Das Experiment EA-Play.de ist nun seit fast einem Monat beendet. Nicht nur für mich, sondern auch für die Initatoren auf Seiten von Electronic Arts. Was als kunterbunte Wundertüte rund um Games, Gamekultur, den Spaß am Spiel und die Untiefen des weltweiten Internetzes im Allgemeinen gestartet ist, endete als erfolgloser Versuch,  sich als erstes von Publisher-Seite initiiertes Blog als fester Bestandteil der deutschsprachigen Blogging-Szene zu etablieren und mit Hilfe eines zweifellos schwer angesagten Kommunikationstools einen festen Fankreis an sich zu binden. Und um somit, ganz einfach im Vorbeigehen, ein positive(ere)s Firmenimage in den Köpfen seiner Leser zu verankern. Kein einfaches Unterfangen für einen Publisher, der zweifelsohne für viele den Inbegriff fieser kapitalistischer Marktausbeutung verkörpert. Kaum ein anderer steht öfter in der Kritik (der Spieler, nicht der Öffentlichkeit, wohlgemerkt) als Electronic Arts. Immer wenn es um scheinbar endlose Spieleserien, unmotivierte Aufgüsse altbekannter Spielprinzipien und neue Wege geht, dem Zocker durch das Erschließen neuer Vermarktungswege noch ein paar Euro mehr aus den Taschen zu ziehen, kann man sicher sein, dass der Name des großen Publishers aus Köln, respektive Redwood, als allererster fällt. Kein Wunder also, dass man auf der Suche nach einem Ausweg aus dieser Situation zwangsläufig versucht, sämtliche Mittel und Möglichkeiten auszuschöpfen, um an diesem Umstand dringend etwas zu ändern – und dabei schließlich auch auf das vermeintliche Allheilmittel Corporate Blog zurückgreift. Nur eben in einer völlig anderen Form.

Welche Idee und welche Intentionen tatsächlich hinter der Gründung von EA Play standen, darüber kann ich letztlich jedoch auch nur spekulieren, deshalb spare ich mir alle weiteren Ausführung dieser Art und versuche stattdessen, ein wenig tiefer zu ergründen, warum das Experiment am Ende fehlgeschlagen ist (oder sogar fehlschlagen musste?). Wer indes einen – zugegebenermaßen eher kleinen – Einblick in den ehemaligen Autoren-Alltag hinter dern Kulissen von EA Play erhaschen möchte, der kann sich ja mal das kleine Gespräch vom wieder auferstandenen gamequickie.de mit Julia, Marcus und mir anschauen.

Kann Corporate Blogging abseits von Newsmeldungen rund um das eigene Unternehmen und um eigene Produkte funktionieren? Indem man dem Leser einen Mehrwert über die reine Verkaufsveranstaltung hinaus – die so ein Blog in der Endabrechnung de facto ist – bietet und sie emotional an seine Seite (und damit sich selbst) bindet und Identifikationsmöglichkeiten anbietet, mit dem Ziel, ein möglichst positives Image  seiner selbst aufzubauen? Nicht, wenn es sich dabei unterm Strich auch wieder bloß um ein reines Produktmarketing-Blog handelt, soviel scheint sicher. Wie man ein solches außerordentlich gründlich in den Sand setzt und sich und seine eigene Glaubwürdigkeit öffentlich der Lächerlichkeit preisgiebt, das hat Sony anno 2006 mit der vermeintlichen Fansite alliwantforxmasisapsp.com äußerst eindrucksvoll bewiesen. Damals wurde ziemlich schnell klar, dass es sich dabei nicht um die Aktion eines einzelnen Fans handelt, der sich nichts sehnlicher als eine PSP zu Weihnachten wünscht, sondern um eine eher schlecht als recht ausgeklügelte Marketingmaßnahme, die entsprechend auch relativ schnell durchschaut wurde und wieder einmal gezeigt hat, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt zu Sonys wahren Stärken gehört. Den positiven nebeneffekt, dass sich der Domain-Name in gewissen Kreisen durch den ganzen entstandenen Medienrummel überhaupt erst in den Köpfen eines großen und für einige interessanten Zielgruppenkreises festgesetzt hat, macht sich heute übrigens der Eisproduzent Häagen Dazs zu Nutzen, der so frei war, sich die Domain zu sichern.

Ganz anders hingegen die Herangehensweise von EA, die von vornherein klar gemacht haben, um was es sich handelt: das Online-Magazin eines Publishers, der sich ein paar Blogger zusammen kauft und keinen Hehl daraus macht, wer hinter dem gesamten Unterfangen steht. Was dabei herausgekommen ist, war im Grunde genommen eine prima – und praktisch tagesaktuelle – Ergänzung zum quartalsweise erscheinenden EA Magazin, die ein erstaunlich breites Themengebiet abdeckt und, was noch viel erstaunlicher ist, den Autoren enorm viele Freiheiten bei der Themenwahl lässt. Ohne gleich laut Zeter und Mordio zu schreien, wenn plötzliche positive Artikel und Reviews zu Spielen der Konkurrenz auf dem hauseigenen Webserver zu finden sind. Selbst wenn das in den Anfangstagen eventuell zunächst zu Spannungen oder Diskussionen geführt haben könnte: diesen Schritt überhaupt in dieser Konsequenz zu wagen, dazu gehört schon eine gehörige Portion Mut, die mir einigen Respekt abnötigt. Warum aber hat es dann doch nicht klappen wollen mit dem Erfolg?

Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Blogosphäre – und insbesondere die deutsche – per se enorm mißtrauisch gegenüber sämtlichem Einfluss aus der werbentreibenden Industrie ist und sich vermutlich lieber selbst ein Bein abnagen würde, als einen “gekauften” Blog auf Dauer in seinem Feedreader zu behalten. Doch halt, bevor Ihr mich nun als arroganten Schnösel abstempelt, der nur allzu gerne bereit ist, vielleicht nicht gleich seine Seele, aber zumindest doch seine Arbeitskraft für ein wenig Kohle an den erstbesten zu verkaufen, dem sei gesagt: mir geht es genauso wie dem Rest der Blogosphäre. Auch ich war entsprechend äußerst skeptisch, als ich das erste Mal auf EA Play gestoßen bin. Und diese Skepsis hat sich  bei mir als Leser nie so wirklich legen wollen. Das lag aber weniger an der Tatsache, dass es sich um einen gekauften Blog handelte, sondern anfangs viel eher an dem Umstand, dass mir das auf die ersten drei Blicke alles irgendwie zu bunt, zu schnellebig und zu gehetzt wirkte. Ein Eindruck, der sich selbst als Autor nie so ganz gelegt hat. Der Grund dafür ist auch schnell gefunden: es war einfach die schiere Masse an kurzen, knappen Artikeln, die mich erschlagen hat. Ein Linktipp hier, ein Flashspiel da, ein Youtube-Video obendrauf. Alles in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen, die einem beim Öffnen der Seite direkt mit dem Arsch ins Gesicht springen und einem erstmal die Luft nehmen. Trotzdem habe ich teilweise 3 Anläufe gebraucht, um einen einfachen kleinen Artikel nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen. Zu abgehackt, zu reduziert kam manches daher. Das ging dann so weit, dass die wirklich interessanten, längeren Artikel leider viel zu oft im Chaos untergingen und sträflich missachtet wurden. Dieses vermeintliche Chaos, das eigentlich keines war, sondern gewollte und konsequent vollzogene Methote hatte, könnte viele Leser von vornherein abgeschreckt haben. darunter vermutlich auch Playstar, der es sich nicht nehmen lassen wollte, auf dem grab von EA PLay herumzutanzen, als dieses noch gar nicht unter der Erde war, und dazu direkt noch eine kleine Schmähschrift zu verfassen.

Schade ist bloß, dass trotz aller Kritik gerne übersehen wird, dass wohl kaum ein anderes deutschsprachiges Blog so viele kleine und große Anekdoten rund um den Kulturbetrieb Videogames zutage gefördert hat wie das EA-Experiment. Schade auch, dass mit diesem Versuchsaufbau auch das einzige Blog-Projekt vor die Hunde gegangen ist, dass mich meinem Wunsch, mir durch Schreiben ein klein wenig Geld in die Kasse wirtschaften zu können, ohne mich kreativ einschränken lassen zu müssen, ein klein wenig näher gebracht hat. Aber das ist insgesamt nur ein eher unbedeutender Nebeneffekt. Noch viel trauriger ist, dass gerade durch den Abgesang auf das Projekt einige Leute offenbar überhaupt erst auf das Ganze aufmerksam geworden sind. Am Ende waren es dann aber wohl doch einfach viel zu wenige Leser, um den Laden in EAs Augen lohnenswert erscheinen zu lassen.

Was aber hätte man nun anders machen könne, sollen oder müssen? Einer der Kritikpunkte, die im Laufe des Ablebens von EA Play aufkamen war, dass man als Leser den Eindruck hatte, dass die Macher sich nicht entscheiden konnten, was sie überhaupt wollten: ein echtes Corporate Blog, eine Newsseite, ein Videospiel-Kulturmagain, eine Fun-Community, ein Videoblog? Im Grunde war es von allem etwas. Und das war manchen zuviel. Andererseits muss man EA auch zu Gute halten, dass sie diese Experimente überhaupt angestellt haben um zu schauen, was funktioniert und was nicht. Die Leserbeteiligung war wohl eher eine schlechte Idee, den Einbau eines zusätzlichen wöchentlichen Videoblogs mit Namen Playcast fand ich hingegen ziemlich gut. Über die Form läßt sich dann eventuell aber ebenfalls vorzüglich streiten. Inhaltlich ziemlich gelungen, wäre es vielleicht schön gewesen, wenn sich die Präsentation rein vom sprachlichen Vortrag her  an 3jährige, sondern vielmehr an halbwegs erwachsene Menschen gerichtet hätte… der generellen Qulität und unterhaltsamen Kurzweiligkeit hat das aber herzlich wenig geschadet.

Ein weiterer Kritikpunkt in der Ich-tanze-auf-Deinem-Grab-Diskussion war, dass man sich als Leser auch gerne mal mehr News, Infos, Tipps und Tricks zu EA-Spielen gewünscht hätte. Nuuuun, das wäre allerdings tatsächlich eine naheliegende Möglichkeit gewesen, die so praktisch in keinster Weise praktiziert wurde, obwohl es sich doch geradezu aufdrängt. Womit könnte man Spieler von EA-Games besser an EA binden, als durch die starke Community-Bindung, die entsteht, wenn man regelmäßige Features zu EA und seinen Spielen, Blicken hinter die Kulissen und vieles mehr bringt und dabei die Interaktion mit dem Verbraucher nicht zu kurz kommen läßt? Hier muss man EA wirklich ein Versäumnis vorwerfen. Andererseits wurde durch eben jenes Versäumnis eine so offene Struktur und ein so freies Arbeiten, wie es im Rahmen dieses Blogs stattgefunden hat, überhaupt erst möglich. Ein stärkerer Fokus auf den Corporate-Bereich wäre sicherlich zu Lasten des Games-Fun-Kultur Gedankens gegangen. Wo also die Waage ansetzen und für ein ausgeglichenes Verhältnis sorgen? So oder so kann man aber wohl konstatieren, dass Corporate Blogging, in welcher Form auch immer, in Deutschland derzeit (noch) nicht funktioniert – einfach, weil es vom Leser aufgrund von Vorbehalten oder aus welchen Gründen auch immer, nicht ausreichend gut angenommen wird. Das mag schade sein für die Firmen, gibt uns gemeinen Wald- und Wiesen-Blogger aber auch das gute Gefühl, dass die Blogosphäre auch weiterhin ein kleines Indie-Dorf bleibt, dass mutig den Widrigkeiten der großen Industrie trotzt und Ihr unverblümt den Spiegel der Wahrheit vor das widerwärtige Konsum-Antlitz hält, in der Hoffnung, die Spielewelt ein klein wenig schöner zu gestalten. Haha.