Ursel will doch nur Dein Bestes

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Eigentlich schon wieder eine alte Meldung, weil vom Freitag, aber ich bin einfach noch nicht eher dazu gekommen, das zu kommentieren. Jaja, die Zeit wird für mich ein immer knapper werdendes Gut, so wie es scheint. Trotzdem will ich Euch noch schnell was zu Lesen vorsetzen, damitIhr nicht in gelangweilte Lethargie verfallt, wenn Ihr Euch zu mir verirrt. Also, die Geschichte geht so: Im Februar hat unsere herzallerliebste Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, zusammen ihrem Amtskollegen aus NRW, Armin Laschet, einen Vorschlag für ein Sofort-Programm zur Verbesserung des Jugendschutzgesetzes in die Runde geworfen. Das wurde dann nun auch quasi sofort in Schriftform gepresst, um es sofort dem Bundestag vorgestellt zu werden, damit dieser sofort noch diesen Herbst darüber befinden kann. Geht doch schonmal ziemlich fix. Und wer ob der sich völlig überschlagenden Ereignisse jetzt schon nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, und wissen möchte, was die Ursel und der Armin praktisch vorgestern so alles zum Besten gegeben haben, dem sei mein zugehöriger Artikel bei GameParents.de ans Herz gelegt. Noch absolut taufrisch vom Februar. Was aber steht denn nun in diesem wunderbar flott ausgearbeiteten Gesetzentwurf drin?

Zunächst einmal sollen künftig nicht mehr nur deutlich den Krieg oder Gewalt im Allgemeinen verherrlichende Medien automatisch für Jugendliche tabu sein, sondern sollen künftig direkt noch all jene Medien erfasst werden, „die besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten, die das Geschehen beherrschen” (vgl. zum Beispiel Heise Online). Damit können künftig etwa Computerspiele vom Fleck weg indiziert werden, die Gewalt zwar nicht verherrlichen, aber in denen Gewalt als vordergründiges Stilmittel zum Einsatz kommt. Von der Leyen und Laschet führen hierzu den Begriff der ‘gewaltbeherrschten‘ Medien ein. Was allein schon ein so dermaßen schwammiger Begriff ist, dass im Grunde genommen schon beinahe zu befürchten steht, dass es demnächst auch unseren lieben Freund Spongebob kalt erwischen könnte (man beachte: Wortwitz galore!). In diesem Zusammenhang fordert die Familienministerin ebenso künftig deutlich mehr Eigeninitiative von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), die für die Indizierungen zuständig ist. Diese, so zitiert wiederum Heise Online, müsse Medien, in denen „Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden“, oder „Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird” selbstständig „auf ihre schwarze Liste nehmen“. Dabei bleibt fraglich, ob eine derart indizierungsfreudige BPjM dem deutschen Jugendschutz soviel dienlicher wäre als bisher. Ohne die Aufklärung der Eltern und deren Bereitschaft, sich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen, dürften auch die neuen Gesetzesvorgaben weitestgehend ohne Wirkung bleiben.

Sehr löblich hingegen ist von der Leyens Forderung an die Ordnungsämter, künftig verstärkt Testkäufe mit Jugendlichen durchzuführen, um schwarze Schafe unter den Händlern ausfindig zu machen. Ich denke mal, dass nicht nur wir von GameParents.de hoffen, dass das auch tatsächlich in ausreichender Häufigkeit geschieht, da dies nicht nur abschreckenden Charakter auf die Händler, sondern gleichzeitig einen größeren Aufklärungseffekt in der Öffentlichkeit bewirken könnte. Bislang scheinen die Ordnungsämter nach wie vor lieber jeden freilaufenden Hund an die Leine zu legen und sich mit läppischen 20 Euro Ordnungsgeld abzugeben (korrigiert mich, wenns mehr oder weniger ist), als sich an den großen Honigtopf zu wagen und auf einen Schlag 50.000 Euronen zu kassieren, wenn ein 14jähriger sich Call of Chainsaw – The Doom Blood Massacre kauft.

So oder so dürfen wir gespannt sein, ob der Dinge, die da noch auf uns zukommen. Werden wir unsere Lieblingsspiele demnächst nur noch von unter der Ladentheke beziehen? Und an der Media Markt-Kasse stundenlang hinter langen Schlangen drölfjähriger Testkäufer anstehen müssen? Man stelle sich das mal vor: Bioshock und Crysis als Bückware, während draußen vorm Schaufenster Horden von Teenies saufen und kiffen und drinnen der freundliche Rentner vom Ordnungsdienst das Geschäft seines Lebens wittert! Ein wunderbares Bild. Und damit entlasse ich Euch nun für heute auch schon wieder in den harten, kalten Alltag.

4 Comment

  1. Das Problem ist immer, dass diese Forderungen sich in äußerst schwammigen Formulierungen verstecken, die alles oder gar nichts bedeuten können. Wenn man sich mal ganz objektiv den Begriff “gewaltbeherrscht” anschaut, dann könnt ich heulen. Wie Du schon andeutest, da kann sich auch Spongebob hinter verbergen oder auch Tom & Jerry. So lange da nicht wenigstens klare Begriffe verwendet werden, kann man sich auch meiner Meinung nach nicht anständig mit solchen Aussagen auseinandersetzen. View all comments by Stephen

  2. Das ist auch ein generelles Problem des Jugendschutzes. Wo fängt für Kinder unzumutbare Gewalt an, in welcher Art von Darstellung sind Probleme zu sehen? Solange das nicht klar und nachvollziehbar definiert wird, geht jede Diskussion eigentlich ins Leere. Die Angst, die dabei zurückbleiben könnte, liegt aber in der zu befürchtenden Willkür, mit der bestimmte Inhalte abgehandelt werden könnten. View all comments by Christian

  3. Der Vorteil an solch schwammigen Formulierungen ist natürlich, dass man damit signalisiert, etwas zu tun. Schließlich lässt sich ein pauschales Vorgehen gegen gewaltbeherrschte Medien besser in der Öffentlichkeit verkaufen als eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema, wie von Dir angesprochen. Es hinterlässt immer wiedr einen faden Beigeschmack. View all comments by Stephen

  4. Die Politik macht es sich damit auch gerne mal leicht. Andererseits glaube ich, dass sie sich damit in der öffentlichen Wahrnehmung auch einiges verbaut. Da werden dann immer konsequentere Gesetze beschlossen, andererseits wird völlig unter den Teppich gekehrt, dass man in regem Austausch und Kontakt nicht nur mit der SPieleindurstrie, sondern auch mit vielen Jugendschutzeinrichtungen, Initiativen und Netzwerken steht, um zum Thema Medienkompetenz und richtigem Umgang mit neuen Medien zu diskutieren. Davon bekommt die Öffentlichkeit herzlich wenig mit – und das ist leider ein falsches Zeichen, weil gerade das die Themen sind, wofür sie eindeutig stärker sensibilisiert werden müßte. View all comments by Christian

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