loveforgames

Ich weiß nicht genau, wieso ich gerade jetzt darauf komme, wo die aktuelle Ausgabe der GEE bereits seit Wochen nahezu unangetastet in unserer Küche herumfliegt, aber vermutlich ist genau das der Punkt: bereits seit mehreren Ausgaben verspüre ich immer und immer seltener den Wunsch, mich noch wirklich ausführlich von der ersten bis zur letzten Seite mit meinem einstigen Lieblingsmagazin auseinanderzusetzen. Gerade mal etwas über ein halbes Jahr ist es her, dass ich dem Heft und seinen Machern zum 5jährigen Bestehen gratuliert habe und seinerzeit beinahe in höchsten Tönen von ihrer Einzigartigkeit geschwärmt habe. Doch bereits damals habe ich angemerkt, dass sich vor allem die Spiele-Tests im Laufe der Zeit leider viel zu sehr in Richtung einer eher unglücklichen Struktur entwickelt haben. Aus den seinerzeit wunderbaren Reiseberichten durch fremde Welten, welche die Artikel zu spielen gerne mal darstellten, hat sich eher eine Art Spiele-TÜV ohne Wertungskasten entwickelt, bei dem Games kurz und knapp in eine rigorose Artikelstruktur (Worum geht’s? Was uns gefällt. Wie sieht’s aus? Was uns nicht gefällt.) gefercht werden. Das hat mit dem ursprünglichen Anspruch, alles anders zu machen und Spiele als Kulturgut anders anzugehen als der Wettbewerb, leider rein gar nichts mehr zu tun. 

Zwar hat man sich im Laufe der Jahre dem offiziellen Claim “Love for Games” zugewandt, von dieser Liebe zu Spielen ist derweil jedoch leider nur noch herzlich wenig zu spüren. Ja, die Features sind immer noch gut, der aktuelle Rundumschlag zum Thema “Killerspiele” ist überaus gelungen und gehört als Pflichtlektüre an sämtliche Politiker des Landes und alle Dummbrote der Nation verteilt, doch alles in allem scheint es mir, als fühle man sich mittlerweile vielmehr verpflichtet, durch starre Testberichte die Absprungszahlen anderer Konkurrenz-Magazine aufzufangen, als sich selbst weiterzuentwickeln und wieder zu alten Stärken zurück zu finden.

Vielleicht hat sich die kleine Redaktion durch eher maue Konzepte wie Geemag.TV und das zwar mit viel Potential ausgestattete, aber mehr als nur halbherzig umgesetzte GEE Display auch zu sehr verrannt und sieht mittlerweile den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. “Love for Games” jedenfalls – das war einmal und traf in den ersten Jahren viel besser zu als heute. Damals hatte man sich noch, getreu des Magazin-Titels, die Versorgung der Leserschaft mit “Games, Entertainment, Education” auf die Fahnen geschrieben. Ein Claim, der heute im Grunde viel besser passt als damals. Denn so starr er daherkommt, so starr wirkt auch das Heft in seiner gesamten Struktur. Dabei ist es zwar äußerst löblich, dass der Wissenschafts-Teil im Laufe der Jahre gewachsen ist und man mehr und mehr Einblicke in Medienwirkungsforschung etc. bekommen hat – doch eigentlich wollten wir immer ganz andere Dinge lesen.

Heute werde ich jedenfalls das Gefühl nicht los, dass man lieber stur sein Programm fährt und es sich heimelig in den festgefahrenen  Bahnen und Routinen macht, statt wieder mit viel Frische und neuen Sichtweisen an Spiele und Leser heranzutreten. Schade auch, dass der Podcast bereits vor langer Zeit komplett eingeschlafen ist. Benjamin Maack war am Mikrofon zwar auch gerne mal eine ziemliche Nervensäge, das Konzept ‘inkompetenter Laber-Hannes trifft auf Typen mit Ahnung und lässt sich ein Spiel erklären’ hatte zumindest hohen Unterhaltungswert. Erschreckend, dass man das mit einem einfachen Schulterzucken aufgegeben hat – zumal gute Gaming-Podcasts in Deutschland rar gesät sind (was, gelinde gesagt, die Untertreibung der Woche ist). Bitte, liebe GEE-Redakteure: gebt Euch mal ‘nen Ruck und produziert mal wieder was mit mehr Love for Games.

Picture: CD cover colored, by Franckie. Publisher under Creative Commons License (by-nc-sa).