22. Januar 2010. Bißchen spät für einen Jahresrückblick auf 2009. Auch wenn das mancherorts anders gesehen wird: ich lasse es doch lieber bleiben. Immerhin habe ich das Thema vor einigen Tagen auch schon drüben bei Polyneux abgefrühstückt und dabei wenig innovatives in die Tasten gehauen – und gegen den grandios-genialen Output von Puschel kann in der kommenden Dekade sowieso kein Jahresrückblick mehr anstinken (außer Madame schafft es noch, seine eigenen Leistungen zu übertreffen).

Was sich aber durchaus einrichten lässt, in ein kurzer Ausblick in das noch folgende Spielejahr 2010 auf Basis eines Blicks in den 2009er Kaffeesatz. Und da Kristallkugeln kürzlich im Dutzend billiger zu bekommen waren, haben nicht nur Holger und grobi eine abgestaubt, sondern ich ebenfalls. Hrr hrr.

Wenn auch 2009 für mich im Privaten kein gutes Jahr war und ich geneigt bin, es auch aus spielerischer Sicht als eher schwach abzustempeln (weil mancher Überhit wie Uncharted 2 oder Killzone 2 mangels PS3 schlicht an mir vorbeigegangen ist), so gab es doch zumindest so manche Ankündigung, die in diesem Jahr sicherlich noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen dürfte. Schaut man sich zudem noch die Liste der auf 2010 verschobenen Release-Termine an, steht praktisch schon in Stein gemeißelt, dass dieses Jahr gar nicht genug Urlaub genommen werden kann, um das alles abzuarbeiten begeistert zu spielen.

Glücklicherweise scheint man sich publisherseitig mittlerweile weitestgehend einig darüber zu sein, dass es keinen Sinn macht, alle Blockbuster geballt im Vorweihnachtsgeschäft unters Volk zu blasen, sondern eine übers Jahr gestaffelte Veröffentlichung deutlich angenehmer für alle sein kann. Entsprechend überrascht es fast schon wieder, dass der Jahresauftakt sogar ziemlich ruhig verlaufen ist. Bayonetta hat ja einen ziemlichen Kavaliersstart in der Woche zwischen den Feiertagen hingelegt, so dass Darksiders im Januar weitestgehend allein auf weiter Flur steht, ganz in Ruhe genossen werden kann und somit die Aufmerksamkeit und Ehre erhält, die diesem famosen Stück Unterhaltungssoftware gebührt.

Ein kleiner Auszug aus meinen defintiven must haves 2010 sieht dann ungefähr so aus: Dante’s Inferno (5. Februar), Battlefield: Bad Company 2 (5. März, wobei ich dringend noch den Vorgänger spielen muss), Final Fantasy XIII (9. März) (ich habe doch gar keine Zeit für soviel epische Erzählkunst), Yakuza 4 (wäre einen Blick wert, wenn ich denn mal eine PS3 besäße), Red Dead Redemption (30. April) (die Quälerei der Rockstar-Mitarbeiter muss doch belohnt werden), Alpha Protocol (irgendwann im Frühjahr), Splinter Cell: Conviction (Quartal 2), Mafia 2 (Quartal 3) (verdammt, bin ich heiß auf das Ding), Halo Reach, Max Payne 3 (beide ebenfalls grob für Q3 angekündigt), Alan Wake (when it’s done), Crackdown 2 und natürlich Last Guardian. Verdammt, bis dahin brauche ich wirklich dringend eine PS3. Hallo Sony, bitte melden!

Darüber hinaus bin ich mir ziemlich sicher, dass auch dieses Jahr wieder so mancher kleinere Überraschungshit auf uns warten wird, der sich zum wahren Zeitfresser auswachsen wird. Analog zu Plants vs. Zombies, Splosion Man oder den – dem Höhrensagen nach – wirklich gelungenen Trine und Torchlight. Bei letzterem hoffe ich für 2010 ja nach wie vor darauf, dass die Mac-Portierung endlich mal fertig wird.

Ansonsten dürfte 2010 vor allem das Jahr werden, in dem sich so manche 2009 großspurig angekündigte technische Innovation als Nullnummer entpuppen könnte:

Angefangen bei Sonys Fuchtel-Knüppel und Wiimote-Möchtegernklon Gem (oder wie auch immer der leuchtende Zauberstab am Ende mal heißen wird). Hier prophezeie ich anfangs steil nach oben zeigende Verkaufszahlen, wenn alle Flughafen-Fans zuschlagen, die sich schon immer mal mit Leuchtstäben fuchtelnd ins Wohnzimmer stellen wollten, um imaginäre Maschinen einzuwinken. Vielleicht erwartet uns am Ende gar das große Comeback der Flugzeug-Sims, wenn Microsoft uns alle mit einer Portierung des Flight Simulators auf die PS3 überrascht. Alle anderen wird Gem aber vermutlich genauso kalt lassen wie der Sixaxis-Controller.

Onlive dürfte genauso ein Fall von großen Ambitionen und tiefem Absturz werden. Mal davon abgesehen, dass ich mir beim besten Willen immer noch nicht vorstellen kann, wie das Onlive-Konzept technische Realität werden könnte, um weltweit ein ruckelfreies HD-Spielvergnügen zu garantieren: Bei mir persönlich schrillen doch sämtliche Alarmglocken bei dem Gedanken, Games teuer bei einem Online-Dienst zu “kaufen”, der spätestens 2011 mit einem Insolvenzverfahren abgewickelt wird und meine gesamte erworbene Spielebibliothek dabei mit ins Nirvana reißt. Nee nee neee.

Und Microsoft wird 2010 endlich schmerzhaft lernen, dass es die absolut falscheste aller zu treffenden Entscheidungen war, ausgerechnet einen Dummschwätzer wie Peter Molyneux und seinen gruseligen kleinen CGI-Jungen als Markenbotschafter für Project Natal zu installieren. Denn am Ende wird wieder nur maximal die Hälfte von dem funktionieren, was dereinst dem interessierten Nutzer versprochen wurde – und statt Minority Report gibt’s am Ende nur minor sales.

Aber das macht sowieso alles nichts, denn wie wir ja ebenfalls im verangenen Jahr gelernt haben, geht 2012 sowieso die Welt den Bach ‘runter. Freuen wir uns also einfach “nur” auf ein starkes Spielejahr 2010 und harren einfach der Dinge, die da kommen werden.