Xbox

Stirbt er nun oder nicht? Hat der PC nun bald als Spieleplattform ausgedient oder müssen wir uns noch länger mit dem ganzen Harwarescheiß rumschlagen? Offenbar liegt das Schicksal der Plattform nun voll und ganz in der Hand von uns Deutschen. Gut, ein wenig überspitzt gesagt. Wie soll das gehen, könnte man sich da fragen. Immerhin hat der nette Onkel von Blizzard doch gesagt, der PC wäre so erfolgreich wie nie zuvor. Und weil Blizzard doch so tolle Klonkacke Wunderspiele macht und alle Welt sie liebt, kann das doch gar nicht falsch sein. Aber aber aber dann kommt plötzlich ausgerechnet jemand von Microsoft und sagt so etwas in der Art wie “Wenn wir dadurch mehr 360er verkaufen können – scheiß auf den PC!”. OK, das ging so natürlich nicht an die Presse. Stattdessen sagte Microsofts Business Development Manager für Europa, Peter Zetterberg in einem Interview mit gamesindustry.biz, man wolle in Deutschland mehr Xbox 360 verkaufen, bloß ginge das leider nicht, wenn man die Spiele parallel für den PC anböte, weil wir Deutschen dann wie die Lemminge zum PC-Regal rennen würden und Microsoft dann doch seine wunderschönen weißen Wohnzimmerturbinen mit dem süßen roten Leuchtring nicht ordentlich verkaufen könnte buuuhuuuuhuuuuuuuuuuuuuuh…

“On a global scale the Windows Vista business is as important as our Xbox 360 business. But in Germany for example, we want more gamers to buy our Xbox 360. If we launch a game that is on 360 and PC simultaneously, we basically shoot ourselves in the foot by allowing the German market to choose to play the PC version – because they are more likely to buy that than spend their money on the Xbox 360.”

Übersetzt bedeutet das ungefähr soviel: Der PC als Plattform ist enorm wichtig für Microsoft und spielt auf internationalem Niveau nach wie vor die absolute Hauptrolle. Hierzulande kann man es sich aber nicht leisten, den PC als Spieleplattform zu unterstützen, wenn man sich nicht selbst an den Karren fahren will. Während man nämlich im internationalen Vergleich vermutlich deutlich mehr Geld scheffeln kann, indem man den Kunden nicht nur ein teures Windows-Betriebssystem unterjubelt, sondern noch eine komplette zusätzliche Hardwarebasis, die im Spielebereich von den Kunden bevorzugt wird, wodurch dann wiederum noch mehr Geld durch jedes verkaufte Spiel in die Microsoft-Kassen gespült wird, denkt sich der Deutsche: “Nö, da mach ich nicht mit. Ich stecke lieber tausend Euro in die Rachen verschiedener Hardware-Hersteller und wiederhole die Prozedur jedes halbe Jahr, um auch immer ordentlich zocken zu holen, spare mir aber lieber die 299 Ocken für die 360, weil mir die Spiele zu teuer sind.” Klar, nun hat er ja so eine tausend Euro Möhre unterm Schreibtisch, warum also nicht im Media Markt lieber zum PC-Regal wetzen? Wenn er sich überhaupt noch dahin verirrt. Schließlich wollen die vielen illegalen Downloads ja auch irgendwann noch gespielt werden.

Das alles bringt Microsoft aber nun in eine Zwickmühle: auf der einen Seite können sie gar nicht genug Exemplare ihres verkorksten Vista-Fensters verkaufen, auf der anderen seite graben sie sich so selbst einen Teil ihres erweiterten Kerngeschäftes ab. Diese verdammten Deutschen. Echt mal.

Ich frag mich nun gerade: Verdient der Redmonder Knuddelriese an einer subventionierten 360 samt Spielen tatsächlich soviel mehr als an einer Betriebssystemlizenz für 579 129 Euro, die vor allem Hardcore-Gamer gerne für die höchste Ausbaustufe von Fenster Vista auszugeben bereit sind? Oder geht es einfach nur darum, Sony als lästigen Konkurenten endgültig zu übertrumpfen und es sich als lachender Zweiter hinter Nintendo auf dem Treppchen gemütlich zu machen?