Pressemitteilungen sind doch etwas schönes. Ja wirklich. Als Betreiber eines kleinen, rein privaten Blogs fühlt man sich ja doch irgendwie geehrt, wenn man permanent mit frischen Pressemitteilungen zu aktuellen und künftigen Produktreleases zugeschissen bedacht wird. Völlig unaufgefordert. Ohne sich jemals auch nur für irgendeinen Presseverteiler angemeldet zu haben. Was zeigt uns das? Blogs können auch bei Publishern ein durchaus begehrtes Tool sein, um eigene Produktbotschaften als Floh im Auge des Lesers zu platzieren.
Wenn man das Ganze denn bloß mal zu Ende denken würde. Denn leider sitzen in den PR-Abteilungen dieser Welt offenbar weitestgehend ausschließlich Menschen, die zwar der Auffassung zu sein scheinen dass Blogs ein total cooles Ding seien, das man unbedingt dazu bewegen müsse, den eigenen Mitteilungs-Dünnpfiff in die Welt zu pupsen – aber mit welchem Anreiz? Keine Ahnung wie es den werten Kollegen aus der Blognachbarschaft so geht, aber ich für meinen Teil habe diese Seite hier doch nicht ins Leben gerufen, um pausenlos Pressemitteilungen diverser Publisher unreflektiert wiederzukäuen.
Blogs waren und sind meines Erachtens nach wie vor als absoluter Gegenentwurf zu eben solchen Modellen zu sehen, wie sie etablierte Websites mit ausgeprägtem News-Teil darstellen. Klar, wer 40 News am Tag veröffentlichen möchte, findet in Pressemitteilungen ein gefundenes Fressen. Und wenn er weiterhin mit Publisher XYZ auf Anzeigen-Ebene Geld verdienen möchte, dann tut er gut daran, den Text-Overkill stets artig und ohne Widerworte zu veröffentlichen.
Ein Blog ist nun aber im Regelfall ein profitfreier Raum, der nicht permanent unter dem Druck steht, Seitenaufrufe am laufenden Band generieren zu müssen, sondern sich um genau die Dinge kümmern kann, die ihm wirklich am Herzen liegen. Als Fanboy kann man dann auch gerne mal PM X zu Spiel Y veröffentlichen, eben weil man seine eigene Vorfreude dadurch weiter anfacht. Ansonsten gilt aber, dass man sich eingängiger mit spezifischen Themen beschäftigen oder einfach seine eigenen, vom Magazin-Mainstream abweichenden 5 Cent zu einem Game veröffentlicht sehen möchte.
Wo liegt für diesen Personenkreis unabhängiger Privatblogger also die Motivation, Pressemitteilungen aus seiner Inbox zu fischen und weiter zu verarbeiten, anstatt sie zu löschen, wenn die PR-Manager dieser Welt diese grundlegenden Prinzipien offenbar nicht einmal ansatzweise verstehen (wollen). Seht es doch mal ein: es bringt nichts, uns eine PM nach der anderen ins Haus flattern zu lassen (Ausnahmen bestätigen die Regel), denn wir sind auf dadurch generierte Klicks nicht angewiesen. Entsprechend ist der Ansatz, das bloggende Pack durch derlei Informationshäppchen auf seine Seite zu ziehen, von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Ihr wollt, dass sich private Schreiberlinge wirklich mit Euren Produkten auseinandersetzen und positiv darüber zu berichten wissen? Dann tut was dafür. Indem Ihr ihnen beispielsweise einfach mal einen Teil dieser Produkte zur Verfügung stellt. Statt nur eines weiteren generischen Waschzettels zum Release könntet Ihr diesem doch auch einfach mal das fertige Produkt beilegen, oder? Der Versand so einer DVD tut wirklich nicht weh (ich schwöre es Euch!) – und die damit verbundenen Kosten könnt Ihr auch ganz einfach aus der Kaffeekasse zusammenkratzen.
Und auch wenn Ihr damit Gefahr lauft, schlechte Kritik zu ernten – who cares? Die Leserzahlen der vermeintlichen Opinion Leader sind nicht so groß, das Ihr Negativ-Kritik nicht durch den Einkauf von ein paar Prozentpünktchen mehr bei 4Players und Co. relativieren könntet. Umgekehrt gelingt es Euch dadurch aber eventuell, eine tiefergehende Beziehung zum Blogger Eurer Wahl aufzubauen (nicht dass, was Ihr jetzt denkt) und langfristig durchaus positive Resultate zu erzielen. Ich wiederhole es nochmal: ohne großen Einsatz Eurerseits und ohne dass der Blogger sich Sorgen über seine Integrität oder Unabhängigkeit machen müsste. Denn formal gesehen bleibt er weiter unabhängig.
An dieser Stelle sei beispielhaft einmal ausdrücklich Daedalic gelobt, die wirklich vorbildliche Arbeit auch auf Blogebene leisten und nicht nur regelmäßig PMs mit hohem Unterhaltungsfaktor versenden (die ich gerne lese, aber trotzdem nicht veröffentliche, aus oben genannten Gründen), sondern ebenso liebevoll gestaltete Pakete mit Rezensionsexemplaren (da fällt mir ein: Die Review zu Machinarium steckt hier immer noch in der pipeline. Shame on me). Darüber hinaus schadet es nicht, Blogger auch einfach mal auf eines der vielen üblichen Presse-Events einzuladen bzw. gleich ein eigenes für uns abzuhalten (nur so als Tipp).
nVidia und Samsung sind da Anfang des Jahres einen guten Weg gegangen. Und auch Ubisoft (Fantastiv 5 Event) und Nintendo (Vorstellung New Super Mario Bros. Wii u.a.) scheinen erkannt zu haben, dass es gar nicht so schlecht ist, die Besucher der eigenen Presse-Events in Teilen aus den Blogs zu rekrutieren. Bravo. Wenn Ihr es jetzt noch schaffen würdet, die Veranstaltungen nicht mitten in der Woche um 11:00h vormittags abzuhalten… Wir haben nämlich auch noch richtige Jobs, wisst Ihr?
Bild: “Müll gehört in die Presse” – Original von m.p.3/lemonpixel (Creative Commons (by-nc-sa))
Pressemitteilungen sind doch etwas schönes. Ja wirklich. Als Betreiber eines kleinen, rein privaten Blogs fühlt man sich ja doch irgendwie geehrt, wenn man permanent mit frischen Pressemitteilungen zu aktuellen und...
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