flashback

Die ruhige Zeit zu Beginn des Jahres ist nicht nur eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich endlich mal wieder verstärkt auf das Spielen zu konzentrieren und all jenes nachzuholen, was sich im Laufe des letzten Jahres so im heimischen Games-Regal angesammelt hat, sondern auch eine schöne Möglichkeit, sich bei einem guten Gläschen Rotwein gemütlich zurückzulehnen und das gerade zu Ende gegangene Jahr noch einmal genüsslich Revue passieren zu lassen. Soviel steht fest: 2008 war unterm Strich ein wirklich gutes Jahr für uns Spieler. Weniger am PC, denn der hat sich dank immer schlimmerer Bugverseuchungen (Gothic 3: Götterdämmerung, Stalker: Clear Sky, GTA4, um nur einige zu nennen) bei Release und überaus lästiger DRM-Gängeleien (Spore, anyone?) als Spiele-Plattform weitestgehend vollständig selbst aus dem Rennen geschossen. Selbst als Arbeitsgerät hat er für mich seit letztem Mai endlich ausgedient; zumindest privat, denn im Büro kann man es sich ja leider nicht aussuchen. Angenehmer Nebeneffekt: Ich kann mir endlich das lästige und schweineteure regelmäßige Aufrüsten des grauen Rechenknechts stecken und das gesparte Geld reicht sogar noch für eine neue Konsole mit ein wenig Spielerei dazu. Und das ist schön, denn 2008 war ein gutes Jahr für Konsolenspieler – wenn die Konsole nicht gerade aus dem Hause Nintendo kam. Sonys Playstation 3 schien zumindest endlich auch etwas stärker an Fahrt aufzunehmen. Überraschungssieger war für mich aber eindeutig die Xbox 360, die im letzten Jahr mit einem überdurchschnittlich guten Spieleportfolio punkten konnte, das durchdachteste Online-Konzept aufzuweisen hat und sich darüber hinaus im Herbst auch noch zur günstigsten Plattform am Markt entwickelt hat. Dass es am Ende trotz allem doch noch ein PC-Titel geschafft hat, zu meinem persönlichen Spiel des Jahres zu avancieren… nunja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch dazu später mehr.

Konzentration auf das Wesentliche.

ripeaplay

Hello and goodbye.

(Anm.: Hier wird es nun relativ persönlich; wen das nicht interessiert, der liest einfach beim nächsten Abschnitt weiter). 2008 war aber auch ein überaus anstrengendes, geradezu kräftezehrendes Jahr, voller aufregender Herausforderungen, jeder Menge Arbeit und mancher unangenehmen Überraschung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Beruflich ging es besonders holprig auf und ab. Zwei betriebsbedingte Kündigungen in nur einem einzigen Jahr sind einfach alles andere als lustig. Die erste Hiobsbotschaft kam direkt im Februar: Insolvenz der Agentur, in die wir alle so gerne soviel Arbeit und Herzblut gesteckt hatten. Der nächste Job folgte glücklicherweise nahtlos und es gab massig viel zu tun. Doch die Finanzkrise macht eben auch vor mir nicht halt, weshalb ich aktuell wieder nach etwas Neuem Ausschau halten darf.

Wie dem auch sei: Zu jeder Menge Arbeit im Büro gesellte sich im letzten Jahr auch noch jede Menge  zusätzliche Arbeit, die ich mir privat aufgebürdet habe. Angefangen hat es im März mit Polyneux, einem Projekt, von dem ich nach wie vor absolut begeistert bin und bei dem ich mich sehr geehrt gefühlt habe, als die Anfrage von SpielerZwei kam, ob ich nicht mitmachen wolle. Kurz darauf dann das Angebot von Spreeblick, mich an Electronic Arts’ eigenem kleinen Spielkultur-Blog EA-Play zu beteiligen. Zu guter Letzt haben wir Anfang 2008 auch noch das bis dahin rein private Projekt GameParents.de in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt und im Herbst unsere erste Infoveranstaltung für Eltern organisiert. Wenn ich 2008 auch relativ wenig für die GameParents-Website geschrieben habe, so war ich im Hintergrund doch mehr als ausgelastet mit der Beschäftigung, Flyer, Info-Broschüren und vieles mehr auf die Beine zu stellen – oftmals unter ziemlich heftigem Termindruck, was bei einem Beruf, der sich nunmal nicht an übliche Bürozeiten gebunden fühlt, die meiste Zeit in ziemlich viel Stress ausgeartet ist.

11 Blogger sollt Ihr sein.

11 Blogger sollt Ihr sein.

Kurzum: ich habe mich im vergangenen Jahr ziemlich übernommen, worunter auch meine Artikel für endoflevelboss.de teilweise deutlich gelitten haben. In der Folge gab es zeitweise viel Themenrecycling, ähnliche Beiträge bei EA-Play.de, Polyneux und hier und den einen oder anderen Text, den ich vor der Veröffentlichung vielleicht lieber noch einmal überdacht hätte. Sorry dafür, ich gelobe hiermit Besserung.

Ein wenig hat sich das Zeitproblem, das sich unweigerlich ergibt, wenn man versucht auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, mit dem recht überraschenden Ende von EA-Play.de Ende Juli selbst abgeschwächt, durch den deutlich gestiegenen Arbeitsaufwand für die GameParents-ElternLAN im Oktober wurde die freigewordene Zeit jedoch direkt wieder ausgefüllt. Dass solch eine Mehrfachbelastung jedoch nicht ewig gut geht, dürfte klar sein, weshalb ich Anfang Dezember erst einmal die Notbremse gezogen habe. Der Output wurde dezent zurückgefahren, meine Mitgliedschaft bei GameParents ruht derzeit sogar völlig. Zumindest letzteres wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

So spannend das Thema Jugendmedienschutz ist, so lesenswert manche Studie rund um das Nutzungsverhalten von Videospielern und vermutete Wirkungen von Games auch sein mag, so interessant die Erfahrungen während der ElternLAN auch gewesen sind – am Ende waren die rund um die so genannten “Killerspiele” geführten öffentlichen Diskussionen zwar seltener als noch in den Vorjahren, jedoch gleichzeitig stellenweise noch sehr viel dümmer als jemals zuvor. Das kulminierte schließlich in den Kölner Aufruf, der so unsagbar daneben war, dass ich nichtmal mehr die geringste Lust verspürt habe, dazu überhaupt ausführlicher Stellung zu beziehen. Bei solchem geistigen Dünnpfiff kommt mir einfach nur noch die Galle hoch. Doch ich habe keine Lust mehr, mir die Freude an meinem Hobby weiterhin vermiesen zu lassen oder mir durch immer neue, im Kern dennoch immer gleiche Diskussionen meine kostbare Zeit stehlen zu lassen.

Stattdessen konzentrieren wir uns also lieber wieder auf das, was an Videospielen am meisten Spaß macht: Das Spielen. Und das darüber-Schreiben und Diskutieren. Konzentrieren wir unseren Blick wieder auf das, was in der Spielebranche sonst so vor sich geht, behalten wir das bunte Treiben der Publisher im Auge, freuen wir uns auf viele weitere spannende Games, ebenso wie auf Gerüchte, News, neue Produktankündigungen und eben all jenes, was rund um unser liebstes Hobby so an Interessantem, Absurdem, Lustigem, Unterhaltsamem, Wissenswertem und Spielbarem auf uns zu kommt. Und in der Zwischenzeit richten wir nochmal kurz den Blick nach hinten uns sehen uns an, was uns das Spielejahr 2008 sonst noch so beschert hat.

Nintendo scheitert kläglich.

Familienbild aus besseren Tagen

Familienbild aus besseren Tagen

Jaja, rein wirtschaftlich dürfte Nintendo so gut wie nie zuvor dastehen. Ja, sie sind endgültig im Mainstream angekommen und haben Videospiele gesellschaftsfähig gemacht. Ja, dafür gebührt ihnen eine gehörige Portion Respekt. Trotzdem steht für mich fest: 2008 haben sie es endgültig vergeigt. Blutleerer, uninformativer und Spiele-verachtender als die letztjährige E3-Präsentation konnte eine Veranstaltung eines Publishers einfach nicht mehr sein. Wo waren sie, die großen Neuankündigungen, die Titel, in denen die alte Liebe zum Detail steckt und denen man anmerkte, dass da Leute am Werk waren, die ihr Handwerk verstehen und alles daran setzen, etwas zeitloses zu kreiren? Keine Spur davon.

Stattdessen gab es ein wenig Vergangenheitsbewältigung in Form einiger Neuauflagen (Smash Brothers, Mario Kart), dann lange, sehr lange Zeit nichts und dann einen derart unmotivierten, schwachsinnigen Versuch, an den Erfolg solcher Musikspiel-Größen wie Guitar Hero und Rock Band anzuknüpfen, dass man nicht anders kann als an der Zurechnungsfähigkeit der Nintendo-Obersten zu zweifeln. Sagen wir es deutlich: Wii Music ist der reinste Hohn.

Darüber hinaus dürfte klar geworden sein, dass Nintendo das Medium Internet bis heute nicht verstanden hat und dringend einmal einen Crash-Kurs in dessen Nutzung nötig hätte. Das vermaledeite Friendcode-System ist der reinste Witz, der DS versteht selbst in seiner neuesten Inkarnation names DSi anscheinend immer noch keine halbwegs sichere WPA-Verschlüsselung (Kann er doch, danke Blumentopferde!) und der Club Nintendo bietet nichts, was eine längerfristige Kundenbindung auf Online-Ebene verheißen könnte. Stattdessen stößt man seinen Kunden insofern vor den Kopf, als dass die wertvollen Punkte, die man seinem Konto nach Erwerb einiger Spiele gutschreiben kann, seit etwa einem Jahr nach einer Weile einfach verfallen, will man sie nicht für unsinnigen Nippes ausgeben. Es ist ja schön und gut, wenn uns die Möglichkeit gegeben wird, gesammelte Nintendo-Sterne auch für Virtual Console-Klassiker auszugeben, wenn dabei aber die Kunden benachteiligt werden, die sich aufgrund des miesen Vollpreis-Titel-Portfolios der Wii weigern, sich eine eben solche zuzulegen, dann ist das schon ziemlich traurig.

Womit wir beim allergrößten Problem bei Nintendo wären: gute, schlagende Argumente für alteingesessene Spieler, ihre verstaubende Wii nicht zu verschrotten, bzw. Kaufanreize für Angehörige eben jener Zielgruppe, sich doch noch einen weißen Kasten unter den Fernseher zu stellen, fehlen völlig. Doch lieber konzentrieren sich die Japaner darauf, Geld aus den Verkäufen an Menschen abzuschöpfen, die zuvor noch nie im Leben eine Konsole besessen haben und die nach dem Kauf eines Wii Balance Boards teilweise verwundert bis ratlos im heimischen Wohnzimmer stehen (siehe consol.at-Weihnachtspodcast) und sich fragen, warum das Ding jetzt nicht funktioniert. Dass sie dabei nicht mitbekommen haben, dass das weiße Plastikwaagenbrett ohne Wii nicht läuft… who cares? Wenn die Markenkommunikation schon im Grundsatz missrät, wie will man der neuen Zielgruppe dann bloß beibringen, dass sie sich die nächste Generation an Hardware doch bitteschön auch gerne zu kaufen hätte. Von weiteren Spielen außer Wii Sports einmal ganz zu schweigen.

Sony strauchelt.

Noch nicht ganz angekommen: Playstation 3.

Noch nicht ganz angekommen: Playstation 3.

An dieser Stelle muss ich Sony zunächst einmal meinen tiefsten Respekt für seinen immensen Erfolg im Videospiele-Sektor seit der ersten Playstation bezeugen. Wie ein System durch Glück und Zufall solch eine Verbreitung erfährt wie die letzten beiden Playstation-Generationen, dann ist das schon bewundernswert.

Glück und Zufall? Wieso das denn? Ganz einfach: schaut man sich Sonys Fehltritte seit Einführung der PS3 so an, kann ich nicht anders als daran zu zweifeln, dass Sonys Erfolg mit Videospielkonsolen auf sorgfältiger Planung und ausgeklügelten Marketingstrategien begründet ist. Was man im letzten Jahr so aus der Marketingabteilung mitbekam, wirkte fahrig, stellenweise kopflos und Ach nein, bei jenen, die bereits am Boden liegen, soll man nicht auch noch nachtreten. Auf sie zu spucken scheidet ebenfalls aus. Auslachen ist auch nicht nett. Verhöhnen schonmal gar nicht.

In der Tat hat Sony es derzeit nicht gerade einfach, an die Glanzzeiten von einst anzuknüpfen. Die ehedem so kultigen Werbespots sind zu einem Schatten eines Schattens ihrer selbst verkommen, Die Verkaufszahlen des Blu-Ray-Boliden lassen nach wie vor zu wünschen übrig, die Gewinne des gesamten Konzerns brechen um 90% weg (woran allerdings wohl nicht zuletzt die Vaio-Sparte und der Zukauf der Kamersparte von Konica-Minolta eine erhebliche Mitschuld tragen dürften) und ach, mit der Unternehmenskommunikation und einigen Marketingentscheidungen will es auch nicht mehr so klappen wie früher. Mit dem Koran-Verse-Little-Big-Planet-Debakel hat sich Sony vollkommen lächerlich gemacht, aber merkwürdigerweise hat sich niemand so richtig darüber das Maul zerreißen wollen. Die werden das schon hinkriegen. Ganz sicher.

Das mit den Exklusivspielen wollte auch nicht so ganz klappen. Die allermeisten Titel erscheinen sowohl für PS3 als auch die 360, mit Metal Gear Solid 4, Little Big Planet und Resistance 2 fällt die Exklusiv-Palette spielenswerter Titel in 2008 recht dürftig aus. Darüber hinaus sind ehemals Sony-exklusive Blockbuster wie Final Fantasy in diesem Jahr ebenfalls auf der Konkurrenz zu finden. Da erscheinen Artikel wie in der GamesTM, die dieses Jahr zum PS3-Jahr ausrufen, eher unfreiwillig komisch und schlecht eingekauft, als dass sie Playstation-Jüngern wirklich Hoffnung machen, dass sich die Mehrausgaben für die teurere Konsole 2009 doch noch rentieren. Auch wenn dieses Jahr sicherlich ein paar echte Knaller kommen dürften (Killone 2 und Demon’ Souls sehen fantastisch aus): Wohl dem, der die nächste Preisenkung abwartet.

Erfolglosigkeit? Bei Sony? Quaaatsch! Das muss so. Wir haben ja unseren großartigen 10-year-plan. Das dauert halt alles ein bißchen länger.

Stimmt, hat man ja auch bei der Playstation 2 gesehen, da kamen die wirklich guten Spiele auch erst am Ende ihres Lebenszyklusses raus. War ich der einzige, der mit Singstar und Co. nichts anfangen konnte und sich jahrelang gefragt hat, warum er sich die PS2 überhaupt ins Wohnzimmer gestellt hat? Jedenfalls wird sie nun aufgrund ihrer nach wie vor großen Popularität also noch ein wenig länger mit durchgefüttert, als es den Japanern eigentlich lieb sein dürfte und 2008 zur offenen Plattform gekürt wird. Ein bißchen ist das so wie mit Windows XP, das Microsoft auch am Liebsten in der Versenkung verschwinden ließe, während das Volk einfach nicht von ihm lassen kann. Womit wir auch schon beim dritten Konsolenhersteller im Bunde sind…

Microsoft zieht vorbei.

2008 - Das Jahr der 360.

2008 - Das Jahr der 360.

Da bin ich froh, dass ich meinen Windows XP-PC als Arbeitsgerät endgültig auf das Abstellgleis schieben konnte, um fortan mit dem exzellenten Mac OS X Leoparden aus dem Hause Apple zu arbeiten, da schafft es Microsoft doch noch, mir ein trojanisches Pferd in Form einer Xbox 360 unterzujubeln. Machen wir uns nichts vor: an den Redmondern geht kein Weg mehr vorbei. In irgendeiner Form schaffen sie es doch immer wieder in unseren Haushalt. Ob wir wollen oder nicht. Schon ein wenig beängstigend.

Microsoft hat im letzten Jahr im Grunde nicht viel richtig machen müssen, um sich mit der 360 in mein Herz zu spielen. Mehr als eine Preissenkung war nicht mehr nötig, die Grundlagen hatten sie schon lange zuvor gelegt. Für mich ist der röhrende weiße Plastikhirsch im stylischen Industriedesign ganz klar das derzeit in sich schlüssigste, rundeste Konsolenpaket am Markt. Das Games-Angebot ist riesig und strotzt vor guten Titeln, die Handvoll PS3-exklusiver Titel kompensiert es durch einige starke eigene Marken und das Online-Konzept ist so ausgefeilt, wie man es von Microsoft angesichts ihres schweren Stands im Suchmaschinen und Online-Portale-Markt niemals vermutet hätte.

Wenn sie es mit ihrem nächsten Modell nun noch schaffen, den Lärmpegel von “Flugzeugturbine” auf “schnüffelndes Kaninchen” herunterzuschrauben und die Ausfallquoten durch den berüchtigten Red Ring of Death endgültig in den Griff zu bekommen, gönne ich ihnen die Spitze am Hardware-Olymp sogar beinahe von ganzem Herzen. Kleinere Verbesserungen würde ich mir ebenfalls noch im Live Arcade-Bereich gönnen, der noch ein wenig besser mit wirklich guten Games und Independent-Perlen gefüllt werden dürfte. Vielleicht muss Microsoft hier noch ein paar Anreize für kleinere Entwickler schaffen.

Die vorhandenen Arcade-Perlen wissen hingegen umso mehr zu begeistern, allen voran Braid, aber auch Castle Crashers oder Super Street Fighter 2 Turbo HD Remix, das nicht nur Holger gefallen dürfte.

Um es abzukürzen: die Xbox 360 ist mein Videospielsystem des Jahres – und obwohl ich sie erst seit Ende September mein Eigen nennen darf, stapeln sich die Top-Games hier bereits zu einem ansehnlichen Türmchen. Das hat nichtmal die Ur-Playstation geschafft, die ich relativ spät in ihrem Lebenszyklus angeschafft habe.

Apple prescht vor.

Wenn es jetzt auch noch Kaffee kochen könnte...

Wenn es jetzt auch noch Kaffee kochen könnte...

Nicht mehr nur Telefon, Internet-Tablet und iPod will Apple mit dem iPhone 3G bieten, sondern obenauf seit dem 11. Juli 2008 auch noch eine mobile Spielkonsole, die der PSP und Nintendos DS gehörig einheizen soll. Das funktioniert zumindest insofern, als dass sich bereits ein halbes Jahr nach dem Start des App-Stores Games verschiedenster Couleur nur so darin tummeln. Allerdings ist nur ein sehr geringer Teil wirklich sein Geld wert, vieles würde ich mir nichtmal ansehen, obwohl es kostenlos ist. Immerhin: die Preise sind allgemein äußerst niedrig, 7,99€ für den kleinen Spaß zwischendurch mit Crash Bandicoot, Super Monkey Ball oder Rolando gehen völlig in Ordnung, wer wirklich lange und im großen Stil unterhalten werden will, greift hingegen auch weiterhin besser zur reinrassigen Spielekonkurrenz von Sony und Nintendo. Für 2009 ist allerdings ein verstärkter Drang der großen Publisher auf Apples Wundertelefon zu erwarten, von daher bleibt es weiterhin spannend, das iPhone auch als Gaming-Plattform unter Beobachtung zu halten.

Electronic Arts überrascht.

Neu und umwerfend gut: Dead Space.

Neu und umwerfend gut: Dead Space.

Als Electronics Arts’ Oberboss und CEO John Ricitiello verkündete, dass der Konzern künftig deutlicher auf Qualität statt Quantität abzielen und neue, starke Marken etablieren wolle, dachte ich noch “Hey, der Typ hat echt Humor”. Ausgerechnet der Produzent von Einheits- und Massenware bei Computerspielen schlechthin will seine Strategie grundlegend ändern und das Geldscheffeln mit jährlichen und spärlichen Updates aufgeben? So ein Quatsch, das glaubt doch keine Sau!

Doch irgendwas muss dran sein, an Ricitiellos Vorhaben: man darf es ruhig sensationell nennen, dass der diesjährige Fifa-Ableger es erstmalig schafft auch schärfste Kritier der Serie zum Verstummen zu bringen, die Presse einhellig bekunden zu lassen, Fifa 09 lasse den jüngsten Pro Evo-Spross hinter sich und selbst eingefleischte, hartgesottene Pro Evolution Soccer-Fans in Scharen zu EAs neuem alten Star-Stürmer überlaufen zu lassen.

Tiberium, der Shooter im Command & Conquer-Universum? Eingestellt, angeblich aus Qualitätsgründen. Need for Speed? Vorerst das letzte jährliche Update. Der Tuning-Bolide legt 2009 eine von oben verordnete Zwangspause ein, um sich neu zu erfinden. Und dann auch noch, Überraschung!, mit Dead Space ein neues Franchise aus eigenem Hause, das auf voller Länge zu überzeugen weiß und dessen Entwickler nicht sofort an die Fortsetzung gescheucht wurden, sondern sich als nächstes erstmal in Ruhe an der Versoftung von Dantes Inferno austoben dürfen.

Wenn mir das jemand Anfang 2008 erzählt hätte, ich wäre nicht umhin gekommen ihn auszulachen und ihm ob soviel dreister Lügen ins Gesicht zu spucken. ;-)

Der Erfolg scheint EA nach wie vor Recht zu geben, doch auch vor ihnen macht die Finanzkrise nicht halt. Zuletzt war von massiven Stellenstreichungen zu hören. Auch der Übernahme-Poker mit Take 2 hat Electronic Arts 2008 ordentlich zu knacken gegeben. Nichts desto trotz scheint der Konzern ganz gut aufgestellt zu sein, um auch weiterhin ganz oben mitmischen zu können. Gut so, denn sonst käme uns Bloggern ja auch plötzlich der Prügelknabe abhanden.

Und sonst so?

Goldesel Blizzard fusioniert mit Activision zu ActivisionBlizzard (total originell) und schmeißt alles über Bord, was nach ersten Kalkulationen  über den Daumen gepeilt nicht mindestens 3 Milliarden Dollar pro Woche einfährt – worunter sogar potentielle Blockbuster wie Ghostbusters 3 leiden müssen, genau wie das vermutlich geniale Brütal Legend des eigenbrödlerisch-genialen Tim Schafer. Dieses wiederum kommt ausgerechnet bei Stangenwaren-Lieferant EA unter. Es ist schon verrückt…

EA will Take 2 heiraten, Take 2 hat aber keine Lust die Beine breit zu machen, Microsoft will Yahoo und dann wieder doch nicht.

Als Krönung des Jahres verkündet der Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Europas größte Branchenmesse, die Games Convention, kurz und klein zu schlagen und unter neuer Flagge (GamesCom, total originell) nach Köln zu ziehen. Die Leipziger Messegesellschaft schmollt kurz, fängt sich aber schnell und träumt dann davon eine kleinere, auf den Familienbereich und Independent-Games fokussierte Messe zu etablieren, worauf der BIU austickt und kurzerhand die GamesCom auf den gleichen Termin verlegt, um es der Leipziger Messe mal so richtig zu zeigen.

So sieht also Dankbarkeit beim BIU aus. Applaus…

Bungie will ein Halo 3-Addon ankündigen, darf aber nicht und die Ensemble Studios bekommen mitten in der Entwicklung von Halo Wars die ungemein motivierende Nachricht, dass das Traditionsstudio unmittelbar nach Fertigstellung des Titels dicht gemacht wird. Macht bestimmt voll Spaß, das Spiel jetzt noch zu Ende zu programmieren…

Dies und mehr gibt es auch nochmal schön aufbereitet im Areagames-Special mit den skurilsten Ereignissen des Jahres 2008.

Das etwas andere Spieleportal aus Berlin hat sich übrigens im vergangenen Jahr in Windeseile in mein Herz vorgearbeitet und den Vollnasen von 4Players mal so richtig gezeigt, wie das zu laufen hat, mit Spielen und dem Journalismus im Internet. 4Players hingegen sind 2008 endgültig aus meinem Aufmerksamkeitsfokus verabschiedet worden, seit sie lieber darauf aufmerksam machen, wie toll sie doch sind, als wirklich gute Artikel zu schreiben. Endgültig lächerlich machen sie sich nicht einmal unbedingt mit dem medienwirksam inszenierten Streit mit Atari um die Alone in the Dark-Wertung, sondern mit ihrer Verteidigung der hohen Bewertung der PC-Version von GTA4. “Ja nu, auf unseren Rechnern ist es eben gut gelaufen, wie sollen wir denn da bloß eine kritischere Wertung abgeben?”, fragt man den erzürnten Forenmob sinngemäß. Ja nun, wenn man alles bloß auf seinen gesponserten Alienware-Rechnern testet, wohl wissend, dass tausend PC-Konfigurationen zu tausend, teilweise enorm unterschiedlichen Ergebnissen führen können, der soll mir gefälligst nicht mit Faselei von gewissenhaften Tests, Unabhängigkeit von der Industrie und Qualitätsjournalismus kommen, verdammt nochmal.

Spiel des Jahres.

Edna ist einfach wunderbar. Kaufen!!!

Edna ist einfach wunderbar. Kaufen!!!

Da ich meine Highlights 2008 bereits drüben bei Polyneux verraten habe, gibt es an dieser Stelle keine Überraschung. Außer, dass es, wie bereits eingangs erwähnt, von meinen fünf liebsten Titel des letzten Jahres ausgerechnet das PC-Spiel war, das mich am meisten begeistert hat. Edna bricht aus ist einfach fabelhaft und gehört in jeden Haushalt. Punkt. Weil es so schön war, gibt es hier aber auch nochmal alle Nominierten im Überblick:

Edna bricht aus (PC) Ein sprechender Plüschhase, eine junge Frau in einem Irrenhaus auf der Suche nach ihrer Vergangenheit und jede Menge absurd-schräger Charaktere. Soviel Spaß hat ein Adventure seit der guten alten Lucasarts-Zeit nicht mehr gemacht. Droggelbecher!

Dead Space (360) Diese Soundkulisse! Man muss Dead Space nichtmal selbst spielen, um von der Atmosphäre in den Bann gezogen zu werden, man muss bloß zuhören. Da braucht es all das viele Blut eigentlich überhaupt nicht, um Dead Space zum besten Horrorspiel seit langem zu machen.

Braid (360) OK, ich geb’s zu: ich habe es noch nichtmal annähernd durch. Braid hat von mir bislang einfach nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient. Ein Spiel voller Poesie, detailverliebter Ideen und wunderbarer Bilder, das eine Hommage an die großen Klassiker ist und trotzdem so eigenständig daherkommt wie kaum ein anderes Spiel der letzten Jahre.

Grand Theft Auto IV (360) Ich habe Vice City gehasst, aus tiefstem Herzen – weshalb ich San Andreas gar nicht erst angefasst habe. Teil 4 hat mich endlich versöhnlich gestimmt, mit seiner außerordentlich gut gelungenen Story, seinen glaubwürdigen Charakteren und seiner endlich brauchbaren Steuerung. Verdammt, was habe ich die Steuerung von Vice City gehasst.

Gears of War 2 (360) An dieser Stelle müssten eigentlich Experience 112 oder World of Goo (beide PC) stehen. Aber Experience 112 mich stellenweise durch sein Design doch ein wenig zu sehr aufgeregt hat. Außerdem wurde ich in keinem anderen Spiel außer “Edna bricht aus” so sehr emotional berührt wie in dieser einen Stelle mit Doms Frau.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie es bis hier unten geschafft haben. Mir bleibt nun zunächst einmal nichts mehr weiter zu tun, als ich mich für Ihre Aufmerksamkeit zu bedanken. Ich hoffen, wir lesen uns im nächsten Jahr an gleicher Stelle wieder. Bis dahin: Auf ein spannendes Jahr 2009.

(In der Zwischenzeit bleibe ich Euch natürlich auch weiterhin mit dem besten Spieleblog wo gibt gewogen… ein wenig Hochmut muss sein ;-) )

Pictures:

“Unofficial Nintendo Poster” by ichibod, published under Creative Commons License

“Almost a Playstation” by tricky (TM), published under Creative Commons License

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