? An den Effekten ganz sicherlich nicht. Was einem da optisch geboten wurde, läßt unsere Kinnlade selbst heute noch teilweise ganz schön weit herunterhängen. Aber die Story… mein Gott, die Story… Seien wir ehrlich: das war nix. Mit den Spielen hatte das wenig gar nichts zu tun. Den normalen Kinogänger (hat der sich überhaupt in den Film verirrt?) mag das gefreut haben, den Spielefan konnte es nur maßlos enttäuschen. Denn nicht nur, dass Ihr jeglichen Anschluss an die Spieleserie verpasst habt, ist Euch wohl auch noch Euer komplettes Autorenteam abhanden gekommen und Ihr mußtet die Geschichte vermutlich vom 12jährigen Neffen des Grafik-Praktikanten erzählen lassen.

Aber ich schweife mal wieder ab. Es gab dann also diesen Film. Final Fantasy VII: Advent Children. Damit, sollte man meinen, war die Geschichte um Cloud Strife und seine Freunde dann aber endgültig erzählt, der Ruf der Fans nach neuen Abenteuern in der Welt zwischen Midgar, Junon und Cosmo Canyon ein für alle mal verhallt. Aber Ihr konntet es nicht lassen. Ihr mußtet einfach noch ein wenig weiter an der Erfolgskuh rummelken. Also flugs noch ein paar weiter FF7-Derivate auf den Markt geworfen. Als da wären Before Crisis – Final Fantasy VII, dass sich kruderweise nur mit einem iMode-Handy gegen Abo-Gebühren spielen läßt, Dirge of Cerberus - Final Fantasy VII, dass wiederum an die Handlung von Advent Children angelehnt ist, sowie Crisis Core: Final Fantasy VII, in dem sogar die im Originalspiel getötete Aeris nochmal einen Auftritt hat.

Irgendwann in der Zwischenzeit ging aber nicht nur das große Serienableger-Chaos los, sondern zusätzlich auch noch ein wildes Rumgehopse zwischen allen möglichen und unmöglichen Systemen. Wer wäre schon jemals wirklich ernsthaft auf die Idee gekommen, Final Fantasy auf einem iMode-Handy spielen zu wollen? Darüber hinaus sind nicht nur die FF7-Ableger auf allen möglichen Plattformen erschienen, sondern auch die mittlerweile nicht gerade wenigen sonstigen Titel, die noch so alle irgendwie lose im Final Fantasy-Universum spielen. Als da beispielsweise wären: die Tactics-Reihe mit Final Fantasy Tactics (PSone), bzw. dessen Remake Final Fantasy Tactics: The War of the Lions (PSP), Final Fantasy Tactics Advance (GBA) und Final Fantasy Tactics Advance 2: Grimoire of the Rift (NDS), die Ableger der Chrystal Chronicles-Reihe auf diversen Systemen, der Auftritt einiger prominenter Serienvertreter im Rahmen der Kingdom Hearts-Spiele, die Final Fantasy Fables mit ihren Chocobo Tales oder der aktuelle Story-Aufguss Final Fantasy XII: Revenant Wings im Echtzeit-Strategie-Format.

Wichtigstes Kriterium bei der Konzeptionierung und Veröffentlichung der Spiele scheint dabei, ob durch Setting, Plattformwahl und – allem voran – Wahl des Spielegenres, auch wirklich und wahrhaftig ausreichend Verwirrung beim Kunden gestiftet wird. Hab ich eingangs erwähnt, dass man sich früher immer darauf verlassen konnte, dass Final Fantasy ein Japano-Rollenspiel mit epischer Story war. Vergesst es. So einfach ist das heute nicht mehr. Da gibt es nun Rollenspiele, Rundenstrategie, Echtzeitstrategie, Jump’n'Runs, Action-Adventures und weiß der Henker, was noch alles. Über die Epik der Stories wage ich gar nicht erst zu urteilen, dafür müßte man den Krempel ja erstmal alle gespielt haben. Und wenn man sowieso dabei ist, all das nachzuholen, dann kann man ja eigentlich auch direkt mal mit den ersten Teilen der Serie anfangen, die damals niemals hierzulande veröffentlicht wurden und die jetzt glücklicherweise auch alle noch als Remake erscheinen. Damit man aber auch wirklich, wirklich richtig in das Thema eintauchen kann, sollte man dann auch noch dafür sorgen, dass man vor Inangriffnahme des 12. Teils der Rollenspielreihe unbedingt noch Vagrant Story spielt, dass zwar mit der Serie nicht weiter viel zu tun hat, aber genau wie die Tactics-Reihe im schönen Ivalice spielt. Und wenn man schon dabei ist, legt man sich im günstigsten Fall auch direkt noch die Originale von Mystic Quest, Mystic Quest Legend (die nur dem europäischen Namen nach nichts mit unserer Lieblings-Rollenspielserie zu tun haben) und Final Fantasy Legend zu, um auch ja keinen Aspekt des FF-Universums zu verpassen.

Wir halten fest: Final Fantasy ist uns als legendäre Rollenspielreihe ans Herz gewachsen, die nach und nach Fortsetzungen auf diversen Konsolen-Systemen spendiert bekommen hat. Natürlich immer erst dann, als die aktuelle Konsolengeneration gerade im Sterben lag. Irgendwann aber war es den Entwicklern wohl zu langweilig und man fing an, lustig durch die Plattformen und Genres zu hopsen, ohne Rücksicht auf Verluste. Mittlerweile findet sich die Serie in unterschiedlichsten Auswüchsen auf praktisch allen gängigen Systemen wieder, vom klassischen NES, über Playstation, PS2, PS3, PC, Wii, Nintendo DS bis hin zur PSP (und bestimmt noch einigen mehr). Wann genau fing dieses Chaos eigentlich an? Irre ich mich, oder ging das ungefähr zu dem Zeitpunkt los, als Ihr, liebe Produzenten bei Square, so dermaßen mit The Spirits Within auf die Fresse gefallen seid, dass Ihr plötzlich sogar vor einer Übernahme durch Euren bis dato schärfsten Konkurrenten Enix nicht mehr gefeit wart? Kann es sein, dass Ihr da plötzlich ganz viel Geld brauchtet, um das Loch zu schließen, dass Euer Flop-Movie gerissen hat? Oder seid Ihr am Ende doch nur ganz einfache Wohltäter, die nicht anders können, als uns möglichst viel von unserer Lieblings-Serie zu gönnen und uns immer wieder mit neuem, abgefahrenen Spielezeugs zu beglücken? Ich weiß es nicht, liebe Freunde.

Ich weiß nur, dass mir jetzt ganz schön der Kopf schwirrt, von all den vielen Titeln. Ich brauch erstmal ne Aspirin. Und jede Menge Freizeit, um mich auch wirklich angemessen mit dem Final Fantasy-Universum auseinandersetzen zu können. Wer weiß, wenn das hier so weitergeht, hab ich bald wieder viel mehr Freizeit als mir lieb sein kann. Aber auch kein Geld mehr. Man hat es aber auch echt nicht leicht.

Wer sich jetzt noch ein bißchen tiefer in die Materie Final Fantasy wühlen möchte, dem sei als Auftakt die Lektüre sämtlicher Wikipedia-Artikel zum Thema empfohlen, gefolgt vom Besuch der Seite finalfantasy.de. Alleine dafür müßte man sich ja mittlerweile fast Urlaub nehmen.

Bildquelle: SquareEnix.