Früher™, da konnten mich weder brütende Sonne, noch stehende Luft davon abhalten, mich – anstatt auf die grüne Wiese am nächstgelegenen See – auf die heimische Couch zu fläzen und an Stelle von Frauen, in engen Shirts, kurzen Röcken oder knappen Bikinis ,lieber das Geflimmere und Geflackere auf dem Bildschirm zu beobachten. Früher™, da mag zwar einiges besser gewesen sein, mein Nerdtum jedoch hat mich im Sommer leider regelmäßig und viel zu häufig von den Genüssen der realen Welt abgehalten. Sommer war für mich lange Zeit etwas, das schön aussah, wenn man aus dem Fenster geschaut hat, ansonsten aber eher lästige Randerscheinung des globalen Phänomens Wetter war.

Das ist heute anders. Heute, da genieße ich es, selbst in der brütendsten Hitze den Schritt vor die Tür zu wagen und damit dem alltäglichen Wahnsinn des Glaskäfigs namens Büro zu entrinnen, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und Energie zu tanken. Erstaunlich, was so ein paar Sonnenstrahlen doch Gutes für das eigene Gemüt bewirken können.

Entsprechend erscheint es heute dann nur umso erstaunlicher, wenn es tatsächlich doch mal ein Game schafft, mich aus dem rechtschaffenen Modus der Sonnenergötzung herauszureißen und es mich in gerade aufopferungsvoller Weise dazu treibt, meinen pünktlich zum Sommer in Form gebrachten Luxusbody auf das Sofa zu hiefen, um dort in geradezu unverschämt träger Nichtsnutzigkeit dem Gott der Nerdigkeit zu huldigen. Dann ist es doch umso schöner, wenn ein solches Spiel die geneigte Couch-Kartoffel, statt in das triste Grau immer gleicher Kriegsszenerien, in eine farbenfroh-spritzige Piratenwelt an herrlichen Südseestränden verschlägt, um ihr dort den Slapstick in unterhaltsamster Weise links und rechts in die Synapsen zu rammen.

Langer Vorrede kurzer Sinn: Monkey Island 2 ist wieder da! Und es sieht besser aus als je zuvor!

Ganz gleich, was all die Kritiker da draußen sagen: die optische Frischzellenkur der – für das HD-Remake komplett neu gezeichneten – Hintergründe und Figuren transportiert den Charme und das Flair des Originals in absolut wunderbarer Weise in das Hier und Heute der Special Edition. Besonders unglaublich ist dabei aber der Umstand, wie oft einen beim Spielen der Neuauflage an allen Ecken und Enden der Eindruck beschleicht, die Kulissen bereits beim allerersten Aufeinandertreffen mit LeChuck vor beinahe 20 Jahren genau so verlassen zu haben, wie sich hier nun vor einem in feinster HD-Kunst präsentieren.

Da kommt mehr als nur ein Hauch Nostalgie auf und die Gefühle geraten in Wallung. Auch ohne Miniröcke und knappe Bikinis.

Der behutsam aufpolierte Soundtrack tut sein Übriges, um die alten Zeiten wieder so richtig aufleben zu lassen und uns einen Ohrwurm nach dem anderen in den Gehörgang zu fräsen.

Die Rätsel sind ebenfalls so obskur bis skuril wie eh und je – und damit zwar auch heute noch nicht immer logisch, aber dafür umso unterhaltsamer. Allerdings fallen mir die langen Lauf-/Schifffahrtswege von einem Item zum nächsten heute deutlich negativer ins Auge als noch vor 20 Jahren. Und das, obwohl ich damals™ noch alle 3 Sekunden mehrere der 8 Amiga-Disketten hintereinander wechseln musste, sobald ich auch nur einen falschen Schritt gemacht habe. Bei richtigen Schritten ging die Wechselrate immerhin auf 3,81 Sekunden hoch. Man wird halt irgendwie doch ungeduldiger, mit dem Alter…

Bevor ich abschließend die tolle Sprachausgabe und die nach wie vor überaus angenehme Möglichkeit, nahtlos auf Knopfdruck zwischen alter und neuer Version hin und herspringen zu können, lobe, möchte ich mich an dieser Stelle bei Locasarts für die gelungene Steuerung auf der Xbox 360 bedanken. Die geht nämlich so wunderbar leicht von der Hand, dass man die Mousesteuerung des Originals wirklich zu keinem Zeitpunkt vermisst. Der linke Trigger öffnet das Inventar, der rechte die Interaktionsmöglichkeiten, ausgewählt wird mit dem Analogstick und fertig ist die perfekte Konsolensteuerung. Für iPhone und iPad existiert im Übrigen ebenfalls eine angepasste App, die dem Vernehmen nach jedoch bei weitem nicht so schön zu steuern sein soll und an manchen Stellen eher hakelig daherkommt. Das vermag ich allerdings selbst nicht zu beurteilen, da ich mir die tolle Optik dann doch lieber am großen Bildschirm gönnen wollte.

Außerdem bekommt man als kleines Leckerli in der XBLA-Fassung auch direkt noch ein äußerst unterhaltsames Audio-Kommentar-Special von Ron Gilbert, Tim Schafer und Co dazu geliefert.

Abschließend möchte ich nun einfach nur nochmal die tolle Sprachausgabe und die nach wie vor überaus angenehme Möglichkeit, nahtlos per Knopdr…. ach, Ihr wisst schon. Kaufen und so.