Da brat’ mir doch einer ‘nen fetten Italiener! Was mir gestern Nacht in Mafia 2 passiert ist, geht ja wohl auf keine Kuhhaut! Mein lieber Herr Gesangsverein! Da freut man sich, mit Mafia 2 endlich mal wieder ein Spiel gefunden zu haben, das zwar fernab von Perfektion sein Dasein fristet, aber dennoch Spaß macht – soviel Spaß, dass es das erste Spiel seit langem ist, das man mal wieder am Stück durchspielen möchte – und dann kommt so mir nichts, Dir nichts ein Bug von der ganz fiesen Sorte daherspaziert und macht einem (beinahe) alles kaputt.

Da stehe ich also, zu weit fortgeschrittener Stunde und inmitten des weit fortgeschrittenen Kapitels 14 im weit fortgeschrittenen Spiel. Meine Aufgabe: meinen alten Kumpel und Saufkumpanen Joe aus den Klauen fieser Mafia-Schergen (OK, Mafia-Schergen sind wir alle, aber fies sind immer nur die anderen) zu befreien. Dazu müssen wir – oder besser: ich, denn Joe regt keinen Finger – uns vom Dach eines im Bau befindlichen Hochhauses bis hinunter in die in Arbeit befindliche Lobby begeben und uns dabei durch Heerscharen von einfältigen Mafiosi schießen. So weit, so gut.

Aber was man im Zuge des nun aufkommenden Baller-Wahnsinns an KI-Komplettfail vor die Füße gekotzt kriegt, ist wirklich an Unfassbarkeit nicht zu überbieten. Mein lieber Krockerschinski, was hab’ ich mich aufgeregt!

Da Freund Joe verletzt ist, fällt ihm die Rolle des hinterherhumpelnden Nichtsnutzes zu, der nichts weiter zu tun hat, als den von meinereiner freigeschossenen Weg zur Glückseeligkeit – sprich: Freiheit – zu beschreiten. Man sollte meinen, dass das keine sonderlich hohen Anforderungen an die emanzipierte Computerintelligenz von heute stellt. Doch weit gefehlt! Denn Joe hat sich im Laufe der vorangegangenen 13 Kapitel offenbar so sehr den Grips aus dem Polygon-Hirn gesoffen, dass er schon an der ersten Treppe scheitert und dort reglos verharrt. Nicht ohne uns noch einen süffisanten Kommentar der Marke “Geh’ schonmal vor, ich komme dann nach” (oder so ähnlich) mit auf den Weg zu geben.

Also stürmt man fröhlich sämtliche Etagen hinunter, rennt dabei kreuz und quer durch das nur halb fertiggestellte Gebäude, überwindet brennende Wegpassagen und killt gefühlte 100 Gegner. Zwischendurch wirft das Spiel sogar mit – für Mafia 2 – geradezu verschwenderischen 2 Savepoints um sich.

Endlich unten in der Lobby angekommen ergibt sich nun jedoch leider folgendes Problem: Nach dem finalen Shootout sollte man sämtliche Gegner getötet haben und die Lobby gemeinsam mit Joe durch die Drehtüren zur Rechten verlassen können. Bei mir allerdings glaubt der letzte gegnerische Schurke, er müsste sich ergeben (wodurch er nicht erschossen werden kann), von Joe ist weit und breit nichts zu sehen und der Trigger, der die Drehtür in die Freiheit aktivieren soll, wird vom Spiel nicht gesetzt. Fuck! Also einmal quer durchs Gebäude gelaufen, um zu sehen, wo der fette Italiener-Bastard im geschmacklosen Hemd wohl stecken mag. Na, wo wohl? Immer noch ganz oben, auf der allerersten Treppe zum Start-Stockwerk. Reglos wie ein Finanzbeamter zur besten Sendezeit.

Was tun? Klein Christian probiert das Naheliegendste und läuft einfach nochmal ganz hinunter in die Lobby (nicht ohne sich mehrmals zu verlaufen), in der Hoffnung, dass Joe schon von alleine nachkommt. Pustekuchen! Einige Minuten wilden Gefluches, sinnlosen Leerschießens der MG-Magazine und verzweifelnden Suchmaschinenbemühens samt der Erkenntnis, dass ich nicht der erste mit diesem Problem bin, später dann der Biss in den sauren Apfel und auf “Restart Mission” geklickt. Doch Glück im Unglück: statt des erwarteten Komplett-Neustarts der Mission wird man direkt am letzten Speicherpunkt unmittelbar vor der finalen Schießerei wieder ausgesetzt. Blöd dabei: Das Spiel hat sich Joes letzten Aufenthaltsort samt Tätigkeit (=Nichtstun) gemerkt und der Neustart endet mit dem gleichen Ergebnis wie zuvor: Alle Gegner tot bis auf einen, Joe weg, kein Weiterkommen möglich. Die nächsten 2 Neustarts enden gleich.

Dann, plötzlich und aus heiterem Himmel, die geniale wie zugleich ungeheuer bescheuerte Erleuchtung! Eine Idee macht sich breit, in ihrer Tollkühnheit kaum noch zu toppen: Was, wenn man Joe bloß bis zum nächsten Savepoint schieben müsste, in der Hoffnung, dass er dann vom Spiel eine neue Handlungsanweisung bekommt? Sowas wie “Beweg’ Deinen fetten Mafia-Arsch und schwing’ die Hufe zum Ausgang, Du blödes Arschloch!” anstelle des “Steh’ dumm herum und geh’ dem Christian möglichst effizient auf die Nüsse!”?

Gesagt, getan! Eine geschlagene halbe Stunde, etliche Flüche, bei denen sogar Tarantino vor Scham im Boden versänke und ein Glas Whisky ohne Eis später ist Joe endlich von mir die unzähligen Stockwerke nach unten befördert worden und wir nähern uns dem entscheidenden Savepunkt. Der Punkt, der darüber entscheidet, ob ich Mafia 2 werde beenden können, oder nicht. Denn die komplette Mission lässt sich ja leider nicht neu starten.

Und tatsächlich! Leck’ mich fett! Wer hätte das gedacht? Wer hätte ernsthaft geglaubt, dass so eine bescheuerte Idee wirklich funktionieren könnte?!?! Aber die Wahrheit ist: Es funktioniert wirklich!!!!1einself!!! Kaum schiebe ich Joe in einem letzten verzweifelten Kraftakt über die unsichtbare, magische Schwelle, setzt er sich von alleine in Bewegung und stürmt plötzlich so behende durch das restliche Gebäude, dass diesmal ich derjenige bin, der nicht mehr hinterherkommt. Unten in der Lobby angekommen steht immer noch der letzte Mafioso mit erhobenen Händen in der Gegend herum – bloß mit einem entscheidenden Unterschied: Jetzt, da Joe endlich wieder an meiner Seite ist, darf ich den verkommenen Bastard endlich erschießen! Also, nicht Joe, sondern den anderen da. Ihr wisst schon. Und siehe da: der so flehentlich herbeigefluchte Trigger, der es mir endlich erlaubt, das Gebäude zu verlassen und die Mission fortzusetzen, wird endlich (endlich!) gesetzt. Ja scheiß’ die Wand an!

Erinnert mich bitte unbedingt daran, Mafia 2 den Zugang zu meinen Jahres-Charts im nächsten Jahres-Flashback zu verwehren. Wenn es sein muss mit Gewalt! So unterhaltsam der langerwartete Nachfolger des 2002er Klassikers auch sein mag: solche grob fahrlässigen Bugs in einem Konsolen-Titel gehen überhaupt nicht. Vor allem nicht, wenn bereits nicht nur ein erster Patch, sondern sogar schon ein erstes Mission-Pack (“Jimmy’s Vendetta, 800 MS-Points) erschienen ist.