Another Code - Doppelte Erinnerung

Das war es also. Das erste komplett von mir durchgespielte Nintendo DS-Spiel. Schön wars. Da hätte ich mir doch wahrlich schlechtere Titel für den Anfang aussuchen können. Irgendeinen Film-Lizenz-Dreck zum Beispiel. Sowas, das sich bei Saturn im Regal stapelt und den Blick auf die zwei bis drei schönen Kleinode versperrt, die sich dann doch mal dazwischen verirren. Another Code ist definitv ein Kleinod. Und ein schönes noch dazu! Ich hätte vorher gar nicht gedacht, dass es auf dem DS möglich wäre, so eine schöne Atmosphäre aufzubauen. So habe ich Antoher Code dann auch eher wie ein gutes Buch, gemütlich auf der Couch sitzend genossen und stellenweise fast schon vergessen, dass ich gerade spiele – und eben nicht in einen spannenden Roman vertieft bin.

Cover Hauptdarstellerin dieser fesselnden Adventure-Story ist die 13jährige Ashley Mizuki Robbins, die sich auf der Suche nach ihrem totgeglaubten Vater auf eine kleinen – beinahe einsame – Insel samt herrschaftlichem Anwesen begibt. In ihrer Begleitung ist ihre Tante Jessica, bei der sie aufgewachsen ist. Das Tantchen spielt aber eher eine Nebenrolle, verschwindet sie doch direkt zu Anfang irgendwo auf der Insel, um erst zum Finale wieder vor einem zu stehen. Oh… falls Ihr Another Code noch nicht gespielt habt: keine Angst, das war jetzt kein wirklicher Spoiler. Jedenfalls muss unsere Heldin nun erstmal alleine auf der Insel zurechtkommen. Das bleibt allerdings nicht lange so, denn bereits nach einer kurzen Weile begegnet ihr ein Geist. D, so sein Name (nein, kein dicker Tanzbär aus dem Osten) war zum Zeitpunkt seines Todes ungefähr in Ashleys Alter. Da er aber auf der Suche nach seinen Erinnerungen ist, irrt er nun schon seit einigen Jahrzehnten auf der Insel umher, in der Hoffnung, dass ihm irgendwer dabei helfen kann, sich an seine Vergangenheit zu erinnern. Kurzum: die beiden werden Freunde und erkunden von nun an gemeinsam das Herrenhaus der Insel. In dem spielt sich der absolut größte Teil der Story ab und hier gibt es nicht nur immer wieder neue Hinweise auf die Geschichte des Hauses, die – wie sich langsam herauskristallisiert – auch das Schicksal des freundlichen Geistes besiegelt hat, sondern ebenso auf Ashleys Vater und dessen Arbeit an einem streng geheimen Projekt. Was hat es mit dem so genannten ‘Another‘ auf sich, an dem er seit dem Tod von Ashleys Mutter in aller Heimlichkeit gearbeitet hat? Und was daran ist so wichtig, dass er dafür all die Jahre seine Tochter vernachlässigt und in dem Glauben gelassen hat, er sei ebenfalls verstorben? Und was hat es mit dem kleinen Gerät auf sich, das Ashley von ihrem Vater geschickt bekommen hat (und das nicht nur als ihr Taschencomputer fungiert, sondert auch noch verdammte Ähnlichkeit mit einem DS hat ;-) )?

All diese Fragen, und noch einige mehr, gilt es im Laufe des Spieles zu lösen. Das spielt sich übrigens als klassisches Point&Click-Adventure, wobei die Fähigkeiten des DS sehr geschickt in Szene gesetzt werden. Macht Euch auf einen erhöhten Einsatz des Stylus gefasst, genauso wie auf die ein oder andere Nutzung des eingebauten Mikrofons. Das Steuerkreuz oder sonstige Tasten kann man zwar benutzen, Ashley und Begleiter steuern sich via Stylus aber einfach viel bequemer. Einfach in eine Richtung getippt, in die die kleine Miss Robbins laufen soll, und schon macht sie sich auf den Weg dorthin. D folgt ihr automatisch. Unterhaltungen mit anderen Charakteren führt man gemütlich durch Berührung des entsprechenden Symbols. Auf die gleiche Weise ist es möglich Räume und Gegenstände zu untersuchen, sein Inventar aufzurufen oder zu speichern, Karten und Briefe zu lesen etc. Für manche Rätsel muss dazu noch mit dem Stylus über den unteren Bildschirm gerubbelt werden, das DS zusammengeklappt werden, um die Spiegelungen der Bildschirm übereinander legen zu können oder ins Mikrofon gepustet werden, um etwa Staub beiseite zu blasen.

Ashley Schön und ein bißchen schade zugleich ist, dass der Spielverlauf insgesamt sehr linear geraten ist. So muss man, bis auf ein oder zwei Ausnahmen, glücklicherweise nicht laufend zwischen zig Räumen hin und her rennen und längst abgeschlossene Gebiete ständig ein weiteres Mal komplett durchqueren, um im Spiel weiter zu kommen. Allerdings – und das ist gleichzeitig der größte Schwachpunkt des Spiels – ist Another Code mit etwa 6-7 Stunden Spielzeit etwas kurz geraten. Dadurch fallen einige Aspekte, die die Designer von Cing wohl dazu nutzen wollten, den Umfang ein klein wenig zu strecken, umso negativer auf. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass man nicht sofort alle Items einstecken kann, die im weiteren Verlauf noch von nutzen sein könnten. Vielmehr kann immer nur mitgenommen werden, was gerade tatsächlich zur Lösung des nächsten Rätsels notwendig ist. Also gilt es sich einzuprägen, was später noch gebraucht wird und wo es lagert. Das ist zwar im Grunde nicht sonderlich schwierig, nervt aber dann doch ein wenig, wenn das entsprechende Item erst 2 Spielstunden später von Belang ist und man zwischendurch vielleicht mal einen Tag lang nicht gespielt hat. Zum Glück ist das Anwesen nicht so groß, dass man nicht schnell wieder zum gesuchten Item zurückgelaufen wäre. Ein anderer Punkt, der unter Umständen sauer aufstoßen kann und der das Spiel nur unnötig in die Länge zu ziehen versucht: Am Ende eines jeden Kapitels, innerhalb dessen man sich jedesmal ein Stück tiefer ins Anwesen vorwagt, möchte Ashley das bis dahin Erlebte gerne noch einmal Revue passieren lassen. Ohne Chance auf Ausweg. Also heißt es ihren Ausführungen zu lauschen und ihr hin und wieder auf die Sprünge zu helfen, indem man den richtigen Textschnipsel antippt. Das ist aber nicht sonderlich schwierig – ich hab jedenfalls jedesmal auf Anhieb richtig gelegen – und bringt weder Handlung noch Spiel in irgendeiner Weise weiter. Ergo ist es überflüssiger als ein Kropf. Dem Spielgenuss als solchem tut es aber keinen Abbruch, so dass ich da nochmal ein Auge zudrücken will.

Die Rätsel sind allesamt sehr logisch geraten und in der Regel nicht sonderlich schwer zu knacken. Hin und wieder braucht es dann aber doch die richtige Eingebung, um auf den Lösungsansatz zu kommen – ich sag nur: Das Bild mit dem Schlüssel und dem Buch… Wo der Schlüssel ist, ist nicht weiter schwierig zu erraten, aber wo genau er ist…. Aber ich möchte nicht zuviel verraten.

Wie schon angedeutet, läßt sich Another Code genießen wie ein gutes Buch. Oder zumindest wie einen schön betitelten Bildband ;-) . Die Story ist zwar nicht sonderlich kompliziert und auch eher einfach gestrickt, wird aber wunderschön in Rückblenden und Dialogen erzählt und durch stilsichere, nicht animierte Zeichnungen unterstützt, ähnlich einem Comic. Tatsächlich sind auch alle Charaktere als einfache wie liebevolle Zeichnungen dargestellt. Das mag zwar auf den ersten Blick deren ‘Handlungsspielraum’ beim Ausdrücken von Emotionen ein wenig einengen, allerdings sieht man trotzdem immer sofort, wie etwa Ashley sich fühlt. Denn man sollte nicht immer nur auf die Bilder achten. Ist Ashley etwa wegen irgend etwas aufgeregt oder aufgebracht, kann man das auch anhand der etwas schneller laufenden Bildschirmtexte merken. Das ist nicht nur wunderbar subtil, sondern unterstreicht die gesamte Atmosphäre tatsächlich sehr gut. Die einfache, unaufdringliche wie schöne Musik tut dazu ihr Übriges.

Sieht man von den kleineren Designmacken also einmal ab, erhält man ein bisher wohl einzigartig gutes Adventure auf dem DS, das sowohl durch seine atmosphärische Inszenierung, wie auch durch seine zwar teils eindimensionalen, aber trotzdem äußerst glaubwürdige Charaktere und einige wirklich schön gemachte Rätsel glänzt. Einmal angefangen, würde man es am liebsten in einem Zug durchspielen. Da ich aber schon vorher wußte, dass die Spielzeit eher gering ist,habe ich mich dann doch lieber gezwungen, Another Code in etwas kleineren Dosen zu genießen, damit ich einfach länger was davon hatte. Wer es also immer noch nicht in seiner Sammlung hat (ist ja immerhin schon ein bißchen älter), der sollte unbedingt noch zugreifen!

Gallerie: Another Code – Doppelte Erinnerung

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