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Ich kann mich gerade nicht so ganz entscheinden, ob ich mich aufregen oder lieber freuen soll. Von The Witcher wird es demnächst eine Enhanced Edition geben, die selbst die bisherige Special Edition beinahe in den Schatten stellt. Was dumm ist, weil ich mir die Special Edition bekanntlich schon geholt habe. Viel schlimmer allerdings ist, dass diese Version sogar höchstwahrscheinlich schon nahezu absolut fehlerfrei ausgeliefert werden soll. Beziehungsweise: eigentlich ist das ja sogar höchst erfreulich. Mensch! Ein fehlerfreies Spiel. Wann gab’s das zum letzten Mal auf dem PC? Dumm nur, wenn man weiß, dass es dazu einen zweiten Anlauf und über ein halbes Jahr zusätzlicher Entwicklungszeit nach dem offiziellen Release des Spiels gebraucht hat. Da The Witcher nun aber glücklicherweise per se schon ein sehr gutes Rollenspiel ist und mit den zwei bereits vorhandenen großen Patches absolut ausgezeichnet läuft, neige ich dann allerdings doch dazu, mich milde stimmen zu lassen. Zumal ich das Epos um Hexer Geralt bislang sowieso schon immer sehr in Schutz genommen habe.

Wer sich The Witcher also bereits zugelegt hat, dürfte mittlerweile kaum Grund haben, sich zu beklagen. Und Käufer der Enhanced Edition werden sogar noch weniger Anlass zu murren finden. Die wenigen Kritikpunkte, die nach der letzten großen Patch-Orgie noch im Raum standen, werden mit der Neuauflage des Titels endgültig in die ewigen Jagdgründe geschickt. Denn nicht nur um Karton selbst wird mit einer Making-Of-DVD, dem Soundtrack auf CD, einer 80seitigen Anleitung, sowie einer DVD mit irgendeinem Mod-Monitor schon mehr beigelegt, als der durchschnittliche EA-DVD-Case-Kunde gewohnt ist. Dreisterweise liefert CD Projekt sogar noch eine 50seitige Kurzgeschichte und den offiziellen 112seitigen Games-Guide mit, die sogar Käufern der Special Edition bislang vorenthalten wurden. Lediglich das Artbook scheint man dann doch nicht nochmal auflegen zu wollen. Aber Dreingaben schön und gut… das wahre Highlight der Frischzellenkur stellt aber der enorm aufgebohrte Game-Content dar. Größter Kritikpunkt abseits der unschönen Bugs der Release-Version waren ja bislang die immer und überall gleichen 3 NPC-Modelle, die dem Spiel auf Dauer doch ein wenig an Atmosphäre geraubt haben. Abhilfe kommt deshalb demnächst in Form von sage und schreibe 50 neuen Charaktermodellen, die in die Welt integriert werden. Obendrauf wrd das Inventar-System überarbeitet (mir gefällt das alte trotzdem nach wie vor sehr gut), und insgesamt wurde noch ordentlich an Lippensynchronizität und den Dialogen selbst gefeilt.

So, aber warum sollte ich mich deswegen nun freuen? Ganz einfach: der ganze Extra-Krempel wird auch kostenlos als Patch-Variante für bereits erworbene Spiele zur Verfügung stehen. Und das finde ich geil. Sowas gab es wohl höchst selten, dass ein Entwicklerteam sich auch nach Veröffentlichung noch so rührend um den Feinschliff eines Titels gekümmtert hat.

Wenn man zur Boshaftigkeit neigt, könnte man allerdings auch genau so gut sagen: Hier wird einfach nur nachgereicht, was vor einem halben Jahr schon hätte fertiggestellt sein müssen, aus Profitgier dann aber aus dem Projektplan gestrichen wurde. Warum bis zum Release auch soviel Arbeit auf sich nehmen, wenn sich etwas auch unfertig ohne weiteres verkauft? Zumal andere Titel zuvor bereits allen Unmut auf sich gezogen haben? Aber ich will mal nicht so sein. Stattdessen bin ich gerade beinahe schon froh, dass ich es immer noch nicht sonderlich weit in Geralts Welt gebracht habe. So kann ich den Großteil des Abenteuers wenigstens noch in genau der Art genießen, wie es – hoffentlich – von Anfang an gedacht war.