Das mit den Spielen…

Also ich weiß immer noch nicht, ob das so eine gute Idee war (ich glaube eher nicht), aber ich habe in letzter Zeit mal wieder ein wenig gezockt. Statt mich dem Haufen kaum berührter Altlasten in meinem Regal zu widmen, habe ich sogar ein wenig Kohle in die Hand genommen und mir zwei neue Jungfräulichkeiten ins Haus geholt, namentlich L.A. Noire und Dishonored. Gerade letzters scheint mir ja noch recht frisch, bei L.A. Noire hat mich vor allem die Neugierde getrieben.

Bevor ich auf die Titel als solche eingehe, muss ich jedoch schonmal eines festhalten: Wieder mit dem Controller in der Hand auf der Couch zu sitzen fühlt sich befremdlich an. Das liegt aber nicht an der Situation selbst, sondern scheinbar an den Spielen. Bislang hat es keiner der beiden Titel geschafft, mich für länger als eine Stunde an den Bildschirm zu fesseln. Irgendwie kam immer sehr schnell das Gefühl auf, dass irgendwas fehlt, dass der besondere Reiz, den Spielen ausmachen sollte, nicht vorhanden ist, dass es den Spielen nicht gelingt, mich in ihren Bann zu ziehen. Weder atmosphärisch, noch spielmechanisch, noch im Zuge der Erzählung. Nachdem ich mich im vergangenen Jahr vornehmlich anderen Dingen gewidmet habe und den Medienkonsum vorrangig auf Serien und Filme beschränkt habe, wird die Kluft, die immer noch zwischen filmischen und spielerischen Erzählungen klafft, nur umso deutlicher. Spiele schaffen es einfach immer noch nicht, sich aus ihrem hingerotzen Billigstorysumpf herauszuheben, was einem hier erzählerisch zugemutet wird, wäre selbst vor 10 Jahren von den Machern eines F-Klasse Michael-Dudikoff-Film müde ausgelacht worden. Da können noch so viele in der Gegend verstreute Bücher, Briefe und Audiofiles versuchen, durch atmosphärisch dumpfes Bollerbackengeschwafel sowas wie einen erzählerischen Gesamtzusammenhang vermitteln zu wollen, am Ende bleiben es doch bloß alles Nebelkerzen, um die Dünne des eigentlichen Storyfadens zu verschleiern. So!

Kommen wir also zu L.A. Noire. Oder lieber nicht. Für die Story würde selbst Phillip Marlowe im Grabe bis zur Selbstenzündung rotieren und spielerisch bietet sich ein so derbe kruder Brei, dass man allein angesichts der Farbe des Gemisches geneigt ist, den Spuckbeutel aus dem Trenchcoat zu falten. Tatort-Untersuchungen sind stupide öder Mumpitz, bei dem die willkürliche Verteilung von untersuchbaren Items mehr als nur einmal für ungewollte Komik sorgt, während die ganze Fahrerei drumherum den spielerischen Nährwert einer Kackwurst hat und im Zusammenhang des gesamten Settings und seiner sonstigen Spielmechaniken überflüssiger als ein weiterer Let’s-Play-Youtube-Vorspieler ist. Um den Blick aber mal auf das eigentliche “Highlight” des Spiels zu lenken: das Gesichtsmotioncapturinggedöhns inklusiveVerhörmechanik und der Frage, was es im Spiel bezweckt. Ich will Euch sagen, was es bringt: einen Scheiß! Einen Scheiß bringt es! Das ganze System ist so kaputt, dass man allerhöchstens durch Raten auf die richtigen Fragen kommt – und das Beobachten der ach so toll ge-capture-ten Mimiken bringen einem einen  – ja richtig geraten – Scheiß! Sie führen allerhöchstens noch in die Irre, als einem weiter zu helfen. Möchte jemand zufällig ein L.A. Noire kaufen?

Dishonored fehlt es, nach geschätzten zwei Spielstunden, vor allem an folgendem: einer Third-Person-Perspektive. Viele Spiele könnten gleich soviel besser sein, wenn sie doch einfach mal eine optionale 3rd-Person-Perspektive anböten. Was außerdem fehlt: ein anständiges Intro, eine gelungene Einführung in eine an und für sich ja alles andere als un-atmosphärische Spielwelt, größere Schriften in allem, was man so an Bildschirmtexten findet (ich bitte Euch, wer zum Fick soll denn bitte aus 3 Metern Entfernung auf einem 32-Zöller noch ohne zusammengekniffene Augen entziffern, was da in den Tagebüchern und Briefen so geschrieben steht). Und was vor allem fehlt: eine moderne Art, um Geschichten rund um das Spiele-Universum zu erzählen. Entschuldigung, liebe Arkane-Studios, aber 1991 hat angerufen und möchte seine verfickten Bücher, Briefe und Audiofiles zurück haben!!! Und wo wir gerade dabei sind: Waffen, Tools und Zauberkräfte auf ein und denselben Button zu legen war immer schon eine Scheißidee. Mal davon abgesehen, dass ich gerne mal eine Anzeige hätte, wann man mich in welchen Schatten sieht und wann nicht. Und warum kann ich Waffen zücken, sie aber nicht auch wieder zurückstecken, um mit leeren Händen rumzuspazieren? Ansonsten glaube ich aber zumindest, dass mich Dishonored bis Weihnachten oder darüber hinaus noch ein wenig länger beschäftigen kann. Immerhin. Und jetzt: weitergehen, hier gibt es nichts mehr zu sehen.

13 thoughts on “Das mit den Spielen…

  1. Waffen in Dishonored wegstecken kann man auf der Xbox 360 mit der X-Taste, glaube ich (also die Multifunktionstaste?) – einfach länger gedrückt halten. Ich weiß gar nicht, ob das mal irgendwo kommuniziert wird; habe selbst herumprobiert, als das Spiel mir das Wegstecken in einer Texteinblendung empfahl. Ansonsten stimme ich dir bei der Kritik durchaus zu – die an sich tolle Welt ist oft zu wenig mit dem Spiel verbunden. Die Ego-Perspektive ist aber mit dieser “Röntgensicht” nicht wirklich hinderlich, finde ich. Die Aufmerksamkeit der Wachen ist zwar gerne wechselhaft, aber wenn man irgendwie im dunkeln steht, ist man wohl absolut unsichtbar. Insgesamt tolles Game. View all comments by HomiSite

  2. Dunkelheit schützt in Dishonored nicht davor entdeckt zu werden. D.h., Schattenspielchen gibts hier nicht. 🙂 Und wenn du hinter einer Wand versteckt bist, musst du mit der Hervorgucken-Funktion um die Ecke gaffen, sonst könntest du auch entdeckt werden. Die Gegner haben außerdem einen ziemlich weiten Sichtkegel, die können sehr weit gucken. Ansonsten fand ich das Spiel aber ganz gut. Hat mich selbst gewundert, wegen Bethesda und so.

    Ja und … volle Zustimmung bei L.A. Noire. Ich kriege von dem Ding heute noch Alpträume. View all comments by Jingleball

  3. Also wenn man nur im Dunkeln herumsteht, aber die Gegner quasi genau vor einem, wird man natürlich schon entdeckt. Wenn du im Dunkeln bist, sehen sie dich aber schon schlechter, finde ich. Meist kommt im Zweifel ja eh nur die erste Warnstufe (1 von max. 3 Symbolen über deren Köpfen), da kannste dich noch in Seelenruhe zurückziehen. Wenn Gegner nicht alamiert sind und du unter Tischen o.ä. geduckt hockst (passiert ja automatisch), bist du aber IMO wirklich unsichtbar für sie. Und was über ihren Köpfen so passiert, ist den Wachen auch sehr egal; sie mögen zwar sehr weit gucken können, aber ihr Sichtkegel ist schon recht eng. Leises Fortbewegen ist noch eine sehr nützliche Fähigkeit und bei Gefahr kann man eh wegteleportieren (meist war ich dazu aber zu faul und hab bei Entdeckung neu geladen – save often, save early, BTW). PS: Primär entstand Dishonored bei Arkane Studios, k.A. wie sehr Bethesda da wirklich eingegriffen hat. View all comments by HomiSite

  4. Ja, Arkane ich weiß, aber teilweise wirkt es schon sehr Bethesdamäßig, schon allein die Ladebildschirme. Ansonsten ja, wenn man mit den Gegnern auf Augenhöhe ist, wird man leichter entdeckt. Hockte ich auf einer Lampe oder unter dem Tisch dagegen gar nicht. Aber auf normaler Augenhöhe zwischen hell und dunkel habe ich gar keine Unterschiede bemerkt. Bei mir war der Schleichrun auch das reinste Save’n Load-Fest. Hat Spaß gemacht. View all comments by Jingleball

  5. Früher habe ich in diesem Blog gerne mitgelesen, aber nachdem der Autor sich mittlerweile offensichtlich zu fein für’s Zocken fühlt, obwohl Videospiele zweifellos immer besser, vielfältiger und reifer werden, aber gleichzeitig aber immer noch kindisch genug ist, mit überflüssigen Kraftausdrücken um sich zu werfen, werde ich dieses Blog nun aus meinem Feed entfernen. Schade. Aber die deutsche Blogger-Szene hat es eh geschafft, sich in den letzten Jahren noch irrelevanter zu machen, als sie es ohnehin schon war. View all comments by Zak

  6. Tschüss! *wink*
    Aber pass’ beim Rausgehen bitte auf, dass Du nicht über meine Fisher-Price-Rassel stolperst, meinen Schnuller kaputt trittst oder Dich an meinem großen Ego stößt. Danke!

    @Jingleball: Moment, hast Du wirklich AUF einer Lampe geschrieben? Wenn man drunter steht wird man gesehen, wenn man sich draufstellt nicht? o_O

    (P.S. Da schreibt man endlich mal wieder was und dann meckern sie immer noch. Seid froh, dass ich überhaupt wieder spiele und darüber schreibe, nach allem, was war. Ansonsten interessiert’s mich aber auch weiterhin, wie all die 6 Jahre davor, einen verfickten Scheißdreck, was andere Leute von mir, meinem Schreibstil oder meiner Ausdrucksweise halten. Selbst mit Mitte 30 nicht. Geht kacken.) View all comments by Christian

  7. Hach Dishonored, wir hätten echt Freunde werden können. Ich habs vielleicht 3 Stunden ausgehalten und kam dann doch zum Entschluss, dass mich das irgendwie langweilt. Irgendwie fehlte da was, was mich an die verdammte Glotze klebt.

    btw: “Zitat: Spieler immer besser, vielfältiger und reifer werden” … what? Also reifer kann ich teilweise be”ja”n, alles andere …. bei weitem nicht. Vielfältiger und besser eher im Indiebereich, ok – stimm ich doch zu. Bei den AAA Titel – no way! Kennste eins, kennste alle … ich überlege gerade krampfhaft, welches AAA-Spiel ich tatsächlich zuletzt wirklich durchgespielt habe :/ View all comments by VoodooBenshee

  8. L.A. Noire: Hab ich ja eher wie einer Adventure mit versehentlichen Open-World-Zeug drumherum gesehen. Und mochte es trotzdem. Aber bin ja auch quasi ein Rockstar-Fanboy.
    Bessere Alternative: The Walking Dead von Telltale. Besser als die Fernsehserie, auf den gleichen Niveau wie die Comics und vermeidet die Fehler des Genres, weil es auf das Mininum der Mechaniken runterreduziert wurde. Heavy Rain, ick hör dich weinen.

    Bessere Alternatvie zu Dishonered: Mark of the Ninja. Weil 2D. Weil funktioniert in 2D. Weil hübsches 2D. Weil perfekte Informationsdarstellung in 2D. Weil super 2D-Ninja-Simulator. View all comments by PlayStar

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