Mein geliebter Blog. Ich habe Dich vernachlässigt. Dafür schäme ich mich. Aber ich hatte einfach keine Zeit für Dich. Tut mir leid. Außerdem tut es mir leid, dass ich Dich wegen eines neuen Spielzeugs sitzen gelassen habe. Ja, so sieht es aus. Das ist die traurige Wahrheit. Aber nun bin ich ja wieder da. Mit meinem neuen Spielzeug. Auf dem ich gerade diesen Artikel schreibe… was gar nicht sooo einfach ist, denn die Display-Auflösung meines neuen Gadgets ist so hoch, dass mir ohne Brille die Augen tränen, wenn ich zu lange auf die Schrift blinzele…. OK, Ihr habt es mit Sicherheit längst erraten: mein neues Spielzeug ist ein Mac. Genauer genommen ein MacBook Pro in der 15″-Variante von Apple. Ach, wat is dat schön. Knapp 5 Tage arbeite ich nun damit und ich mag OS X schon fast nicht mehr missen. Dagegen ödet mich Windows mittlerweile regelrecht an. Mir bereitet es fast innerlich Schmerzen, wenn ich daheim oder im Büro mit dem Platzhirsch aus Redmond arbeiten muss. Dabei hab ich mich doch so dran gewöhnt und komme mit Windows momentan bei gleichen Arbeitsprozessen immer noch etwas schneller ans Ziel als beim Apple. Was aber nicht an der Hardware und Rechenkraft liegt, sondern an dem Umstand, dass ich bei meiner silbernen Rechenflunder einfach noch nicht annähernd die Shortcuts verinnerlicht habe.

Während diese mir bei auf der Wintel-Plattform mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen sind, muss ich unter OS X immer noch jedesmal suchen. Manchmal auch länger. Denn Shortcuts sind hier beileibe nicht annähernd identisch mit ihren Windows-Pendants, sonder, soviel sei vorweggenommen, in einigen Fällen sogar umständlicher belegt. Das oft genutzte und für gewöhnlich gut handhabbare Strg+S verkommt hier plötzlich zu Shift+Cmd+S und führt zu einer leicht krampfhaften Handhaltung. Wer versucht das ja ebenfalls häufig genutzte @-Zeichen in gewohnter Manier zu benutzen, wird ziemlich verdutzt feststellen, dass er das aktive Programmfenster gerade im Nirvana versenkt hat. Doof, aber der Fehler passiert einem bloß einmal. Die Apple-Variante der Tastenkombination heißt Alt+L und ist so bequem zu erreichen, dass man sich eigentlich ziemlich flott dran gewöhnt. Jetzt bin ich aber eigentlich schon zu Beginn zu sehr ins Detail gegangen, ohne von Anfang an zu erzählen. Ja wie, was… wieso hat der Typ sich jetzt einen Mac gekauft? Warum keine anständige Konsole? Ganz einfach: ich wollte immer schon einen haben und nun war es endlich mal an der Zeit. Ich hab grad eh keine Zeit zum Spielen, da kann ich das Geld auch anderweitig versenken. Hehe.
Dabei sind Konsolen für mich persönlich zukünftig die allererste Wahl, wenn es um die Anschaffung einer neuen Spieleplattform geht. Der PC hat ausgedient. Ist ein sterbendes Alien. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich im letzten Jahr überaupt nochmal aufgerüstet habe. Viel ordentliches hab ich seitdem nicht mehr drauf gespielt. Und den Großteil der Games gibt es auch für die 360. Nun hab ich also etwas über ein halbes Jahr später ein Notebook, dass überhaupt nicht explizit für Spiele gedacht ist, aber nominell die gleiche Leistung unter der Haube hat wie mein PC, den ich in erster Linie zum Spielen zusammengebaut habe. Na gut, ich bin auch selbst schuld. Ein wenig mehr Weitsicht täte mir zugegebenermaßen auch mal ganz gut. Aber et kütt wie et kütt, nich’ wahr? Zumindest muß ich demnächst nicht wieder meinen kompletten PC unterm Arm mit der Deutschen Bundesbahn durch die Gegend kutschieren, wenn ich zur nächsten LAN meines Clans düse. Dann wird einfach Bootcamp angeschmissen und Windows samt der üblichen Netzwerk-Titel installiert. Fertig. Den ganzen Rest erspare ich mir. Gearbeitet wird komplett unter Mac.

Ich hatte ja anfangs wirklich massive Bedenken, ob ich auch nur halbwegs adäquaten Ersatz für all die kleinen Programme und Tools finde, die ich so tagtäglich zum Arbeiten benutze. Völlig zu unrecht, wie sich herausgestellt hat. Nicht nur, dass es genügend Software für den Mac gibt: praktisch alle Standard-Software gibt es als 1:1.Umsetzung auch für Apples schickes Betriebssystem. Office? Zum regulären Preis auch von Microsoft erhältlich… und teilweise sogar mit mehr Funktionen. Alternativ nimmt man halt das auch für den PC erhältliche Open Office. FTP-Client? Filezilla ist Dein Freund! Auf Safari verzichten und stattdessen lieber wie gewohnt mit dem Firefox surfen? Überhaupt kein Problem. Dabei muss man nichtmal auf all die netten Addons (Mouse-Gestures, Download Manager Tweak, Adblock etc.) verzichten, weil diese praktischerweise universal funktionieren und ohne Umwege auch unter OS X installiert werden können. Die Musikverwaltung hat seit meiner iPod-Anschaffung auch unter Windows komplett iTunes übernommen – welches der Leopard bereits von Haus aus mit sich herumträgt. Google Earth ist genauso verfügbar wie der VLC Player, Brennen via simplem Anlegen eines Brennordners möglich, die nominell sehr umfangreiche Bildbearbeitung Gimp ebenso nutzbar wie der Last.FM-Client. Als Messenger diente mir bislang Trillian als un-nerviger, angenehmer und schlanker ICQ-Ersatz. Nun wird halt einfach auf den Multi-Messenger AdiumX zurück gegriffen, der sogar mit noch mehr Protokollen Verbindung aufnehmen kann. Genial.

Arbeiten am Mac kann also mittlerweile absolut sorgenfrei ablaufen. Gerade die Open Source-Szene bedient beide Plattformen (Windows und Mac) gleichermaßen ordentlich. Für den PC gibt es zwar noch tausendmal mehr Software, aber ganz ehrlich: der absolute Großteil des erhältlichen Zeugs ist doch sowieso überflüssig und kommt im Alltag praktisch nie zum Einsatz. Für die üblichen Aufgaben abseits von Office-Anwendungen und Musicplayern bringt der Mac direkt noch die iLife-Suite mit, bietet mit iMovie ein ordentliches Videoschnitt-Tool, mit Garage-Band ein Pendant zur Musikbearbeitung und mit Front Row eine komplette Mediacenter-Schnittstelle, die sich bequem per Fernbedienung von der Couch aus steuern läßt. Leider gibts die Fernbedienung nicht mehr zusammen mit dem MacBook Pro, sondern muss für 19 Ocken separat gekauft werden.

Ihr seht also: der Umstieg auf einen Mac muss niemandem mehr Kopfzerbrechen bereiten. Außer eben, man gedenkt, auch in Zukunft noch weiterhin intensiv an seinem Rechner zu zocken. Dann geht so schnell kein Weg an einem “richtigen” PC vorbei. Gaming am Mac ist zwar theoretisch ziemlich gut möglich (immerhin schlummert etwa im MacBook Pro ein Core 2 Duo mit 2,4 Ghz, samt 2GB RAM und einer Geforce 8600GTM mit 256MB Grafikspeicher), aber das Angebot ist einfach zu klein. Zwar hat EA vor einer Weile großmäulig angekündigt, künftig verstärkt Spiele für Apples Plattform zu entwickeln, aber leider steckt man offenbar herzlich wenig Mühe in die Portierung, so dass die Umsetzung unterm Strich auch boß auf eine mehr schlechte als rechte Emulierung hinausläuft. Wer dafür Geld ausgibt, ist selbst schuld. Verzichtet man hingegen völlig auf das Spielen, hat man mit dem MacBook Pro zum normalen Arbeiten aber eigentlich schon viel zuviel Leistung in Händen. Nur gut also, dass es etwa auch Adobes komplette Creative Suite 3 für OS X gibt. Für eine anständige Bildbearbeitung kann man nie genug Power unter der Haube haben. Kleiner Tipp übrigens für Schüler und Studenten: Für Euch gibt es sowohl die gesamte Suite, als auch die Einzelkomponenten zu einem verdammt günstigen Kurs. Photoshop bekommt Ihr für gerade mal knapp 180 Euro, die Suite inklusive illlustrator, InDesign, Acrobat, der Bridge und noch einigem Mehr für um die 450-500 Euro. Klingt viel? Naja, Ottonormaluser zahlt mal eben ungefähr das 10fache. Von Volumenlizenzen wollen wir lieber gar nicht erst reden.

Nun habe ich schon soviel gefaselt, ohne überhaupt auf die Vorzüge des Betriebssystems selbst, angefangen beim ersten Einschalten, einzugehen. Von Anfang an springen einem so viele kleine, liebevoll ausgetüftelte Details ins Auge, die das Arbeiten am Apple soviel angenehmer erscheinen lassen. Doch davon dann beim nächsten Mal mehr. Für heute reicht es erstmal. Zum Schluss halten wir aber nochmal fest: Der Umstieg vom PC ist einfacher als man denkt, sämtliche wichtigen Programme sind auch für den Mac erhältlich und alles läuft einfach wunderbar schnell und einfach. So und jetzt werde ich noch eine Weile liebevoll meinen Blick über die wunderbaren Formen meines MacBooks schweifen lassen… Gute Nacht ;-)