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Internet-Marketing ist ja schön und gut. Auch, dass Werbetreibende, Agenturen und PR-Abteilungen etwa von Publishern und Entwicklern mittlerweile die so genannte Blogosphäre für sich entdeckt haben und nun darauf spekulieren, diese intensiv für ihre eigenen Zwecke nutzen oder missbrauchen (liegt ja wie immer im Auge des Betrachters) zu können, ist nicht unbedingt so verkehrt. Beispiele gibt es ja mittlerweile mehr als hinreichend viele. Mal sind es nur vereinzelte Beiträge, mal gleich ganze Blogs die da erkauft werden. Oder eigens für ein Produkt überhaupt erst an den Start gehen – meist natürlich, ohne jegliche Transparenz, um den Leser im Glauben zu lassen, es handele sich um ein privates Weblog ohne kommerzielle Hintergedanken. Sony etwa hat so was mal für die PSP versucht, wenn ich mich recht entsinne. Oder LonelyGirl15: Die junge Dame, ein Kunstprodukt, hat damals ziemlich erfolgreich eine ganze Videoplattform genarrt. Transparenter lief es da schon bei Microsofts Aktion ab, die zur Promotion ihres Betriebssystems Vista ein paar Notebooks an ausgesuchte Blogger verschenkt haben.

Ein gutes Beispiel, wie so was mindestens genauso transparent vonstatten gehen – und für beide Seiten einen nennenswerten Mehrwert bieten kann, ist etwa trigami. Das Modell ist einfach wie clever: Marketingtreibende suchen sich eine Reihe von geeigneten Blogs aus, starten eine Ausschreibung, in der sie Thema und Umfang vorgeben und völlige redaktionelle Freiheit gewähren und wählen anschließend aus den Bewerbern genau diejenigen heraus, die ihnen am ehesten zusagen. In der Folge hofft der Auftraggeber natürlich, eine gesteigerte Aufmerksamkeit, mehr Clicks auf die eigene Seite und ein positiv vermarktetes Produkt zu erhalten. Der Blogger wiederum profitiert finanziell (ok, ist nur einkleiner Obulus, aber gemessen an der Vorgabe von meist 300-600 Wörtern ein guter Stundenlohn) und erschließt sich durch Backlinks im Idealfall ebenfalls neue Leser. Ich habs ja selbst bekanntlich schon einmal ausprobiert, aber außer dem bisschen Kohle hab ich noch keinen großen Effekt verspürt. Außer, dass man sich irgendwie schon als Werbenutte fühlt. Ein wenig schleicht sich bei so was ja doch schon irgendwie die Angst ein, plötzlich völlig uncredibil, weil unglaubwürdig und seine-Seele-verkaufend, vom Leser aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Da fällt mir ein: Ist das eigentlich wirklich so? Macht man sich beim Leser unglaubwürdig, wenn man seine Artikel quasi als editorielle Werbefläche verscherbelt? Klar, bei Magazinen und Zeitschriften läuft das nicht anders – aber gerade deshalb liest man ja auch Blogs. Sollte man das durch solche Maßnahmen erworbene Geld also vielleicht sogar lieber für einen guten Zweck spenden? Oder lieber in Review-Exemplare von Games, zwecks zukünftigen Test-Berichts, investieren?

So oder so: Einige Firmen scheinen noch immer nicht begriffen zu haben, wie der Werbemarkt Blogosphäre funktioniert und agieren statt in eigenen Blogs oder über offizielle Plattformen lieber penetrant-nervig, indem sie Blog-Autoren einfach ungefragt mit Werbemails zumüllen, in Kommentaren die eigenen Produkte anpreisen und auch auf nachdrückliche Bitte, das zu unterlassen, einfach nicht reagieren wollen. Gemäßigte Vertreter der Gattung sind etwa Daedalic Entertainment, die mich gerne auch ungefragt in ihren Newsletter-Verteiler aufgenommen haben, um ihren neuesten Ableger der Adventure-Reihe Ankh anzupreisen, bei Rückmeldung aber unverzüglich bereit sind, jemanden auch sofort wieder aus dem Verteiler zu löschen. Hartnäckigere und deutlich nervigere Versuche, das eigene Produkt an den Mann zu bringen, kommen da schon etwa von Ankama Games, deren Flash-Online-Rollenspiel im Knuddel-Look wohl unbedingt noch Mitspieler braucht. Unerwünschte Aufnahme in den Mailverteiler ist da erst der Anfang. Wobei ich eine unangefragte Kontaktaufnahme noch gutheißen könnte, solange sie persönlich vorgetragen wird und vielleicht einfach mal unverbindlich anfragt, ob man nicht mal zusammenarbeiten könnte. Wenn aber ein anonymer Newsletter einheitlich an x Blogs geht, wird’s irgendwann einfach zu doof. Vor allem, wenn die Macher selbst auf den Hinweis, Spammail gefälligst zu unterlassen, einfach fröhlich weitermachen. Richard hat damals einen sehr humorvollen Versuch unternommen, Ankama ob dieser Praktiken lächerlich zu machen. Verstanden hat man es da in Frankreich wohl nicht. Kein Wunder, radebrechen die selbst in ihren Werbemails ja noch aufs Übelste. Verwunderlich eigentlich, dass da nicht sowieso sofort der Spamfilter einschreitet.

Jedenfalls: nachdem die erste Mailwelle nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat, versucht man es jetzt wohl mit der zweiten. Und hinterlässt nebenbei noch fröhlich Kommentare in Blogs, die auf das ja eigentlich nette Spielchen Dofus hinweisen. So gesehen etwa neulich bei den Vier Fäusten.  Ich habs ja damals tatsächlich mal kurz angespielt und war eigentlich sehr positiv überrascht. Aber so vergeht mir dann doch der Spielspaß, meine Herren.
Also, um mal zum Schluss zu kommen: wie steht Ihr zu solchen Maßnahmen? Ab wann nervt sowas, was ist noch zulässig? Ist Auftragsbloggen OK, oder seid Ihr da eher straighte Puristen, die von Marketingplänen unbelastete Berichte erwarten?