Der große Umstieg, Pt. 2

So Freunde, knapp zweieinhalb Wochen ist es nun her, dass mein Mac bei mir eingetrudelt ist. Zweieinhalb Wochen hatte ich nun Zeit, das Ding zwar nicht auf Herz und Nieren, dafür aber ziemlich gut auf seine Alltagstauglichkeit zu testen. Was soll ich sagen? Denn Alltagstest hat es definitiv schon jetzt bestanden. Ich benutze das chice Notebook nicht nur privat zum Surfen, Musik verwalten etc., sondern momentan auch relativ viel im Büro, zur Bildbearbeitung und sogar zur Präsentationserstellung mit Powerpoint. Microsofts Software-Puzzlestück aus dem Office-Programm ist in meinem Job, neben Outlook, tatsächlich das Programm, was am allerhäufigsten im Einsatz ist. Ein Tag ohne mehrere Stunden Arbeit mit Powerpoint ist einfach völlig undenkbar… außer es grätschen einem diverse Meetings in den üblichen Tagesablauf. Oder eben Veranstaltungen. Von daher ist es für mich besonders schön zu sehen, dass beispielsweise die Präsentationserstellung auf dem Mac – kann man ja schonmal am Wochenende gemütlich zuhause mit anfangen – wunderbar funktioniert und völlig problemlos anschließend am PC weiterbearbeitet werden kann. Zumindest mit Office 2004 auf Mac-Seite und Ofice 2003 Windows-seitig. Aber auch sonst klappt die Umgewöhnung auf das neue Betriebssystem und seine Eigenheiten erfrischend zügig und reibungslos.

Anfangs hatte ich vor allem die Befürchtung, dass die ungewohnte Positionierung der Fenster-Buttons (links statt rechts oben) und der Kontext-Menüs (immer fest in der oberen Taskleiste verankert) mich relativ schnell in den Wahnsinn treiben würde. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: mich hats bislang überhaupt nicht weiter gestört. Es ist wie es st und wird völlig widerstandslos von meinem Großhirn akzeptiert. Genau wie die Verwendung des @-Zeichens mittels Alt+L oder der Tastenkombination Cmd+C statt Strg+C zum Kopieren. Stichwort Cmd-Taste: wie zügig die Umstellung auf geänderte Tastenkürzel und die Bedienung vonstatten ging, merke ich im Büro die letzten Tage immer wieder daran, dass ich bei Nutzung von Copy & Paste immer wieder die Cmd-Taste auf meiner Dell-Tastatur suche. Weird.

Was das Programmangebot angeht, kann ich mich bislang ebenfalls überhaupt nicht beklagen. Wir hatten die Diskussion ja schon bei meinem ersten Mac-Artikel neulich, aber ich kann mich nur wiederholen: Alles, was ich an Programmen im Alltag brauche, finde ich ohne Weiteres als Freeware auch für den Mac. Und noch viel besser: abgesehen von meinem Messenger (Adium statt Trillian) nutze ich praktisch haargenau die gleiche Programmauswahl wie auf meinem PC. Wie die aussieht, steht im nächsten Absatz. Unterm Strich also mein erstes Zwischenfazit: Der Umstieg verläuft bislang absolut reibungslos, die Alltagstauglichkeit ist gegeben und sogar der Dateiaustausch unter Office funktioniert bislang einwandfrei. Da ich eigentlich kein einziges wirkliches Special Interest-Programm nutze, bin ich bislang auch noch nicht in die Bredouille gekommen, mich auf die langwierige und schwierige Suche nach obskuren Alternativen zu machen. Für meine Bedürfnisse scheint sich also abzuzeichnen, dass ein Mac im Haushalt auf Dauer völlig ausreichend ist und der PC bald nicht mehr zwingend erforderlich ist. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt. Einziger Haken am geplanten Umstieg: momentan erscheinen ein paar wirklich nette kleine Games für den PC, für die es sich wirklich lohnt, hin und wieder nochmal die Windows-Oberfläche anzuschmeißen. Z.B. um Experience 112 zu spielen. Oder Edna bricht aus, beide aus dem Hause Daedalic, von denen im Laufe des Jahres auch noch The Whispered World erscheint, das mir allein grafisch schon ausgesprochen gut gefällt. Zu Experience gibts in den nächsten Tagen mal einen kleinen Bericht, Edna werde ich mir in der nächsten Woche mal vornehmen. Wenn ich mal wieder etwas häufiger zum Spielen kommen sollte. Und Legend of Zelda: Phantom Hourglass nicht komplett meine Freizeit frisst.

Nun aber genug geschwätzt für heute. Hier nun noch mein kleiner Überblick über die derzeit von mir unter Mac OSX genutzten Programme und Tools, bzw. für interessierte Mac-Neulinge wie mich einige Alternativen als Empfehlung.

Fangen wir mit der Bildbearbeitung an: Hier kommt Photoshop CS3 zum Einsatz, für das ich glücklicherweise einen Volumenlizenz-Schlüssel abbekommen habe. Wer weniger Glück hat, dem sei das freie Gimp ans Herz gelegt. Eigentlich aus der Linux-Welt kommend, bietet Gimp sehr vieles, das Photoshop auch kann. Bloß zugegebenermaßen nicht mit dem hohen Komfort. Unter Windows ungewohnt, unter Mac schon nicht mehr ganz so tragisch: Gimp verfügt nicht über ein einziges großes Fenster, dass alle Werkzeuge und Paletten in sich vereint, sondern macht für jedes Tool ein eigenes Fenster auf und belegt so unter Windows schonmal gut 5 Plätze in der Taskleiste. Wer also gerade ein Bild bearbeitet und mal eben schnell zur Ebenenübersicht wechseln will, der ist gut damit beraten, sich per Alt+Tab dorthin zu manövrieren, weil die Fenster sich gerne mal überlappen oder verdecken. Ansonsten bietet Gimp aber mehr als das Laien-Fotografenherz begehrt und kann deshalb auch für den Umstieg auf den Mac empfohlen werden.

Webbrowser-technisch mag der Mac für viele Geschmäcker mit Safari zwar schon völlig ausreichend bestückt sein, mich persönlich quälen dabei immer noch die fehlenden Komfort-Funktionen, die sich etwa beim Firefox problemlos über Addons nach Belieben einbinden lassen. Gute Nachricht deshalb: Den Feuerfuchs gibt es auch für Apples Plattform. Sogar samt sämtlicher Addons und Plugins, die man im Laufe seiner Windows-Jahre so lieb gewonnen hat. Allen voran natürlich Mouse Gestures, Adblock Plus, dem Download Manager Tweak und Fasterfox. Das praktische daran: Ihr müßt nicht erst bangend warten und hoffen, ob sich jemand erbarmt, die beliebten Addons für den Mac erneut zu programmieren. Nein! Denn diese funktionieren völlig unabhänig vom Betriebssystem auf allen Plattformen!
Ach ja: Wer lieber Opera oder den IE benutzt, muss ebenfalls nicht darauf verzichten.

Die wohl zahlenmäßig überwiegende Mehrheit der Angehörigen der bloggenden Zunft unter Euch wird auf ein anständiges FTP-Programm nicht verzichten können. Lange Jahre hab ich auf das kostenlos verfügbare Filezilla gesetzt, das ebenfalls sowohl für Windows als auch OS X erhältlich ist und praktisch alles bietet, was das File-Herumschieber-Herz begehrt. Allerdings bin ich vor einer Weile auf das sehr coole Firefox-Addon FireFTP gestoßen, das sich praktischerweise direkt in den Firefox integriert und mir von der Handhabung sogar noch besser gefällt als das Stand-Alone-Tool Filezilla. Am Ende ist es Geschmackssache, aber wie Ihr sehr, müßt Ihr auch hier nicht auf bekannte Standards verzichten.

Im Bereich der Office-Anwendungen schonmal gar nicht. Microsofts kostenpflichtiges Office-Paket, Open Office, Neo Office (eine speziell für Mac programmierte Abwandlung von Open Office) oder Apples eigenes Paket iWork. Bei mir kommt, wie schon erwähnt, Office 2004 zum Einsatz, das zwar “nur”emuliert in der Rosetta-Umgebung läuft (wurde ja schließlich damals ausschließlich für IBMs PowerPC-Prozessoren entwickelt, bevor Apple mit Intel als neuem Partner um die Ecke kam, aber praktisch ohne spürbaren Geschwindigkeitsverlust.

Weiter zur Medien-Wiedergabe. Was dem Betriebssystem aus Redmond sein Media Player, ist dem OS aus Cupertino der Quicktime Player. Während aber der WMP zumindest für ein paar Formate abseits von WMV, WMA und MP3 gut ist, taugt Apples Abspielsoftware nicht für sonderlich viel mehr als die hauseigenen Formate. Zwar gibt es kleine Proggies, die dem Ding auch nachträglich noch diverse Codecs beibringen, umfassende Format-Abdeckung sieht aber anders aus. Da aber so oder so das eine wie das andere Programm eigentlich herzlich wenig taugt, sollte man sich auf beiden Plattformen nach besseren Alternativen umsehen. Fündig wird man sehr schnell beim VLC Media Player (ehemals VideoLAN), der praktisch fast jedes Format kennt und mit einer Unmenge an Codecs daherkommt. Glaube ich.

Musikalisch bietet sich natürlich iTunes an. Wer sich erst einmal an die Art und Weise, wie iTunes Dateien verwaltet, gewöhnt hat, braucht meiner Meinung nach eigentlich nichts anderes mehr. Als ich damals auf dem PC damit anfing herumzuspielen, war es mir noch nicht ganz geheuer, aber spätestens durch den Store (und allerspätestens durch die Anschaffung meines iPods) ist es mir sehr ans Herz gewachsen.
Wer seit Jahr und Tag mit Winamp verwachsen ist und vor allem gerne aus einem riesigen Angebot an Radiostreams auswählt, wird zunächst enttäuscht. Winamp ist nach wievor PC only.
Dafür gibt es das famose Songbird auch für Apples schicke Rechner. Damit schlägt man mehrere Fliegen auf eine Klappe: man erhält einen guten Audio-Player in ansprechendem Look, einen integrierten Web-Browser (der gesamte Songbird-Code basiert tatsächlich auf Firefox!!!), eine gute Datei-Verwaltung und ein wirklich umfassendes Angebot an Radiostreams. Was will man mehr. Offiziell befindet sich Songbird zwar immer noch in der Beta-Phase (seit weit weit über einem Jahr), aber es läuft bereits seit Version 0.2 ziemlich stabil. Zumindest auf dem PC. Auf dem Mac konnte ich es noch nicht ausführlich testen. Derzeit ist allerdings schon die Versionsnummer 0.5 aktuell und sollte dementsprechend keine großen Probleme bereiten.
Songbird ist in jedem Fall mehr als nur einen einzelnen Blick werd und immer noch ein echter Geheimtipp!

Bilder betrachten und sortieren kann man gut und gerne mit iPhoto, das Apple ebenfalls beim Kauf eines Rechners als Teil der iLife-Suite ausliefert. iPhoto liefert grundlegende Funktionen zur Bildkorrektur und rudimentäre Bildbearbeitung, die für den Laien im Alltag aber völlig ausreicht. Von der reinen Verwaltung der Bilder her arbeitet es anscheinend ähnlich wie Googles Anwendung Picasa, welche aber leider nicht für Mc erhältlich ist. Ganz im Gegensatz übrigens zu Google Earth, das ebenfalls in einer OS X-Version vorliegt.

Zum Schluss sei noch ein kleiner Blick auf den Messenger-Bereich gewagt. Egal für welche Plattform gilt hier für mich schonmal generell: Wer die Original-Programme von ICQ und Co, samt ihrer fiepsigen Sounds und den enorm nervigen Werbebannern etc. nutzt, ist selbst schuld. Für den PC gibt es das – bei der Einrichtung leider extrem fummelige und Nerven strapazierende (zumindest wenn man versucht Kontakte zu importieren)- Miranda und das mir deutlich liebere Trillian.
Während von letzterem mittlerweile zumindest eine Alpha-Version für Macs in die Testphase eingelaufen ist, vermisse ich die fehlende Miranda-Portierung überhaupt nicht.
Stattdessen sei allen Umsteigern das wirklich gute Adium X ans Herz gelegt, das eine breite Palette an Instant Messengern in sich vereint. Als da unter anderem wäre: Google Talk, MSN, ICQ, Jabber, AIM und einige mehr. Gefällt mir ausgenommen gut. Sogar noch einen ganzen Ticken besser als Trillian.

Soderle, das war erstmal wieder genug Lesestoff. Demnächst mach ich dann nochmal einen großen Schritt zurück und befasse mich mit der ersten Einrichtung meines MacBooks und einigen Details in der Benutzerführung, die mir vom ersten Einschalten an außerordentlich gut gefallen haben. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Und danach… ja danach lasse ich Euch vielleicht sogar erstmal wieder eine ganze Weile in Ruhe mit dem Technik-Schnickschnack und schreibe wieder mehr über Spiele. Hoffe ich…

5 Comment

  1. Sehr interessante Lektüre. Zufälligerweise habe ich mir am Montag ein neues Notebook kaufen müssen, da mein altes den Geist aufgegeben hat. Allerdings keines von Apple, sondern HP mit Vista drauf. Und bisher bin ich mit Vista überraschenderweise außeroderntlich zufrieden. View all comments by Ranor

  2. – Quicktime kann man mit “Perian” eigentlich alles beibringen was nicht .wmv ist (Flip4mac leistet da Abhilfe). VLC tut es zwar auch, aber es gibt am Mac so viele Dinge die Quicktime verwenden, da ist es recht praktisch wenn es die gängigen Codecs verarbeiten kann.

    – Powerpoint: Wenn Du viel mit Präsentationen arbeitest, solltest Du ernsthaft einen Blick auf Keynote werfen. Liegt zwar in der Funktionsmasse etwas hinter Powerpoint, dafür gelingen Präsentationen (persönliche Meinung) deutlich schneller und sehen, auch Dank der schönen Vorlagen, wesentlich schicker aus. Lässt sich manchmal ganz gut Eindruck mit schinden und Aufmerksamkeit gewinnen. Irgendwo bei Apple sollte es eine 30-Tage Testversion geben, reinschauen schadet sicher nicht. View all comments by Ben

  3. Gnarf, wenn man 5 Dinge gleichzeitig macht… hier noch schnell die Links nachgereicht:
    http://perian.org/
    http://www.flip4mac.com/wmv_download.htm
    http://www.apple.com/iwork/trial/ View all comments by Ben

  4. “Und Legend of Zelda: Phantom Hourglass nicht komplett meine Freizeit frisst.”

    Keine Sorge, das ist schneller vorbei als man denkt. Ich jedenfalls war doch ein wenig enttäuscht, was sicher auch damit zu tun hat das es ja über den grünen Klee gelobt wurde von den Fachmedien. Die Steuerung ist zwar mal was anderes und funktioniert im Prinzip auch gut, bei Bomben und Bogen zB deutlich besser. Das Kämpfen gestaltet sich aber umständlicher als im “guten alten” Zelda. Mein Hauptkritikpunkt ist aber das es einfach zu kurz ist und die Story irgendwie sehr oberflächlich. View all comments by Jan

  5. @Ben: Keynote mag schön und gut sein – und mich persönlich würde vor allem die viel schöneren Animationen und Effekte deutlich stärker reizen als die Kacke, die Powerpoint da bietet und die von mir konsequent mißachtet wird – aber für meinen Arbeitsalltag taugt es nur bedingt. Die Kompatibilität zwischen Keynote und den in Firmen gängigen Office-Versionen ist ja nur bedingt gegeben. Wenn ich eine Präsentation erstelle – und ich erstelle viele 😉 – muss ich sichergehen können, dass der Kunde sie auf seinem Firmen-PC mit Windows 2000 und maximal Office 2003 oder XP auch genauso dargestellt bekommt, wie ich mir das zurechtgetüftelt habe. Von daher stellt Keynote im Büroalltag momentan noch keine wirkliche Alternative dar. Usus ist es bei uns nämlich, dass viele PPTs nicht selbst live präsentiert werden, sondern direkt per Mail an den Kunden rausgehen.
    Anders sähe es bei Live-Präsentationen aus – da könnte man sicher sehr gut Eindruck schinden. Allerdings wollen auch hier die Kunden hinterher immer nochmal die Datei zum wiederholten Anschauen ausgehändigt bekommen…. View all comments by Christian

Comments are closed.