nomoregears

Die Jüngeren unter Euch erinnern sich vielleicht noch an die gute alte Zeit. Damals, als Videotheken noch echte Videokassetten führten und sich wie die guten Tante-Emma-Läden an jeder 5ten Straßenecke tummelten, um Leihvideos zu Apothekenpreisen unters Volk zu bringen. Was habe ich diese Zeit gehasst. Wie viele Stunden habe ich wohl kumuliert als Kind vor den Pforten dieser Cineasten-Paradiese verbracht, weil ich nicht mit reinkommen durfte, wenn meine Eltern mal wieder nach Material für einen lauschigen Familien-Filmabend gestöbert haben? Unzählige, vermutlich. Und warum war das so? Nuuun, damals hing praktisch an jeder Videothekentür ein Schild, das sinngemäß besagte: Du kommst hier nicht rein. Weil wir hier ganz böses Zeug führen, für das Du ganz eindeutig noch zu jung bist! Das ist heutzutage ein bißchen aus der Mode gekommen. Die Schildern hängen höchstens noch am Eingang zur Porno-Abteilung und die Jugendlichen lungern schon längst nicht mehr davor herum, schließlich gibt es ja das Internet. So oder so: früher war die Welt also irgendwie noch in Ordnung. Und heute? Verlottert die Jugend und verkommt zu einer gut geölten Killermaschinerie, weil sie in der örtlichen Galeria Kaufhof freien Blick auf das Regal mit den 18er-Titeln in der Medienabteilung hat.

Deshalb hat sich der Kaufhof-Konzern nun also gedacht, dass das so nicht weitergehen könne – und weil man es ja nicht in Kauf nehmen kann, wenn plötzlich hunderte von Kids tagtäglich vor den Ladenlokalen lungern, weil drinnen die großen Leute die Möglichkeit haben, nach einem Spiel ohne Jugendfreigabe für sich zu suchen, hat man also einfach mal alle Games mit einer Jugendfreigabe ab 18 Jahren medienwirksam aus den Regalen verbannt. Nur die Spiele, wohlgemerkt. Nicht die Filme, wegen derer wir früher noch vor den Videotheken warten mussten. The times they are a changin’, eben. Aber hey, was solls? Spätestens im nächsten Fiskal-Quartal wird man plötzlich und völlig unerwartet feststellen, dass die Umsätze im Entertainment-Bereich aus völlig unerfindlichen Grüden auf einmal in den Keller gesackt sind und vermutlich die Killerausbildungssimulationen heimlich, still und leise wieder in die Regale befördern. Wenn nicht, fress’ ich ‘nen Besen.