Grundgütiger, man könnte ja fast meinen ich wollte das Erbe von Antigames antreten. Nicht dass ich das jemals könnte. Aber ich hab ja nur noch rumzukacken. Bin nur noch anti. Kaum noch ein Spiel weiß mir wirklich zu gefallen, nichts überzeugt mich mehr so richtig. Was bin ich froh, dass mir wenigstens Edna über den Weg gelaufen ist. Was hätte ich bloß ohne sie gemacht? Also gut: Das ist also alles, was am Ende der Produktionszeit bei Crytek vom Schreibtisch gefallen ist? Mehr kam da nicht bei rum? Wie konnte denn das passieren? Das frag ich nun nichtmal, weil ich das Erstlingswerk des bayrisch-hessischen Multikultiklüngels für so überragend gehalten habe. Eigentlich überhaupt nicht. Far Cry sah zwar absolut berauschend aus, war aber zu schwer, zu lang, zu offen und zu doof erzählt. Und zu lang. Und vor allem: zu schwer. Und viel zu schwer. Was nichtmal unbedingt an der wirklich guten KI gelegen hat, sondern eher an der faszinierenden Treffsicherheit der Gegner. Doch wir wollen nicht von Far Cry sprechen, sondern von Crysis. Das sich aber trotzdem so manchen Vergleich mit dem Vorgänger gefallen lassen muss.

Wo wir schon beim Thema KI sind, fangen wir doch auch gleich damit an. Jetzt mal ehrlich: Diese so genannte künstliche “Intelligenz”, die uns da im Spiel begegnet, wurde doch nie im Leben vom gleichen Team programmiert wie die im Vorgänger, oder? Fühlt sich mehr so an, als hätte man einen überflüssigen Grafiker drangesetzt… mit ner Schachtel Keksen und ein paar ranzigen Marshmallows. Hier, mach mal fertig. Wenn der Süßkram leer ist, kommen wir das Ergebnis abholen. Errrm, ja. Dass die versammelte Gegnerschaft überhaupt trifft, liegt doch nur daran, dass sie so unglaublich unverschämt cheatet. Dass sie nicht in Nullkommanichts auf einen Schlag vernichtet wird, kann doch nur darauf zurückzuführen sein, dass sie so unverschämt viel einsteckt, dass man meinen möchte, der eigene Raketenwerfer würde Butterblumen und Gänsedaunen verschießen. Echt jetzt.

Am allerliebsten schaue ich dem Pack aber dabei zu, wie es mit Freuden immer wieder mit dem eigenen Kopf gegen Wände rennt oder einen Helicopter gemütlich schwebend in einem Schiffswerften-Kran parkt, wo das Ding lustig nervend 30 Minuten in der Ferne vor sich hindröhnt, während man es zum Teufel wünscht, aber leider nicht abschießen kann, weil gefühlte 3 Milliausend Gegner, ein Schlachtkreuzer und 3 unsinnige Missionsziele zwischen einem selbst und dem asozialen Fluggerät stehen und man sich selbst bald auf eine friedliche grüne Wiese wünscht, wo man in Ruhe am Daumen nuckeln kann. Gnnggghghghghh.

Hallo? Hat da jemand gesagt, die Story wäre besser und tiefer als die aus Far Cry? Hmm, mal sehen: verrückter Wissenschaftler züchtet auf einer tropischen Insel bekloppte Drecksviecher um die Welt zu erobern vs. verrückte Alienrasse vereist eine tropische Insel und macht sich daran die Welt zu erobern… Hab ich jetzt bloß die Pointe nicht verstanden? Gabs die Klischeebausteine damals im Dutzend billiger?

Nunja. Geschmackssache. Genauso wie der Levelaufbau. Die einen meckern, dass der in der ersten Hälfte nicht mehr ganz so offen ist wie bei Far Cry, die anderen, dass er in der zweiten Hälfte nunmehr völlig linear verläuft. Fände ich gar nicht so schlecht, wenn der Weg bis zum Schluss wenigstens konsequenterweise mit mächtig viel Story und vielen guten Scriptereignissen durchsetzt wäre. Leider herrscht hier völlige Fehlanzeige. Kein Vergleich zu Call of Duty 4. Außer in Sachen harte-Kerle-machen-mächtig-einen-auf-dicke-Hose. In dem Punkt tun sich beide Titel nicht viel. Von daher wäre mir der offenere Levelaufbau der ersten Hälfte über das gesamte Spiel deutlich lieber gewesen als diese merkwürdige Zweiteilung, die weder die Story anständig vorantreibt, noch zu mehr Atmosphäre beiträgt. Das fühlt sich alles so belanglos, so nebensächlich an. Oh, ich geh mal in diesen Berg, oh, komische außerirdische Viecher, die mich attackieren, oh, ein riesengroßen Alien-Mutterschiff in dem die Schwerkraft aufgehoben wird. Freund Nomad nimmt das alles so völlig unberührt hin, dass ich den Eindruck nicht los werde, der schöne Nanosuit diente vor allem der Möglichkeit, seinen Träger mit ordentlich Pferde-Tranquilizern vollzupumpen. Mindestens. Ansonsten ist das Ding ja auch für nicht viel anderes gut. Schon gar nicht für spielerische oder strategische Abwechslung. Was soll man auch erwarten von einer technischen Errungenschaft, für deren Reparatur man offenbar nicht sonderlich viel mehr braucht als einen ordentlichen Zimmermanns-Hammer. Man erinnere sich bloß mal an die Szene mit dem Sessel auf dem Flugzeugträger. Muahaha. Selten so gelacht.

Also knüppeln wir fröhlich zuerst Koreaner quer über eine Tropeninsel, spazieren mit einem kecken Pfeifen auf den Lippen einmal durch ein außerirdisches Raumschiff und prügeln anschließend ein paar komischen fliegenden Oktopussen die Scheiße aus dem Chitinpanzer bis die Schwarte kracht. Yippie-ay-yay, Ihr Nassbirnen!

Warum aber hab ich Crysis nun trotzdem von vorne bis hinten komplett durchgespielt? Nun, keine Ahnung. Sagt Ihr’s mir. Ich vermute mal, dass mir einfach mal wieder der Sinn nach anständigem Popcornkino stand, bei dem ich selbst ordentlich eingreifen kann. Und dafür eignet sich Crysis wie nur wenige Spiele im letzten Jahr. Man bekommt mit jedem Spielstart sofort einen ordentlichen Schlag Instant-Action direkt aufs Maul. Gut, um zwischendurch mal eine vergnügte Stunde Freizeit zu überstehen und mal wieder ein bißchen abzuschalten. Für nicht mehr, aber auch nicht für weniger.