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Noch ‘ne Demo. Diesmal Crysis. Auf keine anderen Titel wartet die versammelte PC-Gemeinde momentan wohl so sehr, wie auf der Inselballerei zweiter Teil. Was aber bei den meisten vermutlich – wieder einmal – nicht aufgrund innovativem Gamedesigns der Fall sein dürfte, sondern nur wegen der üblichen verdächtigen Faktoren: Grafik, Grafik und… ach ja: Grafik. Nun, liebe Nerd-Kiddies, soviel vorweg: Wenn Ihr kein Interesse an abwechslungsreichen, gut erzählten und atmosphärisch dichten Spielen habt und stattdessen lieber in bombastischer High End-Grafik rumballert: Euch werden vor Freude die Pickel auf der Stirn hüpfen! Jawoll. Vorausgesetzt natürlich, Papi hat Euch als Ausgleich dafür, dass sein Besuchsrecht auf 1mal im Monat begrenzt ist, einen mächtig dicken Rechner mit allem Pipapo spendiert. Falls nicht, müßt Ihr Euch damit abfinden, dass Crysis einfach nur gut aussieht und Ihr mal ganz kräftig an der Auflösungsschraube drehen müßt. Anti-Aliasing? Lieber nicht. Grafikkarte unter 512MB Texturspeicher? Zu wenig. Kein SLI? Haa haaaa. DualCore? Nur? Kurzum: Wer bei Crytek nicht das Teuerste vom Teueren unter seinem Schreibtisch stehen hat, der könnte etwas enttäuscht werden.

Alle anderen werden aber zumindest überrascht sein, wie gut Crysis auch auf mittlerer Detailstufe und mittlerer Auflösung aussieht. Im Gegensatz zu Suicide bin ich nämlich durchaus der Meinung, dass die Grafik auf auf den niedrigeren Einstellungen ein ziemlicher Knaller ist. Man muss Crysis ja nur mal mit Far Cry vergleichen: dort war das Meer auf niedrigen Details leer, am Himmel gab es keine Vogelschwärme, Grasbewuchs auf dem Boden war nur als Textur vorhanden. Um das zu ändern, brauchte man selbst heute noch einiges an Rechenleistung. Crysis hingegen sieht schon auf niedrigen Details deutlich lebendiger und besser aus als Far Cry auf höchster Stufe. Allein der Bodenbewuchs und die Dichte der Palmen ist schlichtweg der Wahnsinn, dazu tut sich so einiges am Himmel, im Mehr schwimmen Fischschwärme, die Wolken sind volumetrische Partikel…äääh…wolken und Charaktere sind so dermaßen aufwendig modelliert, dass mir anfangs erstmal die Kinnlade runterklappte. Meiner Grafikkarte wohl auch. Die braucht nämlich selbst auf mittleren Details nach dem ersten Levelstart noch ein paar Augenblicke, um alle Texturen in ihr RAM zu schaufeln. Derweil kann man förmlich dabei zusehen, wie die Landschaft fertig ausmodellliert wird. Kaum auszudenken also, wie gut Crysis auf höchster Stufe, mit vollen Details und in DirectX 10 aussieht.

Schade bloß, dass der Rechner, der das darstellen kann, für Otto-Normal-User erst in zwei Jahren erschwinglich ist. Und wahrscheinlich schläft uns dann beim Anblick des Games die linke Gesichtshälfte ein, weil wir längst wieder besseres gewohnt sind. Sprich: Crytek sollte die Zeit bis zum Release auf jeden Fall nutzen, um noch ein wenig zu tunen und zu tweaken, um die Performance zu optimieren.

Und spielerisch? Ist Crysis mit Sicherheit kein Meilenstein, bietet aber erzähltechnisch offenbar etwas gehobenere Kost mehr als Far Cry. Ansonsten ist der erste Level im Grunde Far Cry in grüner. Und mindestens schon wieder genau so bockschwer wie sein Vorgänger. Schon im normalen Schwierigkeitsgrad wurde mir die Munition sauschnell knapp. Der Anzug hält trotz maximaler Panzerung nicht wirklich viel aus und das Umschalten der verschiedenen Anzugmodi über Drücken des Mausrades finde ich ein klein wenig fummelig. Wer seine Gegner im Gebüsch erledigt, sollte sich verdammt nochmal genau einprägen, wo genau die Burschen umgefallen sind. Vor lauter Vegetation werdet Ihr ansonsten echte Probleme bekommen, deren Waffen wiederzufinden. Was aber dringend nötig ist… wegen der knappen Munition halt. Ein wenig schade ist außerdem, dass man betäubte Gegner nur dann entwaffnen kann, wenn man sie erschießt. Während sie wehrlos schlafend am Boden liegen. Sollte man aber unbedingt tun, weil die Bürschchen ganz schön clever sind und man ansonsten ganz schnell eine ganz schöne Latte an Problemen hat. Trifft man auf Einzelgegner, ziehen die sich auch gerne mal zurück, so dass man sie erstmal gar nicht mehr sieht… bis sie dann mit Verstärkung wieder anrücken. Da hilft dann nur noch, sich an das MG eines Jeeps zu klemmen und mal ordentlich draufzuhalten. Gezieltes Ausschalten mit einzelnen Schüssen wird nämlich schwierig, weil das Fadenkreuz leider keines ist und das Zielen über Kimme und Korn bzw. mit optischem Marker auch keine wirklichen Vorteile bringt.

Was mir am allermeisten Spaß gemacht hat, war die Tatsache, dass man wieder an einem wunderschönen Strand unterwegs ist und das Rauschen des Wassers genießen kann. Fast wie Urlaub. Bloß schade, dass die Schüsse und Explosionen zu laut sind. Das gibt Ärger im Reisebüro, wenn ich wieder zurück bin.